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Chang Cheng
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 24.06.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Walter Obert, Verlag: HUCH & Friends Hutter Trade GmbH & Co. KG, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 32,95


Als Baumeister errichten zwei bis vier Spieler Abschnitte der Chinesischen Mauer. Sie wetteifern darum, die wichtigsten Provinzen zu schützen, bevor der Mongolensturm losbricht.

In der großen Schachtel findet sich eine Fülle an Spielmaterial. Zunächst fallen die vielen Mauerteile auf. Sie sind aus Kunststoff und schön modelliert. Es gibt für jeden Spieler einen Satz aus 14 Einzelmauern (plus eine Ersatzmauer), eine Doppelmauer und einen Turm. Des weiteren liegen vier doppelseitig bedruckte Spielplanteile und eine Siegpunkttafel bei. Jeder Spielplan zeigt drei Provinzen von China und gegenüber drei mongolische Gebiete. Getrennt sind sie durch Bauplätze für die große Mauer.
Zu Spielbeginn werden zwei der Spielpläne aneinander gelegt. Auf die mongolischen Gebiete kommt verdeckt jeweils ein Bedrohungsmarker und auf die chinesischen jeweils offen ein Prestigemarker, die den Wert der Provinz unterschiedlich erhöhen. Jeder Spieler erhält die Mauern einer Farbe sowie einen Satz Aktionskarten. Das sind jeweils sechs sehr schön gestaltete, längliche Plättchen aus fester Pappe. Jede davon hat besondere Auswirkungen. Eine Übersichtstafel für die Aktionskarten wäre noch wünschenswert, jedoch sind die Symbole nach einer Partie selbsterklärend.
Die Spielanleitung ist sehr gut strukturiert, leicht verständlich und mit farbigen Beispielen versehen.

Der älteste Spieler beginnt und führt in seinem Zug eine der folgenden Möglichkeiten aus:

- Zwei Einfachmauern in verschiedene chinesische Provinzen setzen
- Zwei Aktionskarten in verschiedene chinesische Provinzen legen
- eine Aktionskarte und eine Einfachmauer in dieselbe chinesische Provinz spielen
- die Doppelmauer setzen
- den Turm setzen

Immer wenn eine Einfachmauer, die Doppelmauer oder der Turm gesetzt wird, darf man sich den Drohmarker von dem angrenzenden mongolischen Gebiet ansehen. Sobald der Mauerabschnitt einer chinesischen Provinz fertiggestellt ist, wird die Provinz sofort gewertet. Zuvor werden die Aktionsarten in einer bestimmten Priorität betrachtet. Da gibt es zum Beispiel den Krieger, der zuerst eine andere Aktionskarte entfernen muss. Der Baumeister zählt entweder bei Bestimmung der Mehrheit eine Mauer mehr oder erhöht den Wert der Provinz um zwei Prestigepunkte. Der Beamte wiederum tauscht eine Einfachmauer mit einer beliebigen anderen aus. Gleiche Aktionskarten heben sich allerdings immer gegenseitig auf.
Nur der oder die Spieler, die anschließend die Mehrheit an Mauerteilen in dieser Provinz haben, bekommen die entsprechenden Prestigepunkte. Alle anderen gehen leer aus. Die Prestigemarker können dabei viele Bonuspunkte bringen. Wurden drei Provinzen gewertet, wird ein weiterer Spielplan angelegt. Bei vier Spielern kommt später auch noch der vierte Spielplan hinzu.

Das Spiel endet, wenn die große Mauer komplett errichtet wurde. Danach findet der Angriff der Mongolen statt. Dazu werden nacheinander die Bedrohungsmarker aufgedeckt und ausgewertet. Der oder die Spieler, die in dem jeweiligen Gebiet die meisten Mauerteile errichtet haben, müssen entsprechende Minuspunkte hinnehmen, außer sie haben einen Turm dort stehen, der den Angriff abwehrt.
Besonders interessant dabei ist, dass die mongolischen Gebiete von der Größe her immer abweichend zu den benachbarten chinesischen Provinzen sind. Dies muss man während des Spieles immer beachten. Dabei haben es der oder die Spieler, die an der Seite des Spielplans mit den mongolischen Gebieten sitzen etwas schwerer die jeweiligen Grenzen im Auge zu behalten.

Als optionale Regel gibt es noch vier Ereigniskarten, die am Ende des Spiels zusätzliche Punkte für besondere Konstellationen bringen, zum Beispiel für die längste zusammenhängende eigene Mauer.

Chang Cheng ist zunächst ein sogenanntes "Mehrheitenspiel", bei dem um einzelne Regionen gerungen wird. Jedoch enthält es weitere interessante Elemente, lässt viele verschiedene Taktiken zu und besitzt mit 45 bis 60 Minuten eine überraschend angenehme Spieldauer. Zudem muss man sich während des Spiels auch ein paar Dinge merken. Zum einen den Wert und die Position der Bedrohungsmarker und zum anderen, welche Auftragskarten bereits verbraucht wurden und welche man selbst wo gespielt hat.
Bemerkenswert sind die zu den Provinzen unterschiedlich großen Mongolengebiete, die am Ende gerade den stärkeren Spielern Minuspunkte bringen können. Eine weitere Bereicherung sind die Aktionskarten, die Einfluss auf die Wertung einzelner Provinzen nehmen. Gerade Provinzen mit wertvollen Prestigemarkern sind immer hart umkämpft und oft mit einigen Aktionskarten versehen, die bei der Auswertung so mache Überraschung bringen und dadurch das Spiel besonders spannend machen.
Das Hintergrund-Thema selbst wurde sehr gut umgesetzt und die hervorragende Zwei-Spieler-Variante rundet das Spiel ab.

Fazit:
Chang Cheng ist ein stimmiges, sehr spannendes und kurzweiliges Mehrheitenspiel mit einer tollen Ausstattung, das in jeder Besetzung viel Spaß macht. Die fertig gestellte Mauer am Ende des Spiels ist ein wahrer Blickfang. Chang Cheng gehört somit eindeutig zu den heimlichen Highlights dieses Spielejahrgangs.




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