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Liebe & Intrige
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 23.11.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Ellen Maria Ernst, Kira Verena Samol, Verlag: Goldsieber Spiele, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 21,99 Euro


Auf der Spiel 2007 in Essen fiel dieses Spiel allein schon durch seine... nun... sagen wir mal, einzigartige Optik aus dem Rahmen. Denn wann hat man schon einmal eine rosafarbene Spiel-Verpackung gesehen, die noch dazu wie ein aufklappbares Buch gestaltet ist?
Die gewählte Form der Darstellung erinnert wohl ebenso wie der Titel Liebe & Intrige sehr an die Edelkitsch-Romane einer Jane Austen, wobei ich allerdings zugeben muss, dass ich mich für diese Einschätzung auf verschiedene Damen meiner Bekanntschaft verlassen muss, da ich selbst mich in diesem Literaturbereich nicht allzu gut auskenne.

Aber gut, lösen wir uns vom rein optischen Bereich und kommen wir zum Spiel selbst. Worum geht es eigentlich?
Jeder Spieler bekommt drei zufällig ausgewählte Töchter, die er nacheinander "unter die Haube bringen" muss. Jede dieser jungen Damen verfügt anfangs über vier Punkte in den drei Eigenschaften Ansehen, Bildung und Schönheit, festgehalten auf einer "Tochtertafel".
Im Verlauf des Spiels können die Damen ihre jeweiligen Eigenschaften anheben, indem sie sich an bestimmte Orte begeben. Wer sich beispielsweise ins Theater begibt, gewinnt einen Punkt Bildung hinzu, in der Schneiderei kann man seine Schönheit um zwei Punkte aufbessern usw.
An den meisten Orten kann man zusätzlich noch Herren kennenlernen. Dazu liegen auf den jeweiligen Feldern eine festgelegte Anzahl Herrenkarten aus, die man an sich nehmen kann, wenn man den jeweiligen Ort aufsucht. Aus dem Stapel sucht man sich dann einen Herren aus und platziert diese Karte unter die jeweils offenliegende Tochtertafel. Der Rest der Karten wird zurückgelegt und um einen neuen Herren vom Zugstapel ergänzt.
Um einen Herren heiraten zu können, muss man diesen natürlich erst richtig kennenlernen; im Spiel bedeutet dies, dass man drei Karten mit seinem Konterfei unter der eigenen Tochter gesammelt haben muss.
Jeder Herr hat außerdem bestimmte Ansprüche an seine zukünftige Gattin. Ein junger Wilder sucht vielleicht nur die Schönheit, während für den älteren Herren eher Ansehen und Bildung zählen. Sobald eine Tochter zusätzlich zu den drei vorhandenen Herrenkarten auch diese Voraussetzungen erfüllt, findet die Heirat sofort statt.
Doch Vorsicht! Es gibt auch Gefahren für die edlen Töchter. So lauert im Park und in der Spelunke, wo man natürlich die meisten Herren kennenlernen kann, auch der üble Casanova, der die Tochter vielleicht verführt und ihr dadurch Ansehen raubt. Vielleicht gerät die Tochter aber auch an den Alkohol und verliert dadurch mühsam angesammelte Bildung. Und nicht nur das: die Töchter neiden einander auch die Herrenbekanntschaften und können an fast allen Orten auf dem Spielfeld gegeneinander intrigieren, um der Konkurrentin die eine oder andere Herrenkarte "auszuspannen". All diese Aktionen werden über spezielle Würfel geregelt.
Wenn man dann noch bedenkt, dass ein steter Fluss an Ereignis-Karten ins Spiel kommt, die für allerlei Durcheinander sorgen, so kann man sich sicherlich vorstellen, dass es bei einer Runde Liebe & Intrige hoch her geht.
Das Spiel endet dann, sobald der erste Spieler alle drei Töchter verheiraten konnte. Siegpunkte erhält man für die jeweils geheirateten Herren, für die größten Summen in den drei Eigenschaften Ansehen, Bildung und Schönheit sowie für einige Ereignis-Karten, so man sie vor sich ausliegen hat.

Liebe & Intrige ist ein leichtes und lockeres Brettspiel, das nicht allzu kompliziert ist, aber doch einiges an Spielwitz bietet, der sich auch bei einer Spielwiederholung hält. Die Regeln sind schnell zu erfassen und prägen sich schon bei einer ersten Runde ein.
Negativ fallen lediglich einige etwas ungenau formulierte Regelpassagen auf, bei denen die Spieler sich dann auf eine Vorgehensweise einigen müssen.
So wird beispielsweise am Ende gesagt, dass die laufende Runde noch zu Ende gespielt wird, obwohl der Begriff der "Runde" noch nie in den Regeln verwandt wurde; wir haben uns dann darauf geeinigt, dass der Startspieler statt eines eigenen Zuges das Spiel beendet, die Runde also nicht bis zu dem Spieler geht, der gerade die dritte Hochzeit einer Tochter gefeiert hat.

Die bereits erwähnte Gestaltung - wie auch immer man grundsätzlich dazu stehen mag - passt in jedem Fall perfekt zum gewählten Thema, wobei besonders die einem Buch nachempfundene Spielschachtel positiv ins Auge fällt. Aber auch die Karten und das Spielbrett wissen durchaus zu gefallen, wenn auch einige der Herren sich etwas ähnlich sehen und somit die Unterscheidung - gerade quer über den Spieltisch - teilweise etwas schwierig machen.

Davon abgesehen kann ich Liebe & Intrige jedoch jedem Liebhaber flotter Brettspiele ans Herz liegen, vor allem auch zu dem recht günstigen Preis. Und für Väter mit irgendwann mal oder jetzt schon heiratsfähigen Töchtern ist dieses Spiel natürlich sowieso Pflichtprogramm!
Nur reine Taktik-Tüftler sollten sich von diesem liebevollen und intrigenbehafteten Spielvergnügen fernhalten.




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