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Abgrund
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 26.06.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Peter Watts, Verlag: Heyne Verlag, Seiten: 494, Erschienen: 2008, Preis: 8,95 Euro


Abgrund von Peter Watts ist das Auftaktbuch der so genannten Rifter-Trilogie und zugleich sein erster Roman überhaupt. Das nach neun Jahren doch noch eine Übersetzung herausgebracht wurde verdanken wir seinem Erfolgsroman Blindflug. Peter Watts, der als Science-Fiction Autor sein Geld verdient, arbeitete viele Jahre als Meeresbiologe und genau von der Tiefe des Meeres handelt auch der Roman. Dies wird auch sehr deutlich, wenn das Cover betrachtet wird, welches einen Taucher in einem futuristischen Tauchanzug neben Luftblasen zeigt.

Der Hintergrund des Buches ist rasch erzählt. Irgendwann in nicht allzu ferne Zukunft gehen die fossilen Brennstoffe der Erde zur Neige und die Regierungen der Welt und die Energiekonzerne suchen neue Möglichkeiten der Energiegewinnung. Diese neuen Möglichkeiten sind unter Wasser gegeben. An Riffen, wo die Lavaströme knapp unter dem Meeresboden fließen, kann Wärme als Energie genutzt werden.

Natürlich können die Anlagen nicht ganz ohne Arbeiter betrieben werden und eine dieser Arbeiter ist die Hauptperson des Buches, Lenie Clarke. Lenie ist, wie alle anderen Unterwasserarbeiter, mit technischen Mitteln durch Operationen und biochemischen Behandlungen dem Leben und Arbeiten unter Wasser angepasst worden. Ein Lungenflügel wurde ausgetauscht, damit das Atmen unter Wasser möglich ist und Drogen, die regelmäßig injiziert werden, verhindern Fehlfunktionen und stabilisieren den veränderten Körper der Arbeiter. Neben diesen körperlichen Vorraussetzungen benötigen die Arbeiter natürlich auch psychische Stabilität. Diese Vorraussetzung wird unter Wasser getestet. Wer versagt, wird abberufen und -geholt.

Interessanterweise scheinen sich Personen mit bestimmten Erlebnissen und Handlungen für das Leben und Arbeiten unter Wasser besser zu eignen als andere. Diese Personen sind entweder Täter oder Opfer von Missbrauch. Lenie ist Opfer, kann aber nicht nur damit gut umgehen sondern auch mit dem Täter.

Alle Nebencharaktere vorzustellen würde den Rahmen der Rezension sprengen. Es gibt neben den anderen Arbeitern, insgesamt sechs, noch einen U-Boot-Piloten, einen Psychologen und dessen Vorgesetzte. Vier dieser Charaktere werden mit Vorgeschichte vorgestellt: Joel, der Pilot, Lenie, Lubin, der Täter und Scanlon ein Psychiater des Energiekonzerns.

Während Joel Unterwassertouristen die unbekannte Welt zeigt, muss Lenie den Psychotest unter Wasser über sich ergehen lassen, den sie deutlich besser abschließt als ihre Teamkollegin. Nach dem bestandenen Test werden die verschiedenen Testpersonen zusammengebracht und der eigentliche Job beginnt. Neben dem Aufenthalt in ihrer Unterwasserbasis und dem Überwachen der technischen Geräte müssen die Arbeiter auch nach draußen und dort jene Geräte warten und reinigen. Durch ihre körperlichen Veränderungen sind sie dazu bestens in der Lage. Aber gerade diese Außeneinsätze führen dazu, dass die Arbeiter den Aufenthalt im Wasser zu sehr genießen und immer mehr Zeit darin verbringen. Als der erste den Kontakt nach innen abbricht und sich dem Leben unter Wasser komplett hingibt, wird Scanlon in die Station geschickt, um die Situation und die Arbeiter zu untersuchen. Er trifft auf Misstrauen und Ablehnung. Während seines Aufenthaltes entdecken die Arbeiter ein merkwürdiges Objekt und ihr Misstrauen steigert sich noch weiter. Erst nachdem Scanlon abgezogen wird, erfährt der Leser schließlich, was genau unter Wasser vor sich geht und welch große Gefahr für die Menschheit und auch für die Arbeiter besteht. Das Ende ist typisch für Fortsetzungsromans und dementsprechend viele Fragen sind noch unbeantwortet, die Spannung ist aber nach wie vor vorhanden.

Der Schreibstil des Buches ist gelungen, das Einblenden von Gedanken durch den allwissenden Erzähler gibt intensive Einblicke. Gerade deswegen haben die Charaktere Tiefe und die Veränderungen im Laufe des ersten Bandes werden dadurch sehr bildhaft dargestellt. Gerade diese Veränderungen sind spannend und haben Hand und Fuß. Der Leser entwickelt, auch deswegen, schnell Sympathien und Antipathien mit den verschiedenen Charakteren und hofft auf mehr Informationen zu eben diesen Charakteren in den Folgebänden.

Fazit: Abgrund ist ein spannendes Buch, welches in einer der interessantesten Umgebungen unseres Planeten spielt, unter Wasser. Die körperlichen Veränderungen der Charaktere und deren Erlebnisse sind detailliert beschrieben und versetzen den Leser in die Lage, sich sowohl deren Äußeres als auch deren Inneres vorstellen zu können. Die Gefahr für die Menschheit und das offene Ende, in einer mehrbändigen Reihe nichts Ungewöhnliches, lassen hoffen, dass die Übersetzung des zweiten Bandes nicht zu lange auf sich warten lässt. Zu empfehlen ist das Buch auf jeden Fall.




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