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Metropolys
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 15.05.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Sébastien Pauchon, Verlag: Ystari Games, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 34,90 Euro


Bei Metropolys wetteifern zwei bis vier Spieler um die besten Bauplätze in der Stadt. Dabei verfolgen sie teilweise unterschiedliche Ziele und müssen ihre Planung immer wieder an neue Situationen anpassen.

In der ansprechend gestalteten Schachtel befindet sich ein Spielplan, der die Stadt Metropolys darstellt. Diese besteht aus fünf Stadtteilen, die durch einen Fluss voneinander getrennt sind. In jedem Stadtteil gibt es unterschiedliche Stadtviertel, die sich farblich unterscheiden. Dazwischen finden sich Statuen und Seen wieder. Die futuristische und farbenfrohe Gestaltung des Spielplans ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, dafür aber zweckmäßig und man kann mit der Zeit sogar Gefallen daran finden. Insgesamt erschwert sie jedoch im Verlaufe des Spiels eher den Überblick.
Daneben sind für jeden Spieler 13 Gebäude einer Farbe enthalten. Diese tragen die Nummern 1 bis 13 und sind in drei Größen unterteilt. Sie sind aus geriffeltem Holz und dadurch angenehm griffig. Daneben gibt es diverse Spielplättchen aus robuster Pappe und Spielkarten. Das Material ist insgesamt von sehr guter Qualität.
Die 6-seitige Spielanleitung ist übersichtlich aufgebaut und mit vielen farbigen Beispielen versehen. Eine Doppelseite davon dient während des Spiels als praktische Übersicht über die Aufträge.

Je nach Spielerzahl wird mit einer unterschiedlichen Anzahl von Stadtteilen gespielt. Die Spielplättchen werden nach einem bestimmten Schema auf dem Spielplan verteilt, so dass auf einigen Stadtvierteln maximal eines davon liegt. Diese bringen am Ende Plus- oder Minuspunkte. Jeder Spieler erhält die Gebäude einer Farbe, sowie zwei geheime Aufträge. Dazu werden die entsprechenden Karten "Stadtviertel" und "Umgebung" gemischt und jeweils eine an die Spieler verteilt. Die Stadtviertel-Karte zeigt eine bestimmte Art (Farbe) von Stadtviertel, wofür es am Ende jeweils zwei Punkte gibt, wenn man ein Gebäude darauf stehen hat. Bei den Umgebungs-Aufträgen gibt es für unterschiedliche Konstellationen Punkte. Zum Beispiel erhält man am Ende jeweils vier Punkte für jede Gruppe von Gebäuden, die auf beiden Seiten einer Brücke errichtet wurden. Ähnliches gibt es für Statuen, Seen oder zusammenhängende Gebäude.
Eine Runde beginnt damit, dass der Startspieler eines seiner Gebäude auf ein freies Stadtviertel setzt. Reihum können nun die Mitspieler überbieten oder passen. Das Überbieten ist auch das Besondere an Metropolys. Jeder Spieler kann eines seiner Gebäude mit einem höheren Wert als das zuvor errichtete auf ein direkt benachbartes, freies Stadtviertel setzen. Eingegrenzt wird das Ganze durch Seen, Flüsse, Spielplanrand und bereits besetzte Stadtviertel. Wobei Brücken wiederum eine Verbindung darstellen. Passt ein Spieler - entweder weil er möchte, oder nicht mehr mitbieten kann - darf er in dieser Bietrunde nicht mehr einsteigen. Haben alle Spieler gepasst, so hat derjenige, der das letzte Gebäude gesetzt hat die Bietrunde gewonnen. Dieses Gebäude wird rumgedreht, so dass die Zahl nicht mehr sichtbar ist. Befindet sich auf diesem Stadtviertel ein Plättchen, so nimmt es der Spieler an sich. Alle anderen gesetzten Gebäude dieser Runde kommen wieder zurück an die jeweiligen Spieler.
Der Gewinner wird zum neuen Startspieler und beginnt die nächste Runde.

Das Spiel endet, wenn ein Spieler sein letztes Gebäude errichtet hat. Danach werden die Punkte zusammen gerechnet. Für jedes Plättchen "U-Bahn" und "Schickes Stadtviertel" gibt es jeweils ein oder drei Pluspunkte. Zusätzlich erhält der Spieler mit den meisten U-Bahnen Zusatzpunkte. Für jedes Plättchen "Archäologische Stätte" gibt es einen Minuspunkt. Wer zuletzt eines bekommen hat, muss zwei weitere Minuspunkte in Kauf nehmen. Dann gibt es noch die Sonderpunkte für die erfüllten Aufträge und schließlich werden noch die höchsten Gebäude je Stadtviertel gewertet.

Zunächst ist Metropolys etwas trocken und zeigt seine wahren Stärken erst nach ein bis zwei Partien. Anfangs ist es noch recht schwierig vorauszuplanen, wo man denn am liebsten seine Gebäude bauen möchte. Die Bietrunden dauern noch etwas länger, da ja viel Platz auf dem Spielplan ist. Das relativiert sich im Laufe des Spiels und zum Ende hin wird es immer enger.
Überhaupt ist das Spiel nur bedingt planbar. Vielmehr geht es darum, aus der jeweiligen Situation das Beste zu machen. Dabei ist man meist bestrebt in allen Bereichen zu punkten, was jedoch schnell nach hinten losgehen kann und man am Ende eher mit weniger da steht. Da kann es schon mal besser sein, sich auf das eine oder andere zu konzentrieren und auch zwischendurch mal seine Strategie anzupassen. Außerdem muss man die Mitspieler im Auge behalten und versuchen herauszufinden, was deren geheimen Aufträge sind. Dann gilt es auch mal ein Gebäude zu opfern, um zu verhindern, dass ein anderer viele Punkte bekommt. Bei Metropolys wird also auch geblufft und gezockt und man kann sich und andere so richtig schön ärgern.
Metropolys verlangt einiges an Konzentration. Zum einen muss man immer die bereits belegten und die noch freien Stadtviertel, sowie eventuell möglichen Sackgassen im Blick behalten. Zum anderen ist auf die noch nicht verbauten Gebäude der Mitspieler zu achten um deren Bietmöglichkeiten abschätzen.

Die Familienvariante wirkt ein wenig konstruiert und ist kaum weniger anspruchsvoll als die Expertenvariante. Lediglich die Siegbedingungen sind etwas vereinfacht, aber der eigentliche Mechanismus des Bietens - der das Spiel ausmacht - bleibt erhalten. Kinder ab acht Jahren haben es mit dem Spiel nicht ganz einfach. Eine Altersangabe ab zehn Jahren wäre vermutlich besser gewesen.
Somit ist auch die Aussage "Zwei Spiele in einem" etwas weit hergeholt, da sich die Spiele nur in der Wertung durch die geheimen Aufträge und die höchsten Gebäude unterscheiden.

Metropolys lässt sich durch die angepasste Anzahl der zu spielenden Stadtteile in jeder Besetzung sehr gut spielen. Mit zwei Personen ist es etwas planbarer und taktischer. Bei mehr Spielern muss die eigene Strategie öfter angepasst werden, und es wird aufgrund der vielen Farben mehr Konzentration abverlangt. Dafür steigt das Ärgerpotential.
Insgesamt hat das Spiel mit 60 Minuten eine angenehme Spieldauer, die sich allerdings bei Grüblern hinziehen kann. Der Anschaffungspreis von 34,90 Euro liegt im oberen Bereich, ist aber gerade noch vertretbar.

Fazit:
Metropolys ist ein interessantes Denkspiel mit recht einfachen Grundregeln und einer eigenwilligen, aber zweckmäßigen Aufmachung. Die Spieltiefe ergibt sich erst nach ein bis zwei Partien. Dann wird aber jedes Spiel aufs Neue zu einem spannenden, unterhaltsamen und abwechslungsreichen Wettstreit.




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