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Wikinger
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 23.11.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Michael Kiesling, Verlag: Hans im Glück Verlags-GmbH, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 30 Euro


Bei Wikinger verkörpern zwei bis vier Spieler die Anführer eines Wikingerstammes und entdecken, besiedeln und verteidigen nach und nach die Inseln vor ihrem jeweiligen Festland.

Die schön gestaltete Schachtel ist voll gepackt mit Spielmaterial. Vor dem ersten Spiel muss ein Drehrad auf dem Spielplan befestigt werden. Auf dem Rad sind am Rand die Werte 0 bis 11 aufgedruckt. Jeder Spieler erhält einen Winkel, der sein Festland darstellt und den er vor sich ablegt. Außerdem bekommt jeder ein Startplättchen, eine Übersichtstafel, eine gewisse Anzahl Gold und zwei Spielsteine einer Farbe. Ein Stein davon wird auf die Wertungsleiste gelegt, der andere kommt oben auf den eigenen Winkel, um die Spielerfarbe zu markieren.
Die verbleibenden 72 Kärtchen werden gut gemischt und daraus sechs Stapel zu je zwölf Plättchen gebildet. Diese werden auf den Spielplan auf die dafür vorgesehenen Felder gelegt. Die Plättchen stellen entweder ein Inselteil oder ein Wikingerschiff dar. Die weiteren 25 Sonderplättchen werden nur für die Fortgeschrittenen-Version benötigt.
Alle 78 Holzfiguren (je 13 in sechs Farben) kommen in einen Stoffsack. Der jüngste Spieler erhält die Startspielerfigur in Form eines Wikingerschiffes aus Pappe.
Das Material ist durchweg von sehr guter Qualität und optisch sehr ansprechend gestaltet. Die Spielanleitung umfasst sechs DIN-A4-Seiten und enthält viele farbige Beispiele und taktische Tipps. Hat man sich da erst mal durchgearbeitet und die erste Runde gespielt, gehen die Regeln flüssig von der Hand.

Der Startspieler nimmt den ersten Stapel mit Plättchen und verteilt ihn um das Rad auf dem Spielplan (Inselteile von der 0 aus aufsteigend und Wikingerschiffe von der 11 aus absteigend). Anschließend zieht er zwölf Figuren aus dem Stoffsack und platziert sie nach Farben sortiert aufsteigend ebenfalls um das Rad. So ist jedem Plättchen eine Figur zugeordnet. Jeder Spieler erwirbt reihum eine dieser Kombinationen und bezahlt entsprechend der Zahl auf dem Rad in Gold. Wenn die Kombination bei dem Wert 0 erstanden wurde, wird das Rad weiter gedreht, wodurch sich die Preise im Laufe der Runde verbilligen.
Das erworbene Plättchen muss sofort innerhalb des eigenen Winkels angelegt werden (in der ersten Runde zusammen mit dem Startplättchen). Die Wikingerschiffe kommen in die erste Reihe und bedrohen somit die darunter liegenden Reihen. Die erworbene Figur kann auf das eben ausgelegt Plättchen gelegt werden, sofern deren Farbe der Farbe der Reihe entspricht. Jede Reihe steht für ein andere Figurenart (Fischer, Goldschmiede, Späher, Adelige und Kämpfer).
Figuren, die nicht gelegt werden können - dazu gehören auch immer die Bootsmänner -, werden bei dem Bootsmann-Symbol gesammelt.

Nach jedem Durchgang kommt es abwechselnd zu einer kleinen oder großen Wertung. Alle Figuren auf Plättchen unterhalb von Wikingerschiffen bis zu einer bestimmten Farbe, die nicht durch einen Kämpfer geschützt sind, sind von der jeweiligen Wertung ausgeschlossen.
Bei der kleinen Wertung erhalten die Spieler für jeden Goldschmied drei Goldstücke. Bei der großen Wertung dürfen nun die zur Seite gestellten Figuren durch Bootsmänner zu den Inseln gebracht werden. Außerdem gibt es neben dem Gold Siegpunkte für Adelige und Späher (Letzterer auch in Verbindung mit Goldschmied und Fischer). Wehrt ein Kämpfer die Bedrohung durch ein Wikingerschiff ab, so gibt es weitere Siegpunkte oder Goldstücke.

Sind alle Stapel mit Plättchen aufgebraucht, kommt es nach der letzten großen Wertung noch zu einer Schlusswertung. Hier verliert jeder Spieler Siegpunkte oder Goldstücke durch Wikingerschiffe, die nicht von einem Kämpfer abgewehrt werden. Nun gibt es noch für je fünf Goldstücke einen Siegpunkt und Siegpunkte für den oder die Spieler mit den meisten übrig gebliebenen Bootsmännern, den meisten fertigen Inseln und der längsten Insel.
Außerdem wird kontrolliert, ob alle Figuren ausreichend durch Fischer versorgt werden. Bei einer Überversorgung gibt es weitere Punkte, bei einer Unterversorgung drohen Punktabzüge.

Gerade der letzte Punkt kann noch mal gravierend über Sieg und Niederlage entscheiden.

In der Fortgeschrittenen-Version wird mit zusätzlichen Sonderplättchen gespielt, die ganz unterschiedliche Vorteile, Goldmünzen oder Siegpunkte bringen. Außerdem kann nun auf die Startspielerposition gesteigert werden. Dieser sortiert dann eine von 13 gezogenen Figuren aus. Danach legt er ganz normal die Plättchen an das Drehrad, darf sich aber die erste Figurenfarbe aussuchen und stellt diese beginnend bei der 11 abwärts um das Drehrad. Anschließend ist der nächste Spieler mit einer anderen frei wählbaren Farbe an der Reihe.
Die Fortgeschrittenen-Version bringt insgesamt etwas mehr Taktik und Würze mit ins Spiel.

Die Aufmachung und das schöne Material tragen zu einer angenehmen Atmosphäre bei, wobei das Thema etwas mehr kämpferische Aktionen vermuten lässt, als es tatsächlich der Fall ist. Die Spieler erwerben ihre Plättchen und Figuren und bauen sich damit ein paar kleine Inseln auf. Hierbei geht es um geschickte Platzierungen und vernünftiges Haushalten mit den Goldstücken. Besonders die Krieger und Fischer sollten nicht vernachlässigt werden. Interaktion gibt es eigentlich nur bei dem "Rad" und vielleicht beim Wegschnappen eines Plättchens oder einer Figur, die ein anderer Spieler gerade gut gebrauchen kann. Manchmal hat man auch das Gefühl, dass sich das Spiel von selbst spielt und man wenig Einflussmöglichkeiten hat, insbesondere, da sich die eigene Auslage zwangsläufig aus der erworbenen Kombination ergibt.

Wikinger lässt sich in jeder Besetzung recht gut spielen, wobei die eigenen Inseln mit steigender Spielerzahl und somit auch die Einflussmöglichkeiten weniger werden.

Fazit
Insgesamt bietet Wikinger eine schöne Aufmachung, eine angenehme Spieldauer und einige interessante Spielelemente, die jedoch wenig Interaktion zwischen den Spielern zulassen. Für Gelegenheitsspieler fast etwas zu komplex, bietet es jedoch in der Grundversion einen schönen Einstieg in sogenannte "Optimierungsspiele". Für Vielspieler fast etwas zu einfach und man sollte es hier auf jeden Fall in der "Fortgeschrittenen-Variante" spielen.




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