Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Gesellschaftsspiele » Brettspiele » Agricola

Agricola
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 31.01.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Uwe Rosenberg, Verlag: Lookout Games, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 40,00 Euro


Agricola ist zunächst mal ein schweres Spiel - was das Gewicht angeht. Neben den neun, teilweise modularen Spielplänen, den über 300 Holzteilen und den über 100 Plättchen aus fester Pappe befinden sich noch 360 individuell gestaltete Spielkarten gut aufbewahrt in der recht kompakten Schachtel. Das gesamte Material und vor allem die Spielpläne wirken zunächst ein wenig statisch und sind in einem etwas ungewohnten Grün gehalten. Hat man sich jedoch daran gewöhnt, tragen diese stimmig zur Atmosphäre des Spiels bei. Die farbigen Spielregeln sind mit zwölf Seiten recht ausführlich und etwas unstrukturiert. Manche Spielplanrückseiten zeigen zusätzlich Beispielsituationen. Das Spiel benötigt etwas Vorbereitungszeit und sehr viel Platz.

Jeder der eins bis fünf Spieler spielt einen Landwirt, der seinen Hof bewirtschaftet. Da kann er (oder sie) Schafe, Rinder oder Wildschweine züchten, sowie Getreide oder Gemüse anbauen. Jedoch ist auch der eigene Familienzuwachs nicht zu vernachlässigen sowie der Ausbau und die Modernisierung des Wohnhauses. Entsprechend sind die Familienmitglieder zu versorgen, damit diese nicht betteln müssen.
In jeder der 14 zu spielenden Runden geht jedes voll ausgewachsene Familienmitglied arbeiten und wählt eine der zur Verfügung stehenden Aktionen aus. Allerdings kann pro Runde jede Aktion nur ein einziges Mal genutzt werden und somit kommen sich die Spieler gegenseitig in die Quere. Die einzelnen Aktionen sind sehr unterschiedlich und jede Runde kommt eine weitere Möglichkeit hinzu. Hier muss genau geplant werden, wobei die Planung hin und wieder neu überdacht werden muss.
Richtig interessant und abwechslungsreich wird Agricola durch die Vielzahl der Karten. Diese unterteilen sich hauptsächlich in "Ausbildungen" und "kleine Anschaffungen". Zu Spielbeginn bekommt jeder Spieler davon jeweils sieben Stück auf die Hand. Diese können mit einer Aktion ausgespielt werden und bringen die unterschiedlichsten Vorteile. Man kann die eigene Strategie danach ausrichten, muss es aber nicht.

Nachdem alle 14 Runden gespielt wurden, kommt es zur Endabrechnung und die einzelnen Höfe werden gewertet. Es gibt Punkte für jede Tiersorte, für Weiden, für Getreide und Gemüse, für Ställe, für das Wohnhaus, sowie für jedes Familienmitglied. Ist man jedoch in einem Bereich zu nachlässig gewesen, drohen Minuspunkte. Weitere Punkte gibt es für bestimmte ausgespielte Karten.

Agricola bietet zusätzlich eine brauchbare Familienspiel- und Solo-Variante an.

Hat man die Spielanleitung erst mal überwunden, sind die Spielregeln schnell verinnerlicht. Leider fehlt eine Zuordnung der Kosten-Symbole auf den Anschaffungskarten zu den entsprechenden Waren. Letzteres ist Anfangs nicht ganz eindeutig und muss erst erarbeitet werden. Eine kleine Übersicht würde hier Abhilfe schaffen.
In Agricola bebaut zunächst jeder seinen eigenen, vor sich ausliegenden Hof. Die vielfältigen Aktionen stehen jedoch allen Spielern zu Verfügung und zwar jede nur einmal pro Spielrunde. Das kann großen Einfluss auf die eigene Planung haben und wenn man den Hof und die Vorräte der Mitspieler im Auge behält, können diese durch Auswahl bestimmter Aktionen bewusst eingeschränkt werden.
Manch einem erscheinen die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildungs- und Anschaffungskarten zu komplex oder zu glückslastig, jedoch machen gerade sie das Spiel aus. Sie bieten extrem viel Möglichkeiten und Abwechslung. Außerdem sind sie sehr schön und übersichtlich gestaltet.
Agricola bietet eine hohe Spieltiefe und viele verschiedene Wege führen zum Sieg. Das Thema ist ausgezeichnet umgesetzt und lässt entsprechende Atmosphäre aufkommen. Es ist sehr gut ausgearbeitet und bietet viele Details. Einzigst der hohe Platzbedarf stört etwas, lässt sich wohl aber nicht vermeiden.
Das Spiel spielt sich in jeder Besetzung etwas anders und funktioniert auch hervorragend zu zweit. Mit zunehmender Spielerzahl werden allerdings die Wartezeiten und die Gesamtspieldauer entsprechend länger.

Fazit:
Die etwas gewöhnungsbedürftige aber hervorragende Ausstattung, die große Spieltiefe, die relativ einfachen Grundregeln, die individuellen Karten, die für viel Abwechslung sorgen, und der dafür sehr faire Anschaffungspreis machen Agricola zu einem absoluten Highlight unter den Strategie- und Familienspielen.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.