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Amerika – In Städten und Wäldern
Von André Wiesler

Rezension erschienen: 20.03.2002, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Wolfgang Schiemichen, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 137, Erschienen: 2002, Preis: 23 €


Wenn auf einem Cthulhu Quellenband der Name Wolfgang Schiemichen zu finden ist, darf man das getrost als einen Garant für fundierte Recherche und Authentizität im lovecraftschen Sinne ansehen. Auch diesmal, im Quellenband Amerika – In Städten und Wäldern wird diese Erwartung nicht enttäuscht.
Auch vom Layout her – vom unleserlichen Cover einmal abgesehen – überzeugt das Buch völlig. Es ist übersichtlich und sauber gesetzt. Die Tippfehleranzahl liegt unter einem Wert, der mit Nachdruck zu bemängeln wäre.
Schiemichen überschüttet den Leser förmlich mit Informationen, und damit sei auch gleich auf die einzige erkennbare Schwäche des Werkes hingewiesen: Der Meister des deutschen Schreckens schreibt, wie er leitet. Trocken, eiskalt, hervorragend informiert. Was am Spieltisch für einen Schauer nach dem anderen sorgt, ist in einem Buch manchmal etwas mühselig. Auf den 187 Seiten vermittelt er eine so unglaubliche Masse an Informationen, dass man das Buch zwischenzeitlich beiseite legen und seinem Gehirn eine Pause gönnen muss, bevor man sich die dreißigste NSC-Beschreibung zu Gemüte führen kann. Wie erwähnt sind es hervorragende Beschreibungen, nur in der Masse und in Schiemichens speziellem Stil manchmal etwas dröge.
Zum Inhalt: Das Buch beschäftigt sich vorrangig mit der Ostküste Amerikas in den 20ern, bietet jedoch auch einen kurzen, aber sehr aufschlussreichen Gesamtüberblick über die USA dieser Tage. In diesem Zusammenhang sind vor allem die zahlreichen historischen Beispiele eine Schatztruhe für jeden Spielleiter. Filme, Schlager, Sport, Bücher, Mode und Broadwaystücke werden benannt, was dem Leiter ermöglicht, endlich korrekt entscheiden zu können, welchen Film z.B. sich die Charaktere ansehen. Und engagierte Spielern können sich die Dinge zu Gemüte führen, mit denen sich auch ihre Charaktere gerade die Zeit vertreiben.
Weiter geht es mit einem kurzen Abriss wichtiger Daten von 1920 bis 1930.
Dann wendet sich der Autor New York zu. Von der Ankunft auf einem der zahlreichen Schiffe über Informationen das alltägliche Leben eines New Yorkers betreffend bis zu einer kompletten Sight-Seeing Tour sind ausgearbeitet. Auch zu Chikago und die Provinzen Amerikas werden aufschlussreiche Worte verloren.
Bis hierher hat das Quellenbuch viel von einem anschaulichen Geschichtsrückblick. In den folgenden Abschnitten rückt dann aber der Mythos stärker in den Vordergrund. Arkham, die wohlbekannte Stadt aus den Büchern Lovecrafts, wird ausführlich beschrieben, inklusive herausragender Persönlichkeiten. Selbes, wenn auch in etwas geringerem Maße, gilt für Dunwich. Allein diese beiden Abschnitte bieten dem Spielleiter genug Informationen für unzählige anspruchsvolle Cthulhu-Abende.
Es folgen nützliche Gedanken zu dem Problem der z.T. hohen Charaktersterblichkeit, und wie man trotzdem das Abenteuer nicht aus Mangel an Akteuren abbrechen muss.
Berufe sind Thema des nächsten Kapitels. Fast 40 Seiten widmet Schiemichen dieser umfassenden Übersicht, die für die Spieler ganz neue Konzepte eröffnen wird. Schön auch hier die Beispiele real existierender Personen aus der Zeit. Informationen über weitere historische Persönlichkeiten, die den Charakteren möglicherweise sogar als Berater zur Verfügung stehen können, bietet das Kapitel über Recherchen und Quellen, in dem man auch eine Liste von Publikationsorganen findet.
Verkehrsmittel und die beliebte Ausrüstung (mit einem großen Waffenteil) kommen ebenfalls nicht zu kurz. Hier wird der unbedarfte Leser große Überraschungen erleben, in Bezug darauf, was bereits in den 20ern erfunden war.
Wenn der Leser sich entschließt, auf den Beruf des Privatdetektiv zurückzugreifen, bekommt er auch dafür ausführliche Informationen an die Hand. Ebenso wie er nun einiges über die Gesetze der Zeit und ihre Hüter erfährt. Besonders interessant dabei: die Forensik. Den makaberen Abschluss des Buches bilden Leichenbeschreibungen, zugeordnet zu den verursachenden Mythoswesen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Amerika – In Städten und Wäldern sich nicht immer kurzweilig liest, aber eine vorbildliche Menge an Informationen vermittelt. Es ist eine Fundgrube und Inspiration für jeden Leiter. Darum kann man es trotz des empfindlichen Preises für jeden Chtulhu-Spielleiter uneingeschränkt empfehlen und jedem Spieler wohlwollend anraten.




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