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Dia de los Muertos
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 24.12.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Henning Poehl, Verlag: SPHINX Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 23,90 €


Dia de los Muertos ist ein flottes Lauf-Spiel rund um einen Friedhof, bei dem gerannt wird, bis die Knochen fliegen. Es basiert auf dem amerikanischen Spiel Zombie Rally aus dem Hause Snarling Badger Games, allerdings haben die Zombies des Originals auf dem Weg über den Atlantik alles Fleisch verloren und sind Skelette geworden(verdammt hart, so eine Interkontinental-Reise). Als Ersatz dafür hat der Sphinx Spieleverlag ihnen aber eine komplett neue, stark verbesserte Grafik und sogar ein Spielbrett spendiert.
Der Dia de los Muertos (der "Tag der Toten") ist laut mexikanischer Folklore ein Tag, bei dem die Toten wieder auf die Erde kommen, um zu feiern. Entsprechend muss man auch in diesem Spiel nicht nur um die Wette laufen, sondern auch an einigen "Totenfesten" teilnehmen.
Das bereits erwähnte Spielbrett (das leider recht einfach und schmucklos gehalten wurde und durchaus noch ein bisschen grafische Aufhübschung hätte vertragen können) enthält 32 Felder von Start bis Ziel, über die zwei bis sechs Skelette ihren Wettlauf austragen. Auf dem Weg versuchen sie zusätzlich drei bestimmte Felder zu betreten, denn nur dort gibt es die begehrten Totenfest-Karten zu erhaschen, die am Ende zusätzliche Siegpunkte bringen.

Die Figuren werden durch Karten bewegt, von denen jeder Spieler anfangs vier Stück auf die Hand bekommt.
Die Rückseiten der Karten zeigen jeweils einen bis drei Knochen und sind für alle Spieler sichtbar. Sie werden für die Bewegung der Skelette benutzt und geben die maximale Bewegungsreichweite an.
Auf den Vorderseiten, die nur der Karteninhaber selbst sehen kann, ist hingegen immer eine Aktion aufgeführt, die man anstelle einer Bewegung durchführen kann. Diese besonderen Aktionen sind verschiedenster Art, vom Bocksprung über ein anderes Skelett hinweg bis zu direkten Angriffen auf andere Teilnehmer.
Für jede Aktion muss das ausführende Skelett bestimmte Körperteile besitzen (Arme und/oder Beine). Ebenso richten sich die Bewegungsmöglichkeiten der Toten nach den Körperteilen, die sie (noch) haben. Durch die Auswirkungen bestimmter Aktionen oder durch den auf dem Friedhof herum stromernden Hund des Totengräbers können die Skelette immer wieder Körperteile verlieren, was ihre Aufgabe nicht gerade erleichtert.

Dia de los Muertos wird in Runden gespielt. Dabei wird zunächst festgelegt, in welcher Reihenfolge die Spieler handeln, danach legt jeder Teilnehmer eine seiner Handkarten vor sich aus.
Die jeweiligen Handlungen werden reihum in der vorgegebenen Reihenfolge ausgeführt. Der Spieler muss sich jedoch erst in dem Moment, in dem er dran ist, entscheiden, ob er nun die Aktion auf der Karte ausspielen oder sich stattdessen bewegen will (immerhin kann sich seitdem die Situation auf dem Spielbrett geändert haben).
Der entscheidende Unterschied zwischen diesen beiden Handlungsmöglichkeiten kommt im letzten Teil der Runde zum Tragen, denn nach einer Aktion darf man nun zwei Karten nachziehen, nach einer Bewegung jedoch nicht.

Wie bereits erwähnt, geht es bei Dia de los Muertos vor allem darum, eine komplette Runde um den Friedhof zu drehen. Anfangs blockiert jedoch der Totengräber den Weg ins Ziel, den er erst freigibt, nachdem die Spieler die ausliegenden Totenfest-Karten aufgesammelt haben.
Wenn die Skelette - je nach körperlichem Zustand - ins Ziel gelaufen, gehumpelt oder gekrabbelt sind, erhalten sie entsprechend der Reihenfolge des Zieleinlaufs Siegpunkte.
Das Spiel endet, sobald alle Teilnehmer das Rennen beendet haben. Wer dann die höchste Summe an Siegpunkten aus seiner Platzierung und den gesammelten Totenfest-Karten erreicht, gewinnt das Spiel.

Bei Dia de los Muertos werden bis auf das Spielbrett und die Figuren alle anderen Funktionen durch drei gleiche Sätze von jeweils 33 Karten dargestellt. Die Aufteilung und Gestaltung der Karten zeugt dabei von einer geschickten Ausnutzung der vorhandenen Mittel. So erfolgt beispielsweise die Darstellung der Skelette mit zwei, einem oder keinem Arm bzw. Bein über zwei Karten, die entsprechend gedreht und aneinander gelegt werden. Ebenso wird die Reihenfolge, in der die Skelette agieren, über eine einzelne Karte pro Spieler abgewickelt, die je nachdem, wann ihr Inhaber am Zug ist, mit der entsprechenden Zahl nach vorne gedreht wird.
Auch sonst zeigt sich am Regeltext, dass an fast alle Möglichkeiten und Eventualitäten gedacht wurde, doch hat diese umfassende Darstellung natürlich auch ihre Nachteile.
Man sollte daher jemanden finden, der vor der ersten Runde die Regel durchliest und sie danach den anderen Teilnehmern erklärt. Die grundlegenden Regeln sind nämlich eigentlich recht einfach, die teilweise vorhandenen Sonderfälle und Spezialregeln - so notwendig sie auch sein mögen - blähen den Regeltext jedoch ein wenig auf und lassen ihn zum direkten Vorlesen wenig geeignet erscheinen.
Außerdem muss man noch erwähnen, dass das Spiel bei zwei und sogar bei drei Spielern noch nicht den richtigen Spielspaß bringt. Obwohl es regeltechnisch keinerlei Probleme gibt und alles flüssig ineinander greift, läuft man mehr oder weniger aneinander vorbei, und die Interaktion, die bei einem Spiel wie diesem erst den wirklichen Spaß bringt, bleibt ein wenig auf der Strecke. Ab etwa vier Spielern kann man sich jedoch mit Aktions-Karten und dem immer wieder nervigen Hund auf ein lustiges und spannendes Spiel freuen, das vor allem bis zum Ende kaum vorauszuberechnen ist. Für reine Taktiker und Strategen ist dieser fröhliche Skelett-Lauf daher auch kaum geeignet.




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