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Russland - Das wahre Gesicht einer Weltmacht
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 17.06.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Thomas Roth, Verlag: Piper Verlag GmbH, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 19,90 Euro

Thomas Roth ist nun, mit drei Jahren Unterbrechung, schon vierzehn Jahre Korrespondent beziehungsweise Chefredakteur der ARD in Moskau. In diesen Jahren hat er viel erlebt und noch mehr Gebiete in Russland bereist. Von St. Petersburg über Moskau nach Sotschi, dem Austragungsort der Winterspiele 2014, und zu einigen anderen Orten führte seine Reise, um die Frage zu beantworten: "Wie wird Russland morgen sein?" Das ist der rote Faden, den der Autor in seinem Buch Russland – Die wahre Geschichte einer Weltmacht verfolgt.

Der Einband des Buches zeigt neben dem Autoren, der vor einer verschneiten Fabrik steht, auch Düsenflugzeuge über den bunten Kirchendächern Moskaus. Diese beiden Bilder symbolisieren Russland mehr als es dem Leser bewusst ist. Russland ist ein Land mit wachsender Industrie, ein militärisches aber auch christliches Land. Direkt im Einband finden sich der Klappentext und eine Landkarte Russlands, die bei der Lektüre des Buches sehr nützlich sein wird. Der Klappentext gibt dann auch wieder, welche Beweggründe der Autor zum Verfassen des Buches hatte: Medwedew, der neuer Präsident, Putin, Politik, Ölmilliarden und die Frage nach dem Wohin.

Schon im Vorwort wird klar, dass Thomas Roth in seinem Buch neben historischen Fakten auch seine Erlebnisse und Eindrücke wiedergibt und das Buch so teilweise ein subjektives Bild erzeugt. Natürlich ist Thomas Roth ein Kenner des Landes und so überwiegt die Hoffnung, dass das wahre Gesicht, das er abbildet, auch tatsächlich der Wahrheit entspricht.

In vier große Kapitel teilt Roth sein Buch ein. Im ersten befasst er sich mit der Supermacht am Scheideweg, und dieses Kapitel kann als größere Einleitung verstanden werden. Die aktuelle Lage der Einwohner, insbesondere solcher, die weiter weg von den Metropolen leben, betrachtet der Autor ebenso wie den neuen Präsidenten und die Ära Putin. Viele Verstrickungen und gemeinsame Wege von Medwedew und Putin werden herausgearbeitet und machen deutlich, wie eng die beiden miteinander verbunden sind; der eine als Mentor, der andere als willfähriger Nachfolger.
Im zweiten Kapitel befasst sich Roth mit der Funktionsweise russischen Politik. Wie werden Wahlen manipuliert, wieso sind spontane Versammlungen und Kundgebungen, die für Putin sind, immer schon einige Tage vorher angekündigt und wieso werden Veranstaltungen der Opposition behindert oder äußerst kreativ aufgelöst und wie wird der Sieg gefeiert? Dies sind Fragen, auf die das Buch nicht immer eine Antwort findet, die aber durchaus zeigen, wie russische Politik gemacht wird. In diesem Kapitel geht es aber auch um die Wiederauferstehung der russischen orthodoxen Kirche und wie sie als Instrument Putins und der Politik benutzt wird, um zum Beispiel Homosexuelle anzuprangern.
Das dritte Kapitel macht viele Sprünge. Von Militärparaden geht es zum Militär allgemein über. Anschließend zeigt Roth, woher das Geld des Staates kommt. "Enteignungen" sind hier vielleicht das richtige Wort aber gleichzeitig muss man auch "Privatisierung" sagen. Als dritten Punkt geht es um die Geschichte Putins, dessen steile Karriere und die Unterschätzung seiner Person.
Das letzten Kapitel befasst sich schließlich mit der aktuellen Situation Russlands und dem Verhältnis des Landes zu uns. Welche Macht hat Russland tatsächlich durch die Energien, die es nach Europa schickt und welche Macht hat Europa über Russland? Wichtige Fragen und wichtige Antworten, die durchaus beruhigend und beunruhigend zugleich sein können. Ein Tag im Leben des Iwan Iwanow, dem russischen Max Mustermann, ist, neben den Erlebnissen Roths mit den Einwohnern Russlands, das Subjektivste überhaupt, es zeigt aber sehr anschaulich das Leben eines Russen in der aktuellen Zeit. Zu guter Letzt befasst sich Roth mit dem Verhalten russischer Verkehrspolizisten und zeigt wie man mit ihnen umgehen sollte.

Die Wünsche und Hoffnungen, die der Autor am Ende darlegt, sind nicht überraschend. Er hofft auf eine Verbesserung der Politik im demokratischen Sinn und dass der Gorki Park weiterhin das Flair Russlands trägt, da er Spaziergänge in diesem Park immer sehr genießt.

Fazit: Auch wenn das Buch viele subjektive Eindrücke vermittelt, nicht nur die des Autors sondern auch die Eindrücke von Befragten, ist es Buch äußerst informativ und die eine oder andere Anekdote lässt wohl jeden Leser schmunzeln. Roth hat es mit Russland – Die wahre Geschichte einer Weltmacht geschafft, nicht nur Putin und Medwedew sowie deren Politik sondern auch das industrielle Russland mit den Energiemilliarden bestens und vor allen Dingen leicht lesbar zu beschreiben. Für Rollenspieler sind viele der Interviews und Geschichten sicher mehr als interessant, geben sie doch das wahre Leben und die Gedanken der Einwohner wieder. Iwan Iwanows Tagesablauf ist ein Fundort wichtiger Informationen und solche erfundenen Berichte wünscht man sich auch über Einwohner anderer Länder. Natürlich lohnt sich nicht nur deswegen der Kauf des Buches.




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