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Star Trek - Vanguard: Der Vorbote (Taschenbuch)
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 24.04.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): David Mack, Verlag: Keine Angabe, Seiten: 388, Erschienen: 2008, Preis: 12,80 €


Dass "Cross Cult" gute Comics macht wissen, wir bereits, doch jetzt wagt der Verlag mit einer Star-Trek-Trilogie den Schritt in die Romanwelt. Ob das mal gut geht?

Es ist schon eine Weile her, dass man einen neuen deutschen Star-Trek-Roman auf dem Markt bewundern durfte, und der letzte wurde nicht gerade mit Lob überschüttet. Der deutsche Fan durfte also zurecht gespannt sein, was denn da aus ganz ungewohnter Ecke auf ihm zu kam. Und was er sieht, macht einen ganz ordentlichen Eindruck. Optisch liegt der Roman ganz weit vorne. Das Äußere ziert die Raumstation Vanguard nebst dem Raumschiff Enterprise, die sich beide leicht reflektierend vom Hintergrund abheben. Das Buch liegt gut in der Hand und das ist wichtig, denn was man gerne anfasst, behält man auch. Im Inneren findet der Leser ein weiteres Schmankerl: eine ausklappbare Seite mit vier Übersichtskarten der Raustation in Vollfarbe. Hut ab! Aber nun zum eigentlich Inhalt.

Wir befinden uns im 23. Jahrhundert, Kirk ist kurz davor zum Captain der Enterprise befördert zu werden. Die Sternenbasis 47 der Wachturm-Klasse mit dem klangvollen Namen Vanguard liegt weitab der Föderationsgrenzen in einem heiklen Raum, der schnell zum Konfliktgebiet zwischen ihnen, den Klingonen und den Tholianern werden könnte. Was macht sie da? fragt sich nicht nur schnell der Leser, sondern auch viele Charaktere, die nach und nach in die Geschichte eingeführt werden. Kolonisationsbemühungen unterstützen meint Reyes, Commodore und Leitender Offizier der Station. Der Botschafter Jetanien und die bildhübsche Vulkanierin T’Prynn würde ihm da wohl ohne zu zwinkern zustimmen. Tim Pennington glaubt das nicht so recht, ist es doch seine Aufgabe als Reporter der Föderationsnachrichten skeptisch zu sein, und schnell wird ihm seine Hartnäckigkeit auch zum Erfolg verhelfen. Auf seiner Seite Jim Kirk, vorerst; auf keiner Seite Quinn, das Star-Trek-Äquivalent eines Han Solos - nur um einiges weniger erfolgreich. Ein armer Tropf, der das Abenteuer sucht und schmuggelt, was das Zeug hält. Im Nacken sitzt ihm Ganz, ein Kaufmannsprinz des Orion, der mit seinem Schiff an die Vanguard angedockt hat und nicht lange fackelt, wenn es um seine Geschäfte geht. Und das sind nur einige der Personen, deren Geschichten der Roman erzählt. Dies mag vorerst ein wenig verwirrend erscheinen, ist es aber nicht. Denn in der Vielfalt liegt die Kraft. So erfährt man die umfassende Geschichte in kleinen Häppchen, was sehr erfrischend ist und niemals langweilig wird. Im Gegenteil: Kaum ist ein Happen zu Enden, will man wissen, wie es weitergeht und liest sich so schnell in Rage.
Das Umfeld trägt hier wesentlich zur Stimmung bei. Eine Raumstation, ja, aber keine dunkle Deep Space Nine. Die Vanguard ist ein Ort, an dem viele Arten von Lebensformen in einem künstlich geschaffenen Umfeld mit Grünanlagen und mit einer Stadt leben und so eine erfrischende Atmosphäre schaffen. Und dann wären da natürlich noch die Schiffe, die es dem Leser ermöglichen auch außerhalb der Station Geschichten zu erfahren. Da ist die Enterprise, die ohne Frage den Mythos Star Trek ausmacht, sich aber dezent im Hintergrund hält, da sind die Schiffe der Station mit ihren Aufgaben und da ist Ganz mit seiner Jacht, die sich vollkommen in ihrem Ton sowohl des Umfelds als auch der Besatzung von der Sternenbasis unterscheidet. Man glaubt in einer völlig anderen Welt zu sein; einer Welt voller Glückspiel, Prostitution und Alkohol, voller Gewalt und Gefahr.
Dies alles macht die Mischung aus, die das Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend hält. Dabei sind die erzählen Geschichten mal witzig, mal actiongeladen, romantisch und tragisch und vor allem die Tragik erfährt hier eine Darstellung, die einem beim Lesen das Herz zerreist. Sie alle formen zusammen das große Ganze, das die Grundfundamente der Föderation in höchstem Maße erschüttern könnte.

Fazit: Wäre dies ein Film, würde ich sagen: Großes Kino! Es ist wirklich beachtlich, wie es David Mack geschafft hat das Alte mit dem Neuen zu verschmelzen - der Mythos der Originalserie ohne den altbackenen Stil der TV-Bilder, dafür mit den Worten des 21. Jahrhunderts. Es ist sicherlich nicht falsch an dieser Stelle den Vergleich zu der Neuauflage des Kampfsterns Galactica zu ziehen. Die Liebe für die alte Enterprise wurde zumindest bei mir durch diesen Roman wiedererweckt, nicht zu letzt, weil man von den Klischees doch nicht so ganz weggekommen ist und auf einer Außenmission natürlich wieder ein Redshirt sirbt. Der Roman macht Vorfreude auf den Kinofilm und beweist: Start Trek ist noch längst nicht tot, es ist gerade dabei sich neu zu erfinden.




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