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Vergessene Reiche: Sembia II - Hinter der Maske
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 05.02.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Richard Lee Byers, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 415, Erschienen: 2007, Preis: 11,95 Euro


Mit "Hinter der Maske" setzt Richard Lee Byers das Sembia-Sextett fort. Dem deutschen Leser ist Byers kein Unbekannter. Er steuerte zu den übersetzten Vergessene Reiche-Romanen den Auftaktroman zum "Krieg der Spinnenkönigin"-Sextett sowie die komplette Trilogie "Das Jahr des abtrünnigen Drachen" bei. Ganz im Zeichen der Reihe steht erneut ein Familienmitglied des Handelsclans Uskevren im Mittelpunkt, diesmal die Frau des Hauses: Shamur Uskevren.

Bekanntermaßen ist die Ehe zwischen Thamalon und Shamur zerrüttet, jedoch war es noch nie so wie jetzt. Sie spürt nur noch Hass auf ihn und will Rache – wovon er nichts ahnt. Und so tappt er in ihre Falle: Ohne Leibwächter und Begleitung machen sich beide in einen Wald vor Sembia auf, weil sie behauptet, dort etwas, womöglich einen Schatz, gefunden zu haben. Dort zieht sie in seinem Rücken das Schwert, warnt ihn aber doch vor, wodraufhin ein spannendes Duell auf Leben und Tod entbrennt.

So dynamisch beginnt "Hinter der Maske" und blickt während des Kampfes zurück, warum es zu diesem Ereigniss kommt. Shamur ist nämlich gar nicht die Shamur, die Thamalon einst liebte, sondern die ähnlich aussehende Tante, eine erfahrende Diebin und Abenteurerin, die durch eine Falle in einem Dungeon einige Jahre ausgeschaltet wurde. Als sie von dort zurückkehrte, war die wahre Shamur gerade ermordet worden, aber um ihrer Familie den finanziellen Ruin zu ersparen, schlüpfte sie in die Rolle ihrer Nichte und heiratete den reichen Uskevren. Statt Diebestouren wartete das Leben als erste Herrin eines Hauses und viele repräsentative Pflichten auf sie. Die Nähe zu Thamalon suchte sie nur selten, zum einen kannte sie ihn nicht, zum anderen hatte sie Angst vor Entdeckung. So war es bald eine abgekühlte Liebe und Thamalon suchte sich Geliebte...

So gingen die Jahre ins Land, aber irgendwann lag ihr Familienpatriarch im Sterben, der ihr ein Geheimnis anvertraute: Thamalon war derjenige, der den Mordanschlag auf Shamur beauftragte, der dann erfolgreicher war, als er gedacht hat. Und so fasste sie den Plan, ihn alleine zu stellen und sich für all die erlittenen Jahre zu rächen.

Richard Lee Byers schafft eine spannende Ausgangssituation, die den Leser sofort in die Handlung katapultiert. Erst nach und nach klären sich die Hintergründe auf, was etwa ein Drittel des Buches braucht, um danach in einem Plottwister von hinten aufgerollt zu werden. Der Leser blickt allerdings auch durch die Augen des wahren Antagonisten, der im Hintergrund die Strippen zieht und der dann in bester Detektivromanmanier ermittelt werden will. Das Finale wirkt auf mich dann allerdings wie ein Stück aus dem Superhelden-Animationsfilm "Die Unglaublichen". Seite an Seite kämpft die Familie, jeder mit beeindruckenden Fähigkeiten. Hier wurde am Ende eindeutig ein wenig zu klischeehaft und ohne Überraschungen alles in einen Topf geworfen.

Das Layout des Bandes ist recht gelungen, als Karte gibt es die beidseitig bebaute Hochbrücke Sembias (Wer "Das Parfüm" gesehen hat: Ähnlich sieht sie aus.), die im Finale eine entscheidene Rolle spielt. Das Cover von Raymond Swanland zeigt Shamur, wenn auch in eher fragwürdigem Gewand. Das Lektorat hat diesmal einige Patzer übersehen, die zwar kein Rechtschreibprogramm findet, aber einem Leser sofort auffallen (statt "gehen" steht z.B. "gegeben").

Fazit: Byers liefert zwar insgesamt keinen allzu originellen Plot, schafft es aber durch den Aufbau einen spannenden und unterhaltsamen Roman vorzulegen. Sembia wird nebenbei auch beleuchtet, was für Spielleiter, die in der Region spielen, ein zusätzliches Gimmick ist.




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