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Cuba
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 24.01.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Stefan Stadler und Michael Rieneck, Verlag: Eggertspiele GbR, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 37,95 Euro


Cuba vor der Revolution. Nicht nur Zigarren, Rum und Samba bestimmen das Leben der Inselbewohner. Die einzelnen Dörfer versuchen durch wirtschaftlichen Ausbau zu Wohlstand zu kommen und ihre Macht im Parlament auszuüben.

In der schön gestalteten Schachtel befindet sich eine Fülle von Material. Da ist ein Spielplan, der die Hauptstadt Cubas mit Hafen, Markt und Capitol zeigt. Für jeden der zwei bis fünf Spieler gibt es einen Plantagenplan, auf dem sich elf verschiedene Felder, ein Lager und ein Vorhof befinden. Jeder Spieler erhält fünf Personenkarten, eine Spielfigur, einen Markierungsstein, zehn Pesos, zwei beliebige Baustoffsteine und zwei beliebige Rohstoffsteine. Der Markt auf dem Spielplan wird grundbestückt. Die restlichen Rohstoff- und Baustoffsteine bilden zusammen mit den Warensteinen den allgemeinen Vorrat. Die 15 Schiffskarten werden gemischt und zwei davon an den Hafen gelegt. Eine weitere kommt offen neben den Spielplan. Die Gesetzeskarten werden oberhalb des Capitols platziert. Die 25 Gebäudeplättchen kommen offen neben den Spielplan. Auf den Spielplan werden noch sechs schwarze Markierungssteine an die dafür vorgesehenen Stellen gelegt.
Das üppige Material überzeugt durchweg durch sehr gute Qualität. Die Spielsteine sind aus farbigem Holz und passend modelliert. Der schöne Spielplan ist mehrfach gefaltet und nutzt sich dadurch an den Knickstellen schneller ab. Außerdem rutscht er in der Schachtel herum. Die hervorragende optische Aufmachung von Cuba trägt wunderbar zur Atmosphäre des Spiels bei. Die Anleitung ist klar strukturiert und lässt kaum Fragen offen. Hilfreich während des Spiels sind die für vier Spieler beigefügten Kurzspielregeln. Eine für den fünften Spieler fehlt.

Jedes Spiel besteht aus sechs Runden, die sich wiederum in jeweils fünf Phasen unterteilen:

A. Gesetzesvorschläge
B. Aktionsphase
C. Parlamentsphase
D. Gesetzesphase
E. Ende der Runde

Für die Gesetzesvorschläge werden jeweils die obersten Karten der vier Gesetzesstapel aufgedeckt und von den Spielern zur Kenntnis genommen. Zwei davon treten später in der Parlamentsphase in Kraft.
In der Aktionsphase spielen die Spieler nacheinander vier von ihren fünf Personenkarten aus: Mit einem Arbeiter werden bestimmte Felder auf der eigenen Plantage aktiviert und entsprechende Rohstoffe oder Baustoffe gesammelt und in den Vorhof gelegt. Die Händlerin kann beliebig Handelsgüter auf dem Markt kaufen und verkaufen. Mit dem Architekten kann ein Gebäude aus dem Vorrat ausgewählt und gegen Bezahlung bestimmter Baustoffe auf ein Plantagenfeld gebaut werden. Der Vorarbeiter nutzt alle Gebäude auf den Feldern, die vom Arbeiter aktiviert sind, oder ein beliebiges Gebäude. Die Funktion der entsprechenden Gebäude kann somit genutzt werden. Da es viele unterschiedliche Gebäude gibt, ist die Vielfalt entsprechend groß. Der Bürgermeister schließlich verfrachtet Handelsgüter auf ein Schiff, was sofort Siegpunkte bringt. Alternativ können einige Personen Sonderfunktionen einsetzen. Am Ende dieser Phase wird der neue Startspieler bestimmt.
Nachdem jeder Spieler vier seiner Personenkarten gespielt hat, folgt die Parlamentsphase. Dabei wird die fünfte Personenkarte aufgedeckt. Die darauf stehende Zahl bestimmt die Anzahl der Stimmen im Parlament. Zusätzlich können weitere Stimmen gekauft werden. Wer abschließend die meisten Stimmen im Parlament hat, muss genau zwei Gesetzesvorschläge auswählen und verabschieden. Die anderen beiden Gesetze kommen aus dem Spiel.
In der Gesetzesphase werden diese Gesetze befolgt. Steuergesetze legen einen gewissen zu zahlenden Betrag fest, der zu zwei Siegpunkten führt. Das Erfüllen der Abgabegesetze (Bau- oder Rohstoffe) bringt zwei weitere Siegpunkte. Bei den Subventionsgesetzen gibt es Siegpunkte für die unterschiedlichsten Dinge. Die sonstigen Gesetze wirken sich auf den Markt aus oder haben Einfluss auf das allgemeine Spielgeschehen.
Am Ende einer Runde verderben alle Rohstoffe in den Vorhöfen der Spieler und kommen zurück in den allgemeinen Vorrat. Alle voll beladenen Schiffe sowie das Schiff an der untersten Anlegestelle verlassen den Hafen. Die anderen Schiffe rücken nach und ein neues auf hoher See wird aufgedeckt.

Das Spiel endet nach der sechsten Runde. Danach bekommt jeder Spieler noch zwei Siegpunkte pro gebautem Gebäude und es gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Cuba besticht in erster Linie durch seine Ausstattung und seine hervorragende Aufmachung. Das Thema ist gut umgesetzt und es kommt auch zunächst ein richtiges Cuba-Gefühl auf. Auf der Plantage werden die Felder bestellt, Gebäude errichtet, Zigarren und Rum produziert, Waren auf dem Markt ge- und verkauft, Schiffe beladen und schließlich im Parlament abgestimmt. Man genießt das Leben, beobachtet seine Mitstreiter und freut sich daran, ihnen eins auszuwischen. Das ist jedoch gar nicht so einfach, da diese ja dasselbe im Sinn haben. Kaum hat man das festgestellt und zusätzlich seine Produktion so richtig zum laufen gebracht, sind die sechs Runden plötzlich vorbei.
Es gibt sehr viele Möglichkeiten Siegpunkte zu sammeln und dabei sind nicht nur die Pesos und Ressourcen knapp, sondern vor allem auch die Zeit. Die sechs Runden müssen gut durchdacht und geplant werden. Bei so viel Arbeit bleibt schon mal das schöne Cuba-Gefühl auf der Strecke.
Das Spiel ist sehr ausgewogen. Am Ende liegen die Siegpunkte relativ dicht beieinander, was zum einem die Spannung aufrecht erhält, zum anderen aber das Gefühl hinterlässt, dass die eigene Strategie keinen großen Einfluss hat.

Cuba benötigt recht viel Platz und etwas Vorbereitungszeit für den Aufbau. Die Texte auf den Personenkarten könnten etwas ausführlicher sein, damit nicht immer in den Regeln nachgesehen werden muss.
Das Spiel lässt sich in jeder Besetzung gut spielen, wobei es dabei immer etwas unterschiedlich abläuft. Vor allem zu zweit ist die Planung genau auf die des anderen ausgerichtet und ein Fehler wird unverzeihlich.

Fazit:
Cuba ist ein sehr ausgewogenes Strategiespiel für Vielspieler mit einer wunderschönen Aufmachung. Es erfordert genaue Planung und einiges an Konzentration um alles - auch die Mitspieler - im Blick zu behalten. Viele Wege führen zum Sieg, die es auszuprobieren gilt. Inwieweit sich die Langzeitmotivation hält, bleibt abzuwarten.




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