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Imperial
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 02.04.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Walther, Verlag: Eggertspiele GbR, Seiten: , Erschienen: Oktober 2006, Preis: 38,00 Euro


Laut Mac Gerdts, Autor von "Imperial", entstand das Strategiespiel schon in den achtziger Jahren. Es hat also eine lange Geschichte hinter sich, in deren Verlauf das Spiel immer wieder modifiziert wurde - am stärksten für diese endgültige professionelle Publikation. Das merkt man in zweierlei Hinsicht:
Auf der einen Seite ist der Spielmechanismus trotz seiner Komplexität wirklich sehr gut durchdacht. Andererseits zeigen sich bei der professionellen Spielgestaltung (die ja keine 20 Jahre alt ist) kleine Mängel: Die Regionen auf dem Spielfeld sind zum Beispiel, wenn es hoch hergeht, eigentlich etwas zu eng für die Spielsteine. Im Regelheft fallen zudem einige wenige Beispiele zu Einzelregeln durch unnötig komplizierte Erklärungen auf.

Ansonsten erfreut "Imperial" aber durch seine hochwertige, gut gestaltete, durchdachte Ausstattung das Auge. Das gefaltete Spielbrett bietet zum Beispiel auf der einen Seite die deutsche auf der anderen die englische Version der Europakarte. Die übersichtliche Vierfarbspielanleitung liegt zudem in je einem Exemplar auf Englisch und Deutsch vor und wird für beide Versionen sogar noch durch ein weiteres Heft mit Hintergrundinformationen für Interessierte zu den sechs europäischen Großmächten ergänzt. Damit schafft man Spielstimmung. Karten sind auf robuster Pappe, das Geld aus kartoniertem Papier und alle Spielsteine sind aus Holz.

Den Spielmechanismus in allen Feinheiten zu beschreiben würde wegen der Komplexität zu weit führen. Um ein richtig guter Spieler zu werden, braucht man sowieso mehrere Runden als Übung. Jede Runde dauert übrigens zwei bis drei Stunden. Erst danach ist man taktisch so versiert, dass man alle Spieloptionen ausschöpfen kann. Die Alterseignungsangabe erscheint mir da mit "ca. 12 Jahren" doch etwas sehr optimistisch.

Worum geht es inhaltlich? Im Europa zur Zeit des Imperialismus versuchen internationale Investoren (die Spieler), den größten Einfluss zu erlangen. Mit ihren Krediten kontrollieren sie die Politik (Fabrik-, Werftenbau, Flottenbau, Militätaushebung, Krieg, ...) der sechs Großmächte Österreich-Ungarn, Italien, Frankreich, Großbritannien, Russland und Deutsches Reich, die ihnen für die Kredite Zinsen zahlen müssen. Zu Beginn kontrolliert jeder Spieler mindestens (das hängt von der Gesamtzahl der Mitspieler ab) eine Großmacht. Im Verlauf des Spiels können aber Machtverhältnisse schnell kippen. Neue Spielsituationen ergeben sich, beispielsweise durch Bündnisse oder Konflikte.
Das Spielziel ist die Ausdehnung der ökonomischen (Fabriken) und militärischen Macht (mit Steuerchips markierte See- und Landregionen). Dafür gibt es Machtpunkte, von denen man 25 für einen Sieg braucht.

Gut gefallen hat mir die Tatsache, dass Glück eine untergeordnete Rolle spielt - etwa wie bei Schach. Außerdem kann auch ein vermeintlich abgeschlagener Spieler schnell aufholen und vielleicht seine Konkurrenten noch überrunden. Die Dynamik des Spiel lässt das allemal zu.

Fazit: "Imperial" überzeugt durch seinen ausgereiften Spielmechanismus, hohen Wiederspielwert durch zahlreiche taktische Varianten und bietet dazu noch einen historisch-realistischen Hintergrund. Für Freunde des Taktikspiels ist "Imperial" ein guter Griff. Der vermeintlich hohe Preis ist außerdem bei der sehr hochwertigen Ausstattung mehr als angemessen.




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