Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Auditorium » Hörspiele » Die Schwarze Sonne » Die Schwarze Sonne III – Weisses Gold

Die Schwarze Sonne III – Weisses Gold
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 18.09.2007, Serie: Auditorium, Autor(en): Günter Merlau, Verlag: LAUSCH - Phantastische Hörspiele, Seiten: 67 Minuten Spielzeit, 8-seitiges Booklet, Erschienen: 2007, Preis: 9,99 Euro


Der dritte und der vierte Teil der düster-viktorianisch-phantastischen Serie "Die Schwarze Sonne" funktioniert diesmal als Duo; beide Teile bauen direkt aufeinander auf. Erstmals verläuft die Geschichte auf drei Zeitebenen. Neben der ersten Ebene um 1886, in der das Detektivduo Nathaniel De Salis und Adam Salton bisher ermittelte, sind dies 1938 mitten in Nazideutschland und in der Gegenwart.

Nathaniel und Adam kommen im Hafen von Aden an, um in Indien ein Artefakt zu suchen. Erster Anlaufpunkt ist Helena Blavatsky, die Begründerin der Theosophischen Gesellschaft, deren Organisation in Verdacht steht (im zweiten Teil, "Böses Erwachen"), die Heilige Lanze von Jule Verne gestohlen zu haben.

In der Gegenwart wird der aufstrebene Bundeswehr-Hauptmann Berger zum Vizepräsidenten des Nachrichtenwesen der Bundeswehr vorgeladen. Dieser beauftragt Berger mit einem speziellen Anliegen, einem Projekt, welches von den Nazis schon unter dem Namen "Ahnenerbe" und im Nachkriegsdeutschland als "Nordwind" verfolgt wurde. Seidem versuchten sich verschiedene Organisationen daran, bis es schließlich bei der Bundeswehr landete. Darüber hinaus soll er das Schicksal eines verschwundenen Vorgängers klären.

Währenddessen im Deutschen Reich, das gerade "Österreich ins Reich heimgeholt hat" (O-Ton einer Radiomeldung im Hintergrund): In der Nähe von Paderborn, auf der Wewelsburg, empfängt Heinrich Himmler höchstselbst einen Expeditionstrupp aus Tibet, der seine Ergebnisse dem SS-Führer und einigen anderen Persönlichkeiten Nazideutschlands vorstellt. Unter diesen befindet sich auch Gruppenführer Weissthor, der offensichtlich ein ganz eigenes Interesse an der Expedition hat.

Insgesamt wird die Serie durch diese dreigliedrige Handlung auf ein neues Anspruchs-, aber auch Qualitätsniveau gehoben. Interessant ist das Verknüpfen der Handlungsstränge durch kleine Nebensächlichkeiten. So findet Berger einen Brief an De Salis in seinem Hotelzimmer, der dort seit Jahren unter dem Schrank lag. Der SS-Trupp aus Indien berichtet davon, dass sie einem Tibeter mitgebracht haben, den sie Berger getauft haben – möglicherweise der Vater des gegenwärtigen Hauptmanns? Und die Stimme Weissthors kommt einem auch sofort aus den Vorgängern bekannt vor.

Neben der Qualität des Plots sind aber auch Produktionsqualität, Umsetzung und Sprecher zu loben. So hat man sich für die Athmosphäre in Nazideutschland nicht für die politisch korrekte Atmosphäre entschieden und scheut sich nicht, in eine entsprechende Umwelt einzutauchen. Gefallen hat mir auch die Idee der Briefe, die De Salis und Jules Verne miteinander austauschen. Sie bringen das Hintergrundwissen der Hörer weiter voran und lassen die Motive der Chaktere deutlicher hervortreten.

Folge drei ist nur in Verbindung mit dem Folgeteil "Vril" abgeschlossen, was der Komplexität der Story zu Gute kommt, auch wenn die Homepage des Verlags weiterhin von abgeschlossenen Teilen spricht. "Weisses Gold" macht allerdings so viel Lust auf mehr, dass der Kauf der Fortsetzung fast zur Formalie verkommt – wobei ich grundsätzlich empfehle, beim ersten Teil zu beginnen.

Das Äußere der CD ist an den Stil der Vorgänger angelehnt und diesmal in Weiß gehalten – das Cover zeigt die tibetanischen Berge.

Fazit: Eine der aktuell besten Hörspielserien schafft nochmal eine Steigerung, phänomenal!




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.