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Funkenschlag
Von Michael Bauland

Rezension erschienen: 17.12.2006, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Friedemann Friese, Verlag: 2F-Spiele, Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 26,00


Wie alle anderen Spiele von Friedemann Friese, beginnt auch Funkenschlag mit einem F, dem Markenzeichen von 2F-Spiele. Ziel dieses Wirtschaftssimulationsspiels ist es, auf einer Landkarte Städte an das eigene Stromnetz anzuschließen und mit Strom zu versorgen.

Auf dem ersten Blick wundert man sich ein wenig über die Verpackung und denkt: "Was ist das denn für ein Spiel?" Die Grafik und die Farbwahl lassen das Spiel recht alt und langweilig erscheinen. So waren jedenfalls die ersten Reaktionen meiner Spielpartner, nachdem ich die Box hervorgeholt hatte. Das Material im Karton ist jedoch von gewohnt guter Qualität. So gibt es Holzhäuser in sechs Farben und die vier Rohstoffarten (Kohle, Öl, Müll und Uran) werden ebenfalls durch unterschiedlich geformt und gefärbte Holzklötze repräsentiert. Neben diesen Steinen gibt es noch ein beidseitig bedrucktes Spielbrett (mit einer Deutschland- und einer USA-Karte), Spielgeld (mit der Währung Elektro) und 43 Kraftwerkskarten. Die Spielregeln sind in Schwarzweiß gehalten, werden jedoch durch einige Grafiken und Beispiele aufgelockert und sind gut zu lesen. Die Kraftwerke besitzen unterschiedliche Zahlen zwischen 3 und 50, die ihrem Startpreis bei der Versteigerung entsprechen. Die Kraftwerke benötigen eine unterschiedliche Anzahl von Rohstoffen und versorgen unterschiedlich viele Städte (niedrige Kraftwerke brauchen zum Beispiel drei Einheiten Kohle um eine Stadt zu versorgen, während höhere Kraftwerke mit einer Rohstoffeinheit bereits fünf Städte versorgen können). Anfangs werden die Kraftwerke 3 bis 10 in zwei Reihen zu je vier Karten ausgelegt und die restlichen werden gemischt. Die obere Reihe (mit 3 bis 6) ist der aktuelle Markt und die untere der zukünftige Markt. Sobald ein Kraftwerk versteigert wurde, wird ein neues aufgedeckt und entsprechend seiner Zahl aufsteigend einsortiert, so dass weiterhin vier Karten oben und vier unten liegen.

Die Spielerreihenfolge für die erste Versteigerung wird ausgelost. Im Folgenden wird in der ersten Phase jeder Spielrunde die Spielerreihenfolge bestimmt, indem der Spieler mit den meisten angeschlossenen Städten erster ist, der Spieler mit den zweit meisten angeschlossenen Städten zweiter und so weiter. In der zweiten Phase werden die ausliegenden Kraftwerke versteigert. Der Startspieler beginnt, wählt eins der oberen vier Kraftwerke aus und nennt sein Gebot (das mindestens der Nummer des Kraftwerks entsprechen muss). Möchte er kein Kraftwerk ersteigern, passt er und scheidet für diese Phase aus. Der zweite Spieler darf stattdessen ein Kraftwerk auswählen, welches versteigert wird. Reihum bietet nun jeder Spieler entweder höher oder passt. Spieler, die ein Kraftwerk ersteigert haben, dürfen ebenfalls wie Spieler die ausgeschieden sind, nicht mehr mitsteigern. Das führt dazu, dass der letzte Spieler sein Kraftwerk zum Mindestgebot preiswert kaufen kann.
In der dritten Phase werden Rohstoffe gekauft. Hier beginnt der schlechteste Spieler, also der, der in der Startreihenfolge hinten ist. Jeder Spieler darf so viele Rohstoffe kaufen, wie er möchte und wie er in seinen Kraftwerken lagern kann. Ein Kraftwerk kann immer die zweifache Menge an Rohstoffen lagern, die es zum Betrieb benötigt.
Die vierte Phase wird in der gleichen Reihenfolge wie die dritte gespielt, das heißt, auch hier fängt der schlechteste Spieler an. Jeder Spieler darf nun weitere Städte anschließen. Hierzu zahlt er die Verbindungskosten zu seiner nächsten Stadt plus die eigentlichen Anschlusskosten.
In der letzten Phase jeder Spielrunde werden die angeschlossenen Städte mit Strom versorgt. Hierzu bestimmt jeder Spieler, wie viele seiner Städte er mit Strom von seinen Kraftwerken versorgen kann oder will. Ebenfalls werden nun einige Verwaltungsarbeiten durchgeführt (das höchste Kraftwerk wird unter den Stapel geschoben, Rohstoffe werden aufgefüllt).
Das Spiel endet, sobald ein Spieler 17 Städte angeschlossen hat. Die Runde wird zu Ende gespielt und der Spieler, der nun die meisten Städte versorgen kann (das ist nicht notwendiger Weise der Spieler mit den meisten angeschlossenen Städten), gewinnt.

Zwei interessante Spielmechanismen sollten an dieser Stelle erwähnt werden. Da ist zum einen der Rohstoffmarkt. Je nach Nachfrage werden die Rohstoffe teurer oder billiger oder sind teilweise auch gar nicht mehr verfügbar. Hierzu gibt es für jede Rohstoffart Felder mit verschiedenen Preisen. Man kauft natürlich den Rohstoff zuerst von den billigsten Plätzen. Ist er dort weg, muss man ihn für mehr Elektro erwerben. Da am Rundenende immer nur eine feste Anzahl Rohstoffe aufgefüllt wird, steigt der Preis, falls mehr gekauft wurden als nachgefüllt werden oder sinkt andernfalls. Der zweite, sehr interessante Mechanismus ist der Markt an Kraftwerken. Zum einen kann man immer sehen, welche Kraftwerke als nächstes angeboten werden, aber dies ist nur bis zu einem gewissen Grad genau, da es vorkommen kann, dass ein sehr niedriges Kraftwerk vom Stapel gezogen wird und sich somit in die obere Reihe drängt und direkt zum Verkauf bereit steht. Auch ist es so, dass die besseren, teureren Kraftwerke anfangs eher unwahrscheinlich zu erwerben sind, später aber wahrscheinlicher werden.

Insgesamt ist Funkenschlag ein sehr gelungenes Wirtschaftssimulationsspiel mit einfachen Regeln. Gerade zu Anfang ist das Geld grundsätzlich knapp und man muss gut wirtschaften. Später geht es vor allem darum, gute Kraftwerke zu ersteigern und die Rohstoffe zu kaufen, die man benötigt. Zu beachten ist ebenfalls, dass man seine Städte strategisch gut platziert, denn da man immer die Verbindungskosten zu einer eigenen Stadt bezahlen muss, wenn man eine neue anschließt, können hierdurch recht hohe Kosten entstehen. Dadurch, dass beim Kaufen der Rohstoffe und Anschließen der Städte immer der schlechteste Spieler beginnt, kommt es so gut wie nie vor, dass ein Spieler weit abgeschlagen ist.
Das Spiel funktioniert am besten mit vier oder fünf Spielern. Zu dritt oder zu sechst geht es auch noch ganz gut, wobei es sich zu sechst doch ziemlich lange hinziehen kann. Zu zweit hat das Spiel einen etwas anderen Charakter, da man sich beim Anschließen der Städte nicht mehr so sehr in die Quere kommt (schließlich kann nach dem ersten Drittel des Spiels jeder in jeder Stadt bauen). Doch auch in dieser Besetzung kann das Spiel viel Spaß machen.
Zwei "kleine" Kritikpunkte gibt es dennoch: Erstens gibt es nur fünf Übersichtskarten, obwohl das Spiel für sechs Spieler ist und zweitens endet das Spiel zu zweit sobald jemand seine 21. Stadt angeschlossen hat, man hat jedoch nur 20 Städte zur Verfügung. Hier hätte man durchaus eine sechste Übersichtskarte und pro Farbe ein Häuschen mehr spendieren können.

Fazit:
Funkenschlag ist ein äußerst gelungenes Spiel, das mit simplen Regeln eine doch komplexe und durchdachte Wirtschaft simuliert. Spieler, die Interesse an Wirtschafts- oder Strategiespiele haben, können beim Kauf des Spiels keinen Fehler machen. Funkenschlag ist auf jeden Fall sein Geld wert.

Mit freundliche Genehmigung von Juleiqua.




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