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Dagon
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 20.03.2002, Serie: Belletristik, Autor(en): Fred Chappell, Verlag: BLITZ-Verlag GmbH, Seiten: 174, Erschienen: 2000, Preis: 22,80 DM

Der von Lovecraft erschaffene Cthulhu-Mythos hat schon zahlreiche Autoren zu mehr oder minder gelungenen Nach- und Weiterdichtungen inspiriert. Erzählungen und Romane über das Necronomicon und die Großen Alten gibt es zuhauf, so daß der Cthulhu-Mythos zurecht als Subgenre der Horror- bzw. der phantastischen Literatur gelten kann.
Auch das vorliegende Buch, geschrieben in den 70ern, bedient sich der überaus populären Motive aus Lovecrafts Romanen. 'Dagon' präsentiert sich uns laut Klappentext als eine Mischung aus Lovecraft und dem Marquis de Sade; an sich ein hochinteressanter Ansatz, denn der Cthulhu-Mythos läßt sich zweifellos auch aus einer obszönen oder explizit sexuellen Perspektive betrachten.
Was Chappell allerdings aus dieser Grundidee macht, ist enttäuschend. Sein Protagonist Peter Leland, jüngst Erbe des unheimlichen Anwesens seiner Großeltern geworden, verfällt einem halbmenschlichen Mädchen, das ihn psychisch und physisch zugrunderichtet. Die Verführerin Mina kommt dabei als Fischwesen a la "Schatten über Innsmouth" daher; damit endet bereits die obszöne Phantasie des Autors. Denn statt Mina eine Aura der Fremdartigkeit oder sexuellen Dominanz zu verleihen, schildert Chappell sie als arrogant daherplappernde, gelangweilte Göre. So liest sich die gezielte Vernichtung des Peter Leland erstaunlich zahm und lahm; ein paar Demütigungen, ein paar Tätowierungen mit pnakotischen Schriftzeichen, und schon ist das Opfer reif für Dagons letztes Geschenk, den Tod. Die versprochene Mischung aus Lovecraft und de Sade sucht man vergebens. Lovecraft hätte das nur mäßig gruselige Buch gelangweilt zur Seite gelegt, der Marquis angesichts der hier geschilderten "Obszönitäten" herzhaft gelacht. Thema verschenkt!




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