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Die Weisheit des Eunuchen
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 23.04.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Jason Goodwin, Verlag: Piper Verlag GmbH, Seiten: 361, Erschienen: 2008, Preis: 8,95 Euro


Jason Goodwin ist ein englischer Historiker und Die Weisheit des Eunuchen sein erster Roman, noch dazu ein Kriminalroman. Nach einigen Büchern über die byzantinische Geschichte und einem Reisebericht, in dem er auch wieder in die Gegend wanderte, ist es nicht überraschend, dass sein Roman in der ehemaligen Hauptstadt des byzantinischen Reiches spielt. Dieses Gebiet und die Stadt ist doch für ihn ,rein wissenschaftlich gesehen, seine erste Heimat.

Das Cover zeigt die Silhouette Konstantinopels und die Düsternis, der nahende Sonnenaufgang und das kleine Bild eines Pfeife rauchenden Türken geben schon einen kleinen Eindruck zum Inhalt.

Der Inhalt, teilweise ebenso düster wie das Cover aber mit einem ebensolchen Licht am Horizont, entführt den Leser ins Konstantinopel des Jahres 1836. Der Eunuch Yaschim Togalu, seines Zeichens auch Detektiv, muss im Dienst des Sultans nicht nur einen sondern gleich zwei Fälle lösen. Der erste Fall befasst sich mit dem Verschwinden von vier türkischen Offizieren und dem Auftauchen der Überreste eines der Offiziere. Der zweite Fall führt den Eunuchen in den Harem des Sultans, wo er den Mord an einer Frau des Sultans und den Diebstahl des Schmuckes der Sultansmutter aufklären muss.

Der erste Fall führt ihn sowohl zu den ausländischen Mächten, die Konstantinopel als entscheidende Stadt am Schwarzen Meer sehen, und für die der Sultan nur ein Werkzeug sein soll, als auch auf die Spur der Janitscharen, eine Elitetruppe des Sultans, die zehn Jahre vorher zerschlagen worden waren. In diesem Netz aus Intrigen und Politik findet er nicht nur nötige Hinweise, sondern auch Verbündete.
Der zweite Fall um die tote Haremsdame ist kaum weniger mit Intrigen und Gefahr erfüllt.

Yaschim ist ein gut ausgearbeiteter Protagonist mit Stärken und Schwächen. Sein Kochtalent und die Lust am Essen bringen dem Leser vielleicht auf die eine oder andere Kochidee. Im Zusammenhang gesehen wirken diese Szenen zwar etwas störend, uninteressant sind sie aber nicht. Auch die Freunde und Kontrahenten des Detektivs sind gut dargestellt, und mit dem einen oder anderen kann man durchaus Mitleid haben.

Aufgrund des Wissens des Autors um die Geschichte der Stadt und der Kultur gibt der Roman seinen Lesern auch gleich noch ein paar interessant verpackte geschichtliche und kulturelle Fakten mit auf den Weg. Man lernt eben nicht nur etwas über Speisen der Türken, sondern auch etwas über türkische Bäder und Teehäuser. In geschichtlicher Hinsicht wird nicht nur von Konstantinopel, sondern auch von Frankreich, Russland und Polen berichtet.

Die Geschichte selbst ist spannend ,und es dauert fast bis zum Schluss, bis der Leser auf die Täter beider Fälle kommt. Immer wieder erzeugt der Autor einen neuen Spannungsbogen, teilweise durch Angriffe teilweise durch simple Begegnungen, was auch auf die beiden unterschiedlich gelagerten Fälle zurückgeht.

Fazit: Die Weisheit des Eunuchen ist eine Mischung aus historischem Roman und Kriminalroman. Sein Wissen nutzt Jason Goodwin nicht nur, um die Kultur und die Geschichte der Stadt und des Landes näher zu bringen, sondern auch, um die verschiedenen Teile der Kriminalfälle perfekt miteinander zu verbinden. Selbst die Koch- und Essensszenen, die vielleicht störend wirken, dienen nur zur Vertiefung des Protagonisten und des Kulturverständnisses. Ein zu empfehlendes Buch, wenn man sich für die Kultur und die Geschichte Konstantinopels im 19. Jahrhundert interessiert.




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