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Giganten der Lüfte
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 06.02.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Andreas Seyfarth, Verlag: Queen-Games, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 25,00 Euro


Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großes Faible für Luftschiffe habe, egal, ob in realer, filmischer oder spielerischer Form. Und somit war Giganten der Lüfte von Queen Games natürlich von ganz besonderem Interesse für mich.
In diesem Spiel übernimmt jeder Spieler die Rolle eines Landes, das sich am Luftschiffbau versuchen will, dargestellt durch ein so genanntes Firmen-Tableau, das er vor dem Spiel bekommt. Dabei handelt es sich um ein kleines Spielbrett, auf dem er später seine Karten ablegen kann. Außerdem bekommt er eine von sechs Ausbau-Karten, die er auf sein Tableau legt.
Die verbleibenden Ausbau-Karten werden auf das allgemeine Spielbrett gelegt, das zwischen den Spielern liegt. Auf diesem befinden sich auch außerdem noch sechzehn fertige Luftschiffe, die vor dem Spiel dort platziert werden, sowie der Zepelin Hindenburg mit seinen vier Bauabschnitten, an denen man ebenfalls später mitwirken kann. In jedem Zug wird eine weitere Ausbau-Karte auf dieses Spielbrett gelegt.
Um eine Karte zu "erwerben", die in der Mitte ausliegt, muss der Spieler eine bestimmte Anzahl von Würfeln werfen und damit ein vorgegebenes Mindest-Ergebnis erzielen (welche Würfel benutzt werden und welches Ergebnis mindestens erzielt werden muss, steht auf der jeweiligen Karte). Jede Karte erweitert die Möglichkeiten des Spielers, indem sie ihm neue Würfel oder andere Vorteile verschafft. Bestimmte Karten (unter anderem alle Luftschiffe) weisen zudem goldene Sterne mit Zahlen auf, die am Ende des Spiels als Siegpunkte gezählt werden.
Am Anfang stehen jedem Spieler lediglich zwei weiße Würfel zur Verfügung (mit Werten von 1 bis 3). Weiße Würfel allein sind jedoch für die besseren Karten im Spiel viel zu schwach. Darum kommen im Laufe des Spiels noch rote (2 bis 5) und die seltenen schwarzen Würfel (4 bis 8) hinzu, die die Möglichkeiten der Spieler erweitern.
Im Verlauf einer Runde bauen die Teilnehmer ihre Firmen immer weiter aus und können schließlich, wenn einer der vier vorhandenen Luftschiff-Stapel komplett verschwunden ist, auch versuchen, einen der vier Bauabschnitte der Hindenburg nach den bekannten Regeln zu "erwerben", was wiederum Siegpunkte bringt.
Das Spiel endet, wenn entweder die Hindenburg fertiggestellt wurde oder keiner der vier Luftschiff-Stapel noch mehr als eine Karte aufweist. Nun werden die Siegpunkte gezählt und so der Sieger bestimmt.
Ich vermute, dass die Ur-Version ein eher abstraktes Würfelspiel war, dem man den Luftschiff-Hintergrund nachträglich aufgepfropft hat. Denn er wirkt bisweilen nicht ganz passend zum jeweiligen Mechanismus, was mich doch ein wenig stört. Warum ist beispielsweise unter den Ländern, die teilnehmen können, Deutschland nicht dabei, obwohl sie die führende Luftschiff-Nation jener Zeit waren? Und wieso kann man trotzdem am Bau der Hindenburg teilnehmen, die eine deutsche "Eigenproduktion" war? Hier wurden nur einige Grundideen zusammengedübelt, ohne sich wirklich zu bemühen, dem Spiel einen stimmigen und in sich geschlossenen Hintergrund zu geben.
Vermutlich werden solcherlei Dinge nicht jeden Spieler so sehr stören wie mich, doch auch am spielerischen Konzept gibt es einige Kritikpunkte anzumerken. So sind beispielsweise einige Karten mit unterschiedlichen Würfelwerten versehen, obwohl ihre spielerische Auswirkung ansonsten genau gleich ist. Ebenso erscheinen einige Karten recht übermächtig, und wenn man sie einmal in seiner Auslage hat, gewinnt man einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Negativ fällt in diesem Zusammenhang auch auf, dass es keine Möglichkeit gibt, eine einmal erworbene Karte zu stehlen oder auf andere Art und Weise aus einer gegnerischen Auslage zu entfernen.
Dadurch (und auch durch den recht einfach gehaltenen Grund-Mechanismus) sind die taktischen Möglichkeiten bei den Giganten der Lüfte eingeschränkt, ebenso wie die Interaktion zwischen den Spielern.
Insgesamt betrachtet, bleibt das Spiel also leider hinter meinen Erwartungen zurück, die von dem wirklich schön gestalteten Material (und, zugegebenermaßen, auch vom Thema) geschürt wurden. Wer allerdings ein recht einfaches, vor allem von Würfeln getragenes Gesellschaftsspiel sucht, bei dem man nicht allzuviel Strategie einsetzen muss, der dürfte mit Giganten der Lüfte sicherlich sehr zufrieden sein, denn in dieser Kategorie kann das Spiel durchaus gefallen.




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