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Die Wiege der Renaissance
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 17.01.2008, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Hann und Wilfried Kuhn, Verlag: DDD Verlag, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 12,95 Euro


"Florenz - die Wiege der Renaissance. Hier wirken Künstler wie Botticelli, Michelangelo und da Vinci, errichtet der Bußprediger Savonarola einen Gottesstaat und verfasst Machiavelli seine Werke über die Technik der Macht. Hier herrschen die Medici und liegen die Geburtshäuser solch großer Entdecker wie Vespucci." Vor diesem Hintergrund schlüpfen die Spieler in die Rollen der Oberhäupter einflussreicher europäischen Adelsgeschlechter und versuchen ihre Familien kulturell und machtpolitisch an die Spitze zu führen. Und das geht grob so:

Abhängig von der Spieleranzahl liegen drei bis sechs historische Ereignisse zwischen den Spielern aus. Jeder Spieler verfügt zu Beginn über sieben Einflusssteine. Wer am Zug ist, muss einen seiner Einflusssteine auf einem historischen Ereignis seiner Wahl platzieren. Diese zeigen Personen- und Kulturfelder, die durch Linien miteinander verbunden sind. Steht auf einem Ereignis bereits ein Einflussstein, kann der nächste nur auf einem durch Linie verbundenen angrenzenden Nachbarfeld platziert werden. Anschließend darf der Spieler zwei Kartenaktionen ausführen. Er nimmt dazu eine Kultur- oder Personenkarte von der Auslage auf die Hand oder spielt eine seiner Handkarten in seine persönliche Auslage. Abhängig davon, ob auf einem historischen Ereignis zuerst alle Kulturfelder oder zuerst alle Personenfelder belegt wurden, kann es im Verlauf des Spiels entweder zu einer Kultur- oder zu einer Personenwertung kommen.
Bei ersterer kommt es darauf an, wer von den an der Wertung beteiligten Spielern in einer vom historischen Ereignis abhängigen Kulturart die meisten Kultursymbole in seiner persönlichen Auslage liegen hat. Die Spieler vergleichen dazu die Anzahl ihrer gleichartigen Kultursymbole. Der Spieler, der die Wertung ausgelöst hat, bestimmt dabei, welche Sorte Kultursymbole gewertet werden soll. Die Differenz zwischen Zahl der Symbole des Siegers und der des Unterlegenen muss von den Verlierern der Wertung in Einflusssteinen an den Sieger übergeben werden.
Bei einer Personenwertung kommt es darauf an, welchen Einfluss die von den beteiligten Spielern ins Spiel gebrachten Personenkarten geltend machen können. Wer den größeren Wert bei seinen ausgespielten Personenkarten besitzt, gewinnt demnach diese Wertungsart und erhält so viele Einflusssteine vom Gegner, wie auf dem historischen Ereignis angezeigt werden.
Wer übrigens keinen Einflussstein auf einem historischen Ereignis platzieren konnte oder wollte, verliert automatisch die ausgelöste Wertung.
Das Spiel endet, wenn nur noch zwei ungewertete historische Ereignisse im Spiel sind. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Einflusssteinen.

Dieser Spielmechanismus wird noch durch ergänzende Regeln und taktische Varianten (etwa das Spiel in Teams) bereichert, die das Spiel aber auch verkomplizieren. Die Anleitung ist da nur bedingt hilfreich. Trotz treffender Beispiele und Illustrationen ist "Wiege der Renaissance" ein so komplexes Spiel, dass man vor dem ersten Eintauchen etliche Male rück- oder nachlesen muss. Kleinere Fehler in der Anleitung, die aber fast alle auf der Verlagshomepage genannt und korrigiert werden, erschweren das Spiel. Problematisch ist nur ein einziger (berichtigter) Fehler, der den zeitlichen Ablauf eines Wertungsteils falsch wiedergibt. Aber variantenreiche Spiele mit hohem Wiederspielwert sind nun mal komplex und lassen sich nicht nach fünf Minuten Regellektüre spielen. Um dem Rechnung zu tragen, bietet der Verlag online sogar eine flashbasierte Anleitung als Film an - eine einzigartige Idee. Außerdem sind die Spielregeln in der korrigierten Fassung dort auch in Deutsch, Englisch und Französisch herunterzuladen.

Die Gestaltung des Spiels ist über jeden Zweifel erhaben. Sie fördert die Stimmung des Spiel (Renaissance) und arbeitet mit hochwertigen Materialien (musterverstärkte Karten und Holzspielsteine). Außerdem hat es der Verlag nicht nötig gehabt, die Umverpackung wie sonst oft bei der Konkurrenz üblich aufzublähen.

Fazit: Es fällt leicht, eine eindeutige Empfehlung für das Spiel abzugeben. "Wie Wiege der Renaissance" arbeitet thematisch in einem bisher wenig bedienten Bereich, bietet einen innovativen und trotz seiner Komplexität eingängigen Spielmechanismus sowie einen sehr hohen Wiederspielwert durch seine Unzahl an möglichen neuen Kombinationen. Gepaart mit der guten Spielaufmachung verblassen die kleinen Fehler der Anleitung, die obendrein durch die Online-Unterstützung mehr als wett gemacht werden.




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