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LodlanD Grundregelwerk (Hardcover Neuauflage)
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 28.11.2006, Serie: Rollenspiel, Autor(en): André Wiesler u.a., Verlag: Image 3033 Verlag und Werbeagentur GmbH, Seiten: 241, Erschienen: Oktober 2006, Preis: 36,80 Euro


Für das florierende System LodlanD bringt Image 3033 nun das neu aufgelegte Regelwerk (Version 1.5) heraus. Pünktlich wie immer zum angekündigten Termin.
Diese Rezension gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil werden für den LodlanD-Neuling die Welt und das Regelwerk beschrieben. Ab "Was sich alles geändert hat" werden die Unterschiede zur ersten Version des Grundregelwerkes für erfahrene LodlanD-Spieler herausgearbeitet.


Wir schreiben ein ferne Zukunft. Um die globale Erwärmung aufzuhalten, wurde ein genmanipuliertes Cyanobakterium entwickelt, das das CO2 abbauen sollte. Schon der erste Test in der Atmosphäre lief katastrophal schief. Der Treibhauseffekt wurde mehr als nur aufgehalten. Die Erde stürzte in eine neue Eiszeit. Die einzige Hoffnung für das Überleben der Menschheit: die Flucht in die Tiefen der Meere, wo das Wasser einen warm hält.

Alles in LodlanD spielt unter Wasser. In Unterwasserstädten mit künstlicher Beleuchtung leben, arbeiten und sterben die Bürger der Rats der Länder (RDL). Dieser Rat um die Stadt Lod, nach der auch das Spiel benannt ist, vereinigt in sich mitleiderweile alle bekannten Länder. Dennoch herrscht keine Einheit. Die einzelnen Völker des Rates unterscheiden sich stark voneinander und unter der Oberfläche brodeln einige alte Fehden.

Der Hintergrund bildet den Schwerpunkt des Regelwerks. Die Welt und ihre Völker sind trotz der ungewöhnlichen Umgebung glaubhaft und stilvoll beschrieben. Dabei wurde darauf geachtet, dass man sich möglichst schnell in die Welt hineinversetzen kann. So findet sich bei jedem Volk eine aus der Egoperspektive geschriebene Haltung zur eigenen Gruppe und zu den anderen Völkern. In der umfassenden Beschreibung Lods findet man oft den Eintrag "Stimmung", in dem kurz zusammengefasst wird, wie der geschilderte Bereich auf die Charaktere wirkt.

Komplettiert wird der Hintergrund durch eine Auflistung der Feinde des RDL, die Darstellung der verbreiteten Konzerne, ein eigenes Strategiespiel namens Strataqua und eine Beschreibung einiger häufiger Schiffstypen. Auch der typische Seefahrerjargon wird erklärt - dabei für echte Landratten auch Wörter wie Bug und Heck. Die Schiffe sind auf farbigen Abbildungen in der Mitte des Buches zu sehen, die stimmig, übersichtlich und hilfreich sind. Leider werden nur die Grundregeln für Schiffe erklärt. Die weiterführenden Regeln sind in "Im Tiefenrausch - Schiffe und Piraten" nachzulesen. Das ist sinnvoll und wäre auch nicht so schlimm, wenn nicht so oft auf dieses Quellenbuch verwiesen würde, was durch den langen Namen besonders penetrant wirkt.

Zu einem wichtigen Abschnitt gibt es auch immer eine Kurzgeschichte über das entsprechende Thema. Diese Geschichte sind durchweg stimmig und gehen von komischen Geschichten bis zu tragischen und mysteriösen. Eine nette Idee auf jeden Fall.

Die Macher waren beim Hintergrund besonders darauf bedacht, stimmig zu sein. Deshalb haben sie sich einige wissenschaftliche Berater zugelegt, mit deren Hilfe eine glaubwürdige Weiterentwicklung der heutigen Technik sowie eine realistische Beschreibung der Unterwasserwelt geschaffen werden sollten. Eine erfreuliche Idee.
Für zwei Elemente des Hintergrunds wurden die realistischen Überlegung aber offenbar bewusst umgangen, weil sie für die Stimmung und die Spielwelt unerlässlich sind. So haben einige Menschen der Zukunft PSI-Fähigkeiten entwickelt, was das Spiel interessanter macht, aber wohl sehr fragwürdig ist.
Der gröbste "Unfug" ist leider auch der notwendigste. Gentechnisch erzeugte Bakterien werden ganz sicher nicht einfach mal testweise in die Atmosphäre gejagt, sondern in Umgebungssimulatoren auf ihr Verhalten in der Atmosphäre getestet. Das ist nicht nur viel sicherer, es ist vor allem deutlich billiger. Außerdem könnte ein radikaler Abfall der CO2-Menge in der Atmosphäre mit Hilfe anderer Treibhausgase wie Methan aufgefangen werden, das ein etwas zwanzigmal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid ist. Diese leicht abstruse Annahme verzeiht man aber gerne, weil es das Spiel in einem so schön entwickelten Hintergrund ermöglicht.

Zu den farbigen Seiten gehört neben den Archetypen auch eine Farbkarte, die das Gebiet des RDL zeigt. Durch verschiedenen Farben werden die verschieden Tiefen des Meeresgrundes dargestellt. Die Detailkarten zu den einzelnen Gebieten sind leider in schwarzweiß. Das wäre nicht so schlimm, wenn hier die verschiedenen Wassertiefen durch einen Verlauf von schwarz nach weiß gekennzeichnet wären - also dass schwarz die sehr tiefen und immer heller werdend jeweils höher liegende Gefilde darstellt werden. Dem ist leider nicht so. Die Farbkarte wurde einfach nur in Grautöne umgewandelt. Dadurch sind die Detailkarten ein chaotisches Grau-in-Grau, so dass man etwas länger braucht, um sich zurecht zu finden.

Eine besondere Idee bei LodlanD sind die sogenannten "weißen Flecken". Das sind Personen oder Gebiete, die von den Autoren niemals weiter beschrieben werden. So kann der Spielleiter sich hier nach Belieben austoben, ohne fürchten zu müssen, dass das nächste Quellenbuch seinen Ideen widerspricht. Das einzige, was hier fehlt, ist eine Auflistung aller weißen Flecken. Eine solche wäre im Anhang sehr hilfreich für den Spielleiter, wenn er improvisieren muss.

Ebenfalls besonders bei LodlanD ist das Onlineangebot. Auf der Seite http://www.lodland.de findet sich alles, was der LodlanD-Spieler braucht. Für den Spielleiter gibt es noch eine Seriennummer in jedem Regelwerk, mit der man sich auf der Seite als Spielleiter anmelden kann. Spielleitern stehen Abenteuer, Programme und weitere nützliche Sachen zur Verfügung, von denen Spielern nichts erfahren sollten, wenn sie sich nicht den Spaß verderben wollen.
Die auf der Seite veröffentlichten Abenteuer sind vor allem deshalb wichtig, weil LodlanD bisher nur innerhalb von Quellenbänden Abenteuer veröffentlicht hat. Kaufabenteuer sind noch nicht erschienen und auch nicht angekündigt.

Um den Einstieg in LodlanD zu erleichtern, wird das kurze Abenteuer "Kein Platz für Geheimnisse" geboten. Das Abenteuer kann und sollte mit vorgefertigten Charakteren gespielt werden, so dass eine lange Erstellphase am Anfang entfällt. Das Abenteuer ist gut für den Einstieg geeignet und liefert auch dem unerfahrenen Spielleiter einige Tipps und Einsichten zum Spiel.

Das Regelwerk von LodlanD ist auf maximalen Minimalismus ausgelegt. Es arbeitet mit einem Prozentsystem ähnlich wie Cthulhu. Das Regelwerk an und für sich ist solide, einfach und nichts Besonderes. Erwähnenswert ist das Erfahrungssystem. Mit normaler Erfahrung dürfen nur Fertigkeiten gesteigert werden, für die der Spielleiter vorher Marker vergeben hat. So kann man nur in etwas besser werden, was man auch tatsächlich geübt hat. Weiterhin gibt es für gutes Rollenspiel X-Punkte, die es einem Charakter ermöglichen besondere Aktionen auszuführen oder großes Glück zu haben, und Teampunkte, die gemeinsame Aktionen deutlich erleichtern können.
Das Regelwerk ist praktischer Weise sehr stark vom Hintergrund getrennt. Wer will, kann also auch mit jedem anderen System LodlanD erleben.

Fazit für Neulinge:
LodlanD bietet eine schöne, stimmige Zukunftswelt. Wer sich für dieses Genre interessiert, wird an LodlanD seine helle Freude haben. Einige Schnitzer des kleinen, jungen Verlages lassen sich schon deshalb leicht verschmerzen, weil sich Image 3033 bisher immer an seine Veröffentlichungstermine gehalten hat. Eine solche Moral wäre bei anderen Verlagen durchaus wünschenswert.


Was sich alles geändert hat:
Erfreulich wenig. Der Hintergrund wurde nicht verändert und so bleiben alle Quellenbücher voll kompatibel.
Die Errata zur Version 1.0 wurde eingearbeitet. Einige kleinere Fehler wurden trotzdem übersehen, aber das fällt kaum ins Gewicht.
Viele Bilder sind neu und die Schiffdarstellungen sind jetzt farbig.
Das neue Regelwerk hat einen festen Einband, der nun auch im Standarddesign der Lodlandprodukte gehalten ist. Ob einem das Design gefällt, ist Geschmackssache (ich persönlich finde die farbige Flüssigkeitssäule ziemlich hässlich), aber das gebundene Werk hat natürlich eine viel längere Lebensdauer als die erste Version.

Fazit für alte LodlanDhasen:
Man braucht das neue Regelwerk nicht, um weiterhin LodlanD zu spielen. Jedem, der das Geld über hat, würde ich es dennoch empfehlen, schon wegen des festen Einbands. Und da man dann ja zwei Regelwerke hat, kann man das erste als Nachschlagwerk an die Spieler geben. (Die verdienen die schöne neue Version eh nicht. ;-) )




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