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Rauch und Spiegel 2: Rauch und Spiegel
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 05.05.2007, Serie: Belletristik, Autor(en): Tanya Huff, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 460, Erschienen: 2007, Preis: 12,95 Euro


"Rauch und Spiegel" setzt Tanya Huffs dritte Reihe bei Feder & Schwert fort.

In "Rauch und Schatten", dem ersten Teil der Reihe, retten der Produktionsassistent Tony zusammen mit seinem vampirischen Ex-Liebhaber Henry Fitzroy das Produktionsteam der Serie "Darkest Night" und damit die Menschheit vor den Schatten und ihrem Herrscher. Das Ganze ist ein Sequel zu Tanya Huffs Serie "Chroniken des Blutes", in der Henry Hauptfigur und Tony Foster eine der wichtigen Nebenfiguren ist. Doch auch das Leben von Weltenrettern geht weiter...

Und so ist es in "Rauch und Spiegel" erneut die Produktion der Serie "Darkest Night", die sich unwissend selbst in Gefahr bringt. Als der allmächtige Chester Bane das Caulfield House anmietet, um das leerstehende Herrenhaus als Spukhaus zu nutzen, konnte ja keiner ahnen, dass es dort tatsächlich spukt – was sich allerdings gar nicht als das größte Übel herausstellt. Tony bekommt erst etwas von der Sache mit, als die beiden Kinder, die als Geister geschminkt sind, nach dem Abschminken immer noch irgendwie entstellt wirken. Zum Glück aller ist er jedoch der einzige, der so auf Übernatürliches sensibilisiert ist, dass er die Lage erkennt. Dann jedoch muss er erstmal Chester Banes Töchter abholen, und diese sind wirklich anstrengend. Die beiden sollen ebenfalls Geister darstellen, was nicht immer ganz gelingt, aber dass Team drückt aufs Tempo, denn sonst droht Schreckliches wahr zu werden: ein zweiter Drehtag mit Brianna und Ashley. Bei all der Hektik kommt es jedoch zu einem kleinen Unfall, bei dem sich jemand das Knie aufschlägt...

Damit hat das Haus Blut geschmeckt und ist nach langer, langer Zeit wieder erwacht. Und kaum bricht die Dämmerung ein, schließt das Haus seine Türen und Fenster, so dass keiner mehr raus kann. Das 17-köpfige Team sitzt nun fest und erkennt langsam die Lage. Spätestens als Tony offenbart, dass er tote Menschen sehen kann - in bester Sixth Sense-Manier - und auch die einst Schattenbessenen des ersten Teils merken, dass etwas vor sich geht, ist klar, dass die Gefangenen dringend raus müssen. Jedoch muss das Team schnell feststellen, dass es herkömmlich nicht funktioniert. Das Fenster einzuschlagen scheitert daran, dass der jeweilige Gegenstand zerbricht, da es eine Art protoplasmatische Schutzhülle gibt. Das Haus hat nun eine ganze Nacht, seine unfreiwilligen Bewohner in den Wahnsinn und zu Mord und Selbstmord zu treiben, um neue Energie zu tanken. Jedoch sind einige der Geister potenzielle Verbündete, während andere in endlosen Wiederholungen ihrer Taten gefangen sind.

Draußen hingegen ist gerade Chester Bane vorgefahren, der von den Überresten des Produktionsteams erfahren muss, dass niemand mehr in das Haus hinein kann. Als einziger, der neben den Protagonisten noch um die Geschehnisse von "Rauch und Schatten" weiß, ruft er schnellsten Henry um Hilfe, schließlich sind seine beiden Töchter da drin – und nur begrenzte Zeit zu ertragen, bevor man ihnen an die Gurgel will...

Tanya Huff offenbart mal wieder ihre Qualität und schafft es, einen Mix anzurühren aus Klischees, Anekdoten und Altbekanntem, der Fantasy- wie Horrorleser anspricht. Gerade ihr selbstironischer Stil kommt wieder deutlicher zum Tragen als im ersten Teil. Ihr gelingt es wie kaum einem anderen, etwas Bewährtem, hier also der Geisterhausthematik, neue Aspekte abzuringen. Ihre Hauptfiguren haben einerseits Tiefe, andererseits arbeitet sie trotzdem mit Klischees und vermag so immer wieder zu überraschen.

Diesmal etabliert sie neben den beiden Hauptfiguren weitere Personen im Vordergrund. Da sind die beiden Töchter von Chester Bane, die das Idealbild von Rotzbälgern vortrefflich erfüllen, ohne dabei nervig zu sein. Auch Co-Serienstar Lee bekommt als Beschützer Tonys eine stärkere Rolle, ebenso wie Regisseur Peter, der auch hier der Chef ist und genau weiß, dass ihn Chester Bane zur Rechenschaft ziehen wird, wenn das Haus zu sehr zu Schaden kommt. Kate will Tony nie glauben und übt sich in ständiger Opposition. Und die beiden Junggeister Stephen und seine größere Schwester Cassie, die die jeweilige Situation oft herrlich konterkarrieren sind interessante elemente – schließlich kann nur Tony sie sehen.

Musste man im ersten Teil erstmal richtig warm werden, geht es hier gleich zur Sache. Die Geschichte liefert wieder reichlich Anspielungen auf diverse Phantastik-Sachen (Sixth Sense, Akte X) ebenso wie auf aktuelle und ältere Themen des Weltgeschehens.

Die Umschlaggestaltung ist an Teil eins angelehnt und ich mußte schon zweimal gucken, ob es sich um die Fortsetzung handelt. Aber tatsächlich, da steht "Spiegel" statt "Schatten" und entsprechend ist das unterste Wort diesmal gespiegelt, statt durch einen Schatten dargestellt. Das ganze bildet den zweiten Teil einer Trilogie, die keinen Namen hat. Die 460 Seiten kosten 12,95 Euro, aber bei Huff weiss man dafür auch, was man hat.

Einsteigen würde ich nicht unbedingt mit diesem Band, sondern eher mit den "Chroniken des Blutes", um dann auf diese Reihe zurückzukommen oder, mit einer größeren Prise Humor gewürzt, den "Chroniken der Hüter".

Fazit: Tanya Huff gelingt es nach einem durchschnittlichen bis guten Startband wieder ein richtig unterhaltsames Werk abzuliefern, das keine Wünsche offen läßt.




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