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KULTBUCH: Spitalier
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 03.08.2008, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Chrsistian Günther, Valentin Maier, Michael Szopa, Verlag: Sighpress Verlag, Seiten: 264, Erschienen: 2008, Preis: 34,95 Euro


Auf 264 Seiten im Hardcover stellt der Band den Kult der Spitaler, den Ärzten der apokalyptischen Welt, ihre wichtigsten Werkzeuge, ihre Geheimnisse und die Regionen, in denen sie vertreten sind, vor.

Das erste Kapitel "Ein Spital, eine Welt" umfasst mehr als die Hälfte des Bandes und geht auf die Spitaler, ihre verschiedenen Laufbahnen, die verschiedenen Forschungsgruppe, ihr Hauptquartier, das Spital, sowie die Regionen ihres Interesses ein. Als Kind wird man rekrutiert, in einem Anzug gesteckt und bekommt die Schriftsprache beigebracht. Einige Jahre als Pfleger folgen, bis man nach der Weihe als Famulant aufgenommen ist. Ab hier muss man sich selbstständig den verschiedenen Fachrichtungen anbiedern, dann steht einem die Welt offen: Als Feldarzt, Chirurg, Epigeniker, Pharmazeutiker, Anästesist, Hygeniker oder Hippokrat. Jede Stufe der Laufbahn wird ausführlich beleuchtet, in einer kurzen Geschichte werden typische Situationen vorgestellt und der Obmann des Bereichs wird beschrieben. Bei den verschiedenen Forschungsgruppen sind die jeweiligen Leiter, typische Aufgaben und Forschungsgebiete sowie Karrieremöglichkeiten aufgeführt. Weiterhin werden die allgemeinen Ziele und Motivationen der Spitaler näher beleuchtet.

Als Ort wird das Spital, der Corpus sowie der Appendix ausführlich vorgestellt. Der Corpus als eigentliche geschützte Stadt mit dem Spital, zwei Krankenhäusern und weiteren wichtigen Einrichtungen und der Appendix, ein Krankenlager vor den Stadttoren mit eigenen Vierteln für verschiedene Krankheiten, welches im Sommer zu riesiger Größe anschwillt. Oft verliert sich die Beschreibung in Details, nur wer Kampagnen im Spital spielen will oder eine Spitalergruppe leiten möchte, wird damit etwas anfangen können.

Mit den anschließenden Regionalbeschreibungen kommt der aus meiner Sicht spannendste Teil des Buches. Das sporenverseuchte Pollen, welches im Prinzip nur über zwei Schneisen durchwandert werden kann, um Danzig zu erreichen. Automatisierte Vernichtungsfesten versuchen einen Weg gen Osten freizumachen und sind schon bis Brest vorgestoßen. Auf der anderen Seite Franca, wo die Spitaler gegen die vordringenden Pheromanten kämpfen. Hybrispania, hingegen steht ebenso wie Africa nur noch im Fokus verschiedener Expeditionen und so aber vielleicht auch im Fokus des nächsten Abenteuers, wenn man im Auftrag einer der Forschungsgruppe vordringen soll. Abschließend folgen Purgare und der Balkhan, wo sich die Spitaler als Guerillas durchschlagen. Die Länge der Beschreibung ist abhängig von der Aktivität der Spitaler in der Region, von zwei Seiten für Africa bis 24 für Pollen und Danzig – durchgängig gut ist aber die Qualität der Schreibe. Jede Region ist ein apokalyptisches Abbild unserer Welt, aber immer individuell und unterscheidbar.

Das zweite Kapitel "Einer von uns" beschäftigt sich nun konkret mit der Erschaffung eines Spitalercharakters inklusive spieltechnischer Werte und einigen Ideen für mögliche Hintergründe, Gefährten und Widersachern, während das dritte Kapitel "Arsenal" spieltechnische Werte und Beschreibungen für Arzneien, typische Krankheiten in den verschiedenen Regionen, Feldmedizin, Dienstleistungen der Spitaler, Ausrüstung wie Ganzkörperanzüge, Atemmasken, Spreizer, Gaskartuschen oder Fahrzeuge, bietet.

Das vierte und letzte Kapitel, "Sperrzone" beschäftigt sich mit den Geheimnissen rund um die Spitaler, die nur für Spielleiteraugen bestimmt sind. Preservisten, die Soldaten der Spitaler, das Echein-Projekt oder die wahren Ziele der Forschungsgruppe Hive sind einige der Stichworte, über die man in diesem Kapitel aufgeklärt wird. Das Kapitel liefert weiterhin gute Ansätze für eigene Abenteuer- und Kampagnenideen.

Die Kapitel sind mit Kurzgeschichten durchbrochen, welche in der Vorzeit spielen und einiges zum Thema Hive verraten. Vorbildlich ist die deutliche Trennung von Spieler- und Spielleiterteil, so dass der Band für alle problemlos nutzbar ist. Die Grafiken, u.a. von Klaus Schwerwinski und Tobias Mannewitz sind von durchgehend guter Qualität, das Layout ist stimmig endzeitlich, aber nicht immer praktikabel. Einige Infos tauchen leider doppelt auf, z.B. zu den Epigenikern, die einerseits Spezialisierungsrichtung, andererseits Forschungsgruppe sind. Des Weiteren hat einer der Autoren die Neigung dazu, bei einer weiblichen Person immer die Petrova, die Jacobi, die Janssen zu schreiben, was mir beim dritten Mal dann doch störend auffiel. Vom Fluff-Aspekt erfüllt das Buch eigentlich alle Wünsche, fast alle denkbaren Aspekte werden beleuchtet. Aber auch der Crunch kommt nicht zu kurz und neue Werte und Regeln da eingezogen, wo sie eben fehlen.

Fazit: Sowohl aus Spieler- wie auch aus Spielleitersicht ein gelungenes Buch, welches zum Thema Spitaler eigentlich keine Lücken hat, gut lesbar ist und zugleich genug Material bietet. Zu guter letzt ist es in dem Layout auch einfach nur schön anzuschauen.

Ein Hinweis noch auf zwei Preview-Kapitel im Netz für diejenigen, die selbst einen Blick werfen wollen:
- Chirurgie - http://www.degenesis.de/download/DEGENESIS_SpitalierPreviewChirurgie.pdf
- Danzig - http://www.degenesis.de/download/DEGENESIS_SpitalierDanzig.pdf




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