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Space Dealer
Von Michael Bauland

Rezension erschienen: 18.07.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Tobias Stapelfeldt, Verlag: Eggertspiele GbR, Seiten: , Erschienen: Oktober 2006, Preis: 32,00 Euro


Das Spiel Space Dealer von Tobias Stapelfeldt gehört mit Sicherheit zu den innovativsten Neuerscheinungen auf der Spiel '06 in Essen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Brettspielen handelt es sich bei Space Dealer um ein Echtzeitspiel, das heißt, alle Spieler handeln während der gesamten Spieldauer von genau 30 Minuten gleichzeitig. Um ein heilloses, hektisches Durcheinander zu vermeiden, werden die einzelnen Spielzüge dabei durch Sanduhren (von denen jeder Spieler zwei besitzt) gesteuert: Jede Aktion dauert genau einen Durchlauf einer Sanduhr. Ziel ist es, Waren zu produzieren und Aufträge auszuführen, für die es Siegpunkte gibt.

Öffnet man die Schachtel, die im quadratischen "Siedler-Format" vorliegt, so fällt direkt die große Menge an Spielmaterial ins Auge. Neben den zehn Sanduhren (die im Spiel als Roboter bezeichnet werden) gibt es 138 Holzsteine (88 Siegpunktmarker in acht Farben und 40 Waren in vier Farben), fünf Raumschiffe, vier Planeten, 84 Karten und einige Plättchen, um ein Orbital (eine kreisförmige oder ovale Strecke) zu bauen. Außerdem sind eine deutsche und eine englische Spielregel vorhanden, sowie eine CD mit einem Spielregelvideo und einem 30 Minuten langen Audiotrack. Das Spiel ist grundsätzlich zu dritt oder viert spielbar. Besitzt man zwei Spiele, so kann man diese kombinieren und es können bis zu acht Personen teilnehmen.

Zur Spielvorbereitung erhält jeder Spieler ein Raumschiff und einen Planeten seiner Farbe. In der Tischmitte wird ein Rundkurs (auch Orbital genannt) zusammengebaut, der aus Feldern mit den Spielerplaneten sowie einigen neutralen Planeten besteht. Entlang dieses Orbitals bewegen sich die Schiffe der Spieler. Zusätzlich erhält jeder Spieler zwei Sanduhren und einige Handkarten. Alle Karten stellen Gebäude dar, die ein Spieler bauen kann, um seinen Planeten zu verbessern. Die wichtigsten Gebäude sind Minen, um Waren zu produzieren, und Generatoren, die zur Energieerzeugung dienen. Es gibt noch viele weitere Gebäude, die vor allem in der Profivariante ins Spiel kommen und viele zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.

Gesteuert wird das Spiel mit Hilfe der Sanduhren, die jeweils eine Laufzeit von rund einer Minute haben. Eine freie Sanduhr kann einer beliebigen Aktion zugeordnet werden. Sobald die Sanduhr durchgelaufen ist, darf die entsprechende Aktion ausgeführt werden. Mögliche Aktionen sind: das eigene Raumschiff ein Feld entlang des Orbitals bewegen, ein Gebäude errichten, die Aktion eines Gebäudes ausführen (gewöhnlich die Produktion von Waren), das eigene Technologielevel erhöhen. Die Gebäudekarten sind in drei Technologiestufen eingeteilt. Um bessere Gebäude (wie Minen, die mehrere Waren gleichzeitig erzeugen) zu erhalten, muss man ein höheres Technologielevel haben. Da man zwei Sanduhren besitzt, kann man immer zwei Aktionen gleichzeitig ausführen. Die meisten Gebäudekarten, mit denen man seinen Planeten vergrößert, besitzen neben der eigentlichen Funktion auch eine Nachfrage an Waren. Fliegt ein andere Spieler mit seinem Raumschiff den eigenen Planeten an und hat er die notwendigen Waren geladen, so kann er die Nachfrage erfüllen. Hierfür erhält er eine der Nachfrage entsprechende Anzahl von Siegpunkten. Der Spieler, dessen Nachfrage erfüllt wurde, erhält dafür ebenfalls Siegpunkte, allerdings weniger als der erfüllende Spieler.

Space Dealer mag auf dem ersten Blick als ein sehr hektisches Spiel erscheinen, weil alle Spieler gleichzeitig agieren. Dieser Schein trügt aber. Da jeder nur zwei Sanduhren hat, ist zwischen den Aktionen immer eine kleine "Pause", in der geplant und die Aktionen des Gegners beobachten werden können. Die Verbindung von Sanduhren als Zeitbegrenzer für einen Zug des Spielers ist schon lange bekannt und wird in vielen (insbesondere kreativen) Spielen verwendet. Bei Space Dealer weisen die Sanduhren allerdings nur indirekt diese Funktion auf. Direkt legen sie fest, wie lange es dauert, dass zum Beispiel ein Schiff von einem Planeten zum nächsten fliegt oder wie lange die Produktion von Waren dauert. Dadurch darf jeder Spieler selbst entscheiden, wie lange er noch nachdenkt, nachdem seine Sanduhr abgelaufen ist. Jedoch sollte diese Denkzeit nicht zu lang werden, denn nach exakt 30 Minuten ist das Spiel zu Ende und diese Zeit vergeht meistens schneller als erwartet.

Die Regeln des Spiels sind relativ simpel und die meisten Karten durch die Grafik selbsterklärend. Nach einer kurzen Einführung (bei der das Video auf der CD gute unterstützende Arbeit leisten kann) lässt sich das Spiel flüssig spielen. Die Spielzeit von 30 Minuten wird etwas in die Länge gezogen, da der Spielaufbau und die Vorbereitung einige Zeit in Anspruch nehmen. Allerdings ist in meinen Proberunden das Spiel immer so gut angekommen, dass direkt noch mindestens eine weitere Partie gespielt wurde. Das Spiel eignet sich sicherlich nicht für Leute, die für jeden Zug mehrere Minuten Planung benötigen. Trotzdem ist es durchaus für taktische Spieler geeignet, da zwischen den Aktionen (meistens) genug Zeit zum Planen bleibt. Einziger Kritikpunkt ist die Ungenauigkeit der Sanduhren. Diese variieren leider zwischen 0:57 Minuten und 1:40 Minuten. Dieses Problem soll allerdings nur die erste Auflage des Spiels aufweisen. Ab der zweiten Auflage sollen die Sanduhren angeblich genauer laufen und eine Differenz von maximal fünf Sekunden haben (Anmerkung: dies konnte ich nicht nachprüfen). Eine solch geringe Differenz hätte dann spieltechnisch keine Auswirkungen mehr. Abgesehen von den Sanduhren ist das Material von sehr guter Qualität.

Fazit:
Der sehr innovative Einsatz von Sanduhren verleiht Space Dealer ein bisher nicht da gewesenes Spielgefühl, welches sehr an Echtzeitspiele am Computer erinnert. Dennoch wird das Spiel nicht zu hektisch und man hat ausreichend Zeit, um seine Züge gut zu planen. Die kurze Spielzeit von 30 Minuten und der stimmige Gesamteindruck geben dem Spiel einen hohen Wiederspielreiz. Entsprechende rundenbasierte Aufbauspiele würden sicherlich zwei Stunden in Anspruch nehmen. Space Dealer ist ein Spiel, das man einfach mal ausprobieren muss.




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