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Vergessene Reiche: Sembia 1 - Zeuge der Schatten
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 28.08.2007, Serie: Belletristik, Autor(en): Paul S. Kemp, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 327, Erschienen: 2007, Preis: 11,95 Euro


Mit Zeuge der Schatten startet das neue Vergessene Reiche-Sextett Sembia in die erste Runde. Autor ist Paul Kemp schon aus dem Abschlußroman des "Kriegs der Spinnenkönigin", "Auferstehung", bekannt, der an sich ganz gelungen war. Erwähnenswert ist auch, dass Kemps Hauptfigur dieses Romans – sie wechseln in der Reihe von Band zu Band – anschließend eine eigene Trilogie bekam.

Krollir, der Anführer der Nachtmesser, will einen mächtigen Dämonen beschwören, um mit seiner Gilde endgültig die Führungsposition in Sembia zu übernehmen. Seine Stellvertreter Erevis Cale und Riven sollen ihm dabei beiwohnen. Ersterer ist jedoch bei einem wichtigen Empfang der Familie Uskevren, die er im Auftrag der Gilde ausspioniert. Riven hingegen entpuppt sich als Gefolgsmann der Zentarim, der einfach das Ritual stört und den Dämon freisetzt. Damit hätten Cyrics Zentarim eine wichtige Gruppe von Mask-Anhängern ausgeschaltet. Bedauerlicherweise verschwindet der Dämon aber nicht, sondern besetzt den Körper von Krollir und erschafft sich aus den ehemaligen Schurken eine Ghularmee, während er andere Dämonen an seine Seite ruft.

Der erste, der etwas von diesen Vorgehen mitbekommt, ist Erevis bester Kumpel Jak Flink, der seinen alljährlichen Bruch macht, um Brandobaris zu ehren und sich ein neues heiliges Symbol zu stehlen. Er schleicht sich bis in Fürst Soargyls Schlafkammer vor, nur um zu bemerken, dass er nicht der erste ist und das Ehepaar auf grauenvolle Weise von einem schattenhaften Wesen ermordet wird.

Doch auch Erevis, der als Kämmerer bei einem Empfang eingesetzt wird, bekommt Probleme. Während er gerade über seine Loyalitäten nachdenkt – die Familie des Fürsten Uskevren ist ihm über die Jahre ans Herz gewachsen – und gerade einen Dieb unblutig vor die Tür befördert, bricht plötzlich Panik aus – Ghule greifen an. Cale erkennt unter ihnen seine ehemaligen Kameraden und als Thazienne, die Tochter des Hauses, schwer verletzt wird, schwört er seinem Gildenboss Rache, nicht ahnend, dass dieser längst durch einen Dämon ersetzt wurde.

Man kann schon verstehen, warum Erevis Cale anschließend eine eigene Trilogie bekam. Die beiden Charaktere sind das Gelungenste an dem Buch und für einen eher kurzweiligen Roman auch erstaunlich dreidimensional gezeichnet. Cale als Schurke und Spion, der gerade am Wendepunkt seines Lebens steht, und Jak, ein Harfner, der nicht vor unorthodoxen Methoden zurückschreckt – sonst wär wohl Erevis auch nicht sein Freund.

Der Plot ist nicht allzu komplex, auch der Ort Sembia kommt leider deutlich zu kurz. Mehr Platz wird der Familie Uskevren eingeräumt, schließlich werden ihre Familienmitglieder – jeweils eines – der Prothagonist eines der folgenden fünf Romane werden.

Etwa zwei Drittel des Romans lesen sich kurzweilig, häufige Personenwechsel beleuchten die Handlung von mehreren Seiten. Das letzte Drittel wird dann zäher, ein etwas einfallsloser "Run" auf das Versteck des Dämonen mit nur wenig Perspektivwechseln und kaum Überraschungen. Da hätte ich mir deutlich mehr gewünscht.

Optisch ist die Aufmachung der Reihe wieder gelungen. Dunkle und helle Grautöne kombiniert mit ein wenig Ocker, setzt die fast immer tolle Optik der bisherigen Vergessene Reiche-Reihe fort, nicht ohne der Sembia-Reihe eine eigene Note zu geben.

Fazit: Ein in großen Teilen unterhaltsamer, kurzweiliger Roman, der ohne originellen Plot auskommt, dafür aber zwei interessante Charaktere bietet.




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