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Windgeflüster #57
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 25.04.2008, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Oliver P. Bayer (Hrsg.), Verlag: Gilde der FantasyRollenspieler e.V., Seiten: 32, Erschienen: 2008, Preis: 3,50 Euro


Das "Windgeflüster" ist das Magazin des Vereins Gilde der Fantasy-Rollenspieler, kurz GFR, und das schon im 21. Jahr. Bei so einer langen Zeit gab es einige Chefredakteure und das Magazin hatte schon viele Gesichter.

Mit der Nummer 56 kehrte die Farbe aufs Cover zurück, in der aktuellen Ausgabe wurde erstmals vollfarbig gedruckt – dafür ist sie aber schmal. Mit 32 Seiten Umfang erreicht das Heft gerade mal die Hälfte des Vorgängers, die Ausgabe 55 hatte gar noch 92 Seiten. Als Schwerpunkt wurde "Der Farbfilm" gewählt, der sich durch das Heft schlängelt.

Kommen wir erst mal zum Rollenspielanteil des Heftes. "Der Grand Prix des Grauens" ist ein Abenteuer für das Nischen-Rollenspiel "Das Monster aus der Spätvorstellung", in dem die Spieler selbst Schauspieler darstellen, die einen B-Movie drehen. Hier also einen Rennfilm, in dem in bester B-Movie-Manier Außerirdische schon längst ihre Tentakeln nach dem Pokal ausgestreckt haben. Der Plot ist nicht sonderlich außergewöhnlich (für einen B-Movie), aber solide präsentiert und geht zudem auf die Besonderheiten des Systems ein, wie das Plazieren von Schleichwerbung. Auf einer weiteren Seite werden "Das Monster aus der Spätvorstellung" sowie "Funky Colts" in Form von Poesiebucheinträgen vorgestellt, was die Macher beziehungsweise übersetzenden Verleger gemacht haben. Das Format ist durchaus gelungen, um einen Vorgeschmack auf die Systeme zu bekommen, auch wenn es letztlich keine Rezensionen ersetzen kann. Das war es dann allerdings auch schon mit den reinen Rollenspielartikeln.

Weiter geht es mit Cons. In einer großen Conumfrage hat die Redaktion ermittelt, was den Leuten an einer Con am wichtigsten ist (übrigens ist das ein freundliches Orgateam) – die Grafik wurde allerdings so verkleinert, dass die Schrift kaum zu lesen ist. Auch die Essenz der Conventionmacher, hier wurden 91 "Koryphäen" gefragt, fällt kurz aus, ohne das künftige Macher allzuviel sinnvolles aus dem kurzen Text ziehen können. Da es ein Zwischenstand sein soll, darf man jedoch auf mehr hoffen in einer künftigen Ausgabe. Am spannendsten ist das Backcover, das eine Auswertung des Windgeflüster-Conkalenders seit 2001 auf einer Deutschlandkarte zeigt und ein interessantes Bild von Rollenspielhochburgen und rollenspielfreien Zonen vermittelt.

Kommen wir zum Schwerpunkt, der einige Filme des Kinojahrs 2008 vorstellt. Auf fünf Seiten sind es sieben Filme, die jeweils kurz angerissen werden. Geheimtipps sind keine dabei, ich kannte jedenfalls schon alle Filme und hatte jeweils deutlich mehr darüber gelesen. Was bleibt, ist ein netter Kinoüberblick mit leider nur wenig Gehalt. "Back to Bonn" berichtet von der 16. FedCon, einem Con für Trekkies und Freunde anderer SciFi-Serien, bei dem auch die entsprechenden Schauspieler zu Gast sind – ihr kennt Galaxy Quest? Insgesamt durchaus interessant zu lesen, wie andere Fanszenen ihre Conventions gestalten. Am Ende gibt es noch eine Reihe von Filmzitaten, die mit Situationen aus dem "Herrn der Ringe" in Verbindung gebracht werden. Da sind tatsächlich einige gelungene Lacher bei.

Abgerundet wird das Heft mit GFR-News, einem Conkalender, einem Interview mit den Vampirschlampen (nach Lesen des Interviews scheinen das Autorinen vermeintlich erotischer Vampirliteratur zu sein), eine einseitige Kurzgeschichte (unterhaltsam, schöner Plottwister) und einigen Rezis quer durch die Reihe.

Insgesamt bleibt aber ein erschreckender Eindruck: In dem Maße, wie Farbe Einzug gefunden hat, haben gelungene, gehaltvolle, überdurchschnittliche Artikel Auszug gehalten... Allein, was man mit dem Thema "Farbfilm" in Sachen Rollenspiel anstellen kann. Abgesehen davon, dass mit Primetime Adventure ein wichtiger Vertreter fehlt, gibt es ja unzählige Rollenspielderivate bekannter Filme und Serien: Star Wars, Star Trek, Battlestar Galactica, Firefly, Conan, Angel, um nur einige zu nennen. So bleibt das Gefühl, dass der Schwerpunkt recht willkürlich gewählt wurde (Filmkurzvorstellung gab es auch in den letzten Ausgaben) und das ganze eine Art Notausgabe ist. Dabei freuen sich sicherlich "Monster aus der Spätvorstellung"-Fans über dieses Beispielskript und auch das Poesiebuchalbumformat ist durchaus etwas, was man künftig beibehalten sollte. Bloß bitte mit mehr drumrum, zur Not auch mit weniger Farbe.




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