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Hamburgum
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 03.07.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Mac Gerdts, Verlag: Eggertspiele GbR, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 37,95 Euro


Ein Wettstreit um Handelsmacht und Ansehen - "Hamburgum" entführt zwei bis fünf Spieler in das 17. Jahrhundert. Gewachsen durch protestantische Flüchtlinge des 30jährigen Kriegs und gestärkt durch den Handel zur See erlebt die Stadt eine Periode des Wohlstands, in der bedeutende Handelsfamilien um Prestige wetteifern. Die Spieler schlüpfen in die Rollen von Handelsherren und bemühen sich um lukrativen Handel und ein wachsendes Ansehen in der Stadt. Denn am Ende gewinnt der Spieler mit dem meisten Prestige.

Die stimmungsvoll gestaltete Verpackung spricht an und vermittelt einen guten Eindruck von der Optik des eigentlichen Spiels. Die Abbildung des Spielmaterials auf der Rückseite beseitigt die letzten Zweifel an der umfangreichen und hochwertigen Ausstattung. Vom stabilen Spielplan über Schiffe und Marker aus Holz bis hin zu kleinen Glöckchen aus Metall lässt das Material keine Wünsche offen. Zudem sind sämtliche Elemente beidseitig bedruckt, einmal in Deutsch und einmal in Englisch. Der englische Spielplan zeigt hierbei das London des 17. Jahrhunderts, so dass man direkt ein alternatives Szenario dazu bekommt.

Die umfangreiche Anleitung mit vielen Bildern und Beispielen ist gut verständlich und lässt keine Fragen offen. Ein Szenario zum Schnelleinstieg, bei dem die ersten Spielzüge vorgegeben sind, ermöglicht es zudem, zügig in "Hamburgum" einzutauchen und die Anleitung nur bei Detailfragen heranzuziehen. Eine englische Spielanleitung und ein Booklet mit Infos zum geschichtlichen Hintergrund runden das Ganze ab.

Im Verlauf des Spiels versuchen die Teilnehmer durch Spenden für den Bau von sechs Kirchen Prestigepunkte zu erwerben. Sind sämtliche Kirchen fertiggestellt, endet das Spiel, und der Mitspieler mit dem größten Ansehen gewinnt. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Spieler Handel treiben und die nötigen Baustoffe für die Kirchen erwerben. Hierbei werden ihre Aktionsmöglichkeiten durch die Gebäude festgelegt, in denen sie sich gerade befinden. Diese werden durch acht Felder auf einem Rondell dargestellt, wobei das Kontor als einziges Gebäude doppelt vorkommt.

Im Rahmen seines Spielzugs zieht der Spieler zunächst auf dem Aktionsrondell. Möchte er hierbei mehr als drei Felder weit ziehen, so kostet ihn dies Prestigepunkte. Anschließend wählt er seine Aktion gemäß dem Gebäude aus, in dem er sich nun befindet. Dabei gibt es folgende Möglichkeiten:

Rathaus: Hier werden die 28 Gebäude der Stadt verkauft, die jeweils unterschiedliche Vorteile im Spiel bringen.

Produktionsgebäude: Hiervon gibt es drei verschiedene, für Bier, Zucker und Tuch. Wer auf dieses Feld zieht, erhält automatisch neue Waren, deren Anzahl sich durch den Kauf von Produktionsgebäuden in der Stadt steigern lässt.

Werft: Hier werden neue Schiffe gebaut, die für den Seehandel erforderlich sind.

Kontor: Hier können entweder Handelswaren verkauft oder Rohstoffe für den Kirchenbau erworben werden. Beim Verkauf wird die Menge durch die Anzahl und die Liegeplätze der eigenen Schiffe im Hafen bestimmt, der Preis wird durch die Produktionskapazitäten in der Stadt festgelegt. Beim Kauf von Baumaterial gilt, dass der Preis pro Stück mit zunehmender Menge steigt.

Kirche: Hier werden letztlich die Spenden für den Kirchenbau gemacht. Zu jeder Kirche gibt es insgesamt fünf Spendenplättchen, aus denen die Spieler bei jedem Bauschritt wählen können. Diese bringen für unterschiedliche Verdienste Prestigepunkte, z.B. in Abhängigkeit von der Anzahl an eigenen Gebäuden in der Stadt oder von der Anzahl Schiffe im Hafen.

Durch die kurzen Spielzüge entwickelt sich ein dynamisches Spiel, bei dem man immer ein wenig vorausplanen muss. Jeder Spielzug bringt einen voran, aber man muss ständig abwägen, was sich gerade am meisten lohnt. Kauft man viele Baustoffe, sind diese zwar sehr teuer, aber man benötigt weniger Aktionen. Errichtet man viele Gebäude, floriert der eigene Handel, aber man verwendet viele Spielzüge darauf, die andere zum Kirchenbau nutzen könnten. Hat man jedoch nicht genug Einkünfte, läuft man Gefahr, nicht zum Spenden zu kommen. Dies sind nur einige Beispiele der Entscheidungen, vor denen man in jedem Zug steht, und die für ein abwechslungsreiches, taktisches Spiel sorgen. Das Schöne dabei ist, dass man Fehler relativ zügig korrigieren kann und die Spannung in der Regel bis zum Spielende bestehen bleibt.

Fazit: "Hamburgum" besticht durch eine gelungene Kombination aus einfachen Mechanismen und großer Spieltiefe. Der leichte Einstieg und die Vielfalt an möglichen Taktiken machen es sowohl für Gelegenheits- als auch für Vielspieler interessant, wobei es sicherlich kein leichtes Partyspiel ist. Aber dafür wird es einen immer wieder an den Spieltisch locken und für gesellige Spielstunden sorgen. Dank des hohen Wiederspielfaktors und des hervorragenden Spielmaterials ist es seinen Preis allemal wert.




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