Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Auditorium » Hörspiele » Die Schwarze Sonne » Das Schloss der Schlange

Das Schloss der Schlange
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 25.01.2007, Serie: Auditorium, Autor(en): Günther Merlau, frei nach Bram Stoker, Verlag: LAUSCH - Phantastische Hörspiele, Seiten: 69 Minuten Laufzeit, Erschienen: 2006, Preis: 9,95


Nachdem sich der Hamburger Lauschverlag mit "Caine" schon einen Namen gemacht hat, wurde mit "Die dunkle Sonne" schnell eine zweite Serie nachgelegt. Als Ambiente wurde das Ende des vorletzten Jahrhunderts gewählt, also das viktorianische England, wie man es von Private Eye, Midgard 1880 oder Cthulhu by Gaslight kennt. Und mit letzterem sind wir auch im nahezu richtigen Genre angelangt: Horror mit leicht cthuluiden Zügen trifft auf Mystery.

Der junge Australier Adam Salton kehrt 1885 nach den Tod seiner Eltern zu seinem Onkel Richard zurück, welcher ihn zusammen mit Nathaniel de Salis am Pier erwartet. Als sie auf der Kutschfahrt zurück nach Derbyshire auf das Grabmal des grausamen Wulfhere, König von Marcia, treffen, gibt Nathaniel eine Gruselgeschichte zum besten. Adam erleidet daraufhin eine Vision und entdeckt seine Zweigesichtigkeit. Er sieht, wie Wulfhere seinen zum Christentum übergetretenen Söhnen die Haut abzieht und einen Priester foltert, um sie Bhaal, dem weißen Gott, zu opfern. Während Adam das sieht, wird er bewusstlos, kann aber von seinen Begleitern wieder zu sich gebracht und beruhigt werden. Während Richard es für eine Reaktion auf Nathaniels Schauergeschichten hält, merkt dieser, dass Adam etwas gesehen hat.

Doch bevor er noch nachfragen kann, entdecken sie im Moor eine Leiche, welche sie ins nächstgelegene Wirtshaus bringen. Während Nathaniel und Adam sie untersuchen, holt Richard einen Arzt, der den Tod durch Verbrennungen feststellt. Eine Todesart, von der sich Nathaniel sicher ist, dass sie hier nicht in Frage kommt... Nachdem Adam eine Wirtshausschlägerei nur knapp verhindern kann, indem er den Mob die Pistole vor die Nase hält, kann die Reise endlich weitergehen.

Am nächsten Morgen bei einem Spaziergang haben Nathaniel und Adam endlich Gelegenheit unter vier Augen über die Geschehnisse zu sprechen, aber noch währenddessen bricht in der Ferne die Erde auf und läßt auf weißen Felsen blicken. Natürlich bleiben die beiden den Ereignissen, die sich nun überschlagen, auf der Spur und versuchen herauszufinden, wer oder was dahintersteckt.

Nachdem schon "Caine" mit "Gabriel Burns" verglichen wurde, kann man auch dieser Serie hohe Qualität attestieren: Story und Plot, Atmosphäre und Ambiente, Soundeffekte und Melodien, Stimmen und Dialoge – fast alles passt wie die Faust aufs Auge!

Christian Stark und Harald Halgardt sind das Duo, das die Hauptfiguren spricht. Letzteren erkannte ich als die Stimme von Dougs Vater in "King of Queens", und ganz ähnlich könnt ich mir auch Nathaniel vom Aussehen vorstellen. Sie passt auf jeden Fall zu der älteren Figur des kautzigen Nathaniel, der über eine gewisse Bildung zu verfügen scheint – näheres dazu wird erst im zweiten Teil gelüftet. Bei Christian Stark ist es schon etwas schwieriger, zwar wusste ich ihn schonmal gehört zu haben, aber erst nach Recherche bin ich drauf gekommen, dass es die dänische Krimiserie "Der Adler" gewesen sein dürfte. Er hat allerdings auch schon mal Brad Pitt gesprochen hat. Die Stimme (und auch die Rolle) erinnert etwas an Johnny Depp (beziehungsweise seine Synchronstimme), der ja schon einige Rollen in ähnlichen Ambiente hatte (Sleepy Hollow, From Hell) und passt ebenfalls gut zum neugierigen Weltenbummler. Zudem übernimmt Adam den Part des Erzähler und leitet in Form einer Rückblende von Passage zu Passage über.

Die Rolle des Bösewichts spricht Michael Prelle, der man vielleicht schon als Zaknafein Do’Urden aus den Drizzt-Hörspielen kennt. Hier noch drei Tonlagen finsterer - sofort wenn man ihn zum ersten Mal hört, weiß man, wer in diesem Hörspiel die Rolle des Oberbösewichts und Kontrahenten inne hat. Ebenfalls eine tolle Besetzung!

Die Musik passt ins Ambiente, mal ruhige Streicherklänge, mal bedrohliche, tiefe Streicher, wenn es spannend wird, mal dissonante, plötzlich abbrechende Töne, wenn Gefahr im Verzug ist. Auch Soundeffekte werden reichlich eingesetzt, ohne zu sehr in den Vordergrund zu treten: Hufgeklapper, Türquietschen oder Holzbersten.

Das Layout braucht sich nicht verstecken. Das Cover zeigt ein schwarz-rotes Negativ eines Schlosses, im Inneren kommt noch Weiß dazu und trifft das Flair toll. Ob es ein Portrait des Duos, übrigens von Sabine Weiß, ein Name, der in Rollenspielkreisen nicht ganz unbekannt ist, oder eine Holzkonstruktion aus dem Hörspiel ist: Hier wurde auch in die Optik viel Fingerspitzengefühl gesteckt.

Fazit: Der Auftakt zu einer sehr vielversprechenden Serie, die insbesondere Fans von cthuloiden Horror zu Jubelarien veranlassen düfte. Für mich die Serie des Jahres 2006!




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.