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Sport ist Mord
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 10.01.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Henning Poehl, Verlag: SPHINX Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 13,90 Euro


Sport ist Mord stammt aus dem kleinen Sphinx-Spieleverlag, kann jedoch vom äußeren Eindruck her mit jedem Produkt eines größeren Verlags mithalten.
Beim Öffnen der extrem stabilen Schachtel setzt sich der positive Eindruck fort: 110 Karten (96 Trainings-, zehn Übersichts- und vier Sonder-Karten), 60 Würfel und 12 Plastikchips füllen zusammen mit der Regel die Schachtel komplett aus.

Bei diesem "strategischen Würfel-Kartenspiel für 3-6 (un)sportliche Spieler" geht es darum, in acht verschiedenen Sportarten möglichst fit zu werden. Das geht natürlich nur durch Training.
Trainiert wird, indem man einen Würfel an einen oder mehrere der acht verdeckt liegenden Trainings-Stapel legt, die jeweils einer Sportart entsprechen. Jeder Spieler ist dabei pro Runde genau einmal dran; es ist also von Vorteil, wenn man als Letzter seine Würfel auslegen darf, da man sich die momentan günstigsten Sportarten aussuchen darf. Nach dem Ablegen der Würfel geht es nämlich darum festzustellen, wer wie erfolgreich trainiert hat. Dazu wird für jeden Spieler eine Karte aufgedeckt. Diese Karten zeigen entweder Trainingserfolge oder mehr oder minder schwere Unfälle, die man eventuell erleidet. Die beteiligten Spieler müssen sich nun einigen, wer welche Karte bekommt; gelingt dies nicht, so würfeln die Spieler mit den ihnen verbliebenen Würfeln gegeneinander. Der Sieger darf danach als Erster wählen.
Einen aufgedeckten Unfall erleidet man übrigens immer dann, wenn das ermittelte Unfallrisiko den Wert der Unfallkarte erreicht oder überschreitet (je härter man trainiert, desto schneller ist eben auch ein Missgeschick passiert). Nach einem Unfall verliert man für eine gewisse Zeit einen Würfel, so dass man weniger Chancen hat, die Karten zu bekommen, die man haben möchte.
Wenn man in einerSportart trainiert, so muss man das Training in der nächsten Runde aufrecht erhalten, da man sonst die gerade erworbene Karte gleich wieder verliert. Je mehr Karten man aber bereits hat, desto höher müssen auch die Werte der Trainingswürfel steigen, wenn man weitere Karten bekommen will; dadurch steigert sich aber auch das Verletzungsrisiko, bis hin zum möglichen Tod.
Sobald ein Spieler in einer Sportart einen tödlichen Unfall erlitten hat, wird der entsprechende Stapel geschlossen (das heißt, niemand kann mehr in dieser Sportart trainieren), und der Verunfallte verliert einen seiner Würfel. Wer also zu oft tödliche Unfälle erleidet, der wird bald Probleme mit den freien Würfeln haben, die er braucht, um die besten Karten zu ergattern.
Letztendlich kann man sich mit den Dopingchips noch dopen, wodurch die Chancen auf erfolgreiches Training steigen, aber auch das Verletzungsrisiko; neue Chips bekommt man dabei über eine der beiden Trainer-Karten, die am Anfang der Runde verteilt werden.
Das Spiel endet passenderweise, wenn in jeder Sportart ein tödlicher Unfall passiert ist, also alle Stapel geschlossen sind. Danach gewinnt der Spieler, der die meisten Punkte erzielt hat; dafür wird die Gesamtzahl der erworbenen Trainings-Karten mit der größten Anzahl an Karten in einer einzigen Sportart multipliziert.

Sport ist Mord ist ein pfiffiges, aber auch bösartiges Spiel, das mit interessanten, stimmigen und gut ausbalancierten Mechanismen zu begeistern versteht. Man steckt praktisch immer in der Zwickmühle, für welche Sportart man sich entscheiden und wie hoch man sein Verletzungsrisiko treiben soll, um noch mehr Karten zu bekommen. Auch der Modus der Abschluss-Wertung ist geschickt gewählt, denn selbst die letzten Karten des Spiels können das eigentlich klar geglaubte Ergebnis noch auf den Kopf stellen.

Wie bereits erwähnt, sind die Grafiken und die Kartengestaltung sehr gelungen; wenn überhaupt etwas zu bemängeln ist, dann die Tatsache, dass auf der Vorderseite der Trainings-Karten noch einmal das Symbol der Sportart stehen sollte, welches man auf der Rückseite der Stapel sehen kann (man gewöhnt sich zwar recht schnell an die richtigen Symbole, aber es wäre trotzdem hilfreich).

Leider muss der potenzielle Spieler aber eine enorme Hürde überwinden, bevor er sich dem Spiel widmen kann: die Anleitung.
Auf den ersten Blick ist sie sauber strukturiert, leider werden aber immer wieder Begriffe verwendet, bevor man erfährt, was sie bedeuten. So wird beispielsweise immer von "offenen" und "geschlossenen" Sportarten gesprochen, doch erst kurz vor Ende wird erklärt, was damit gemeint ist. Hier würde ein Glossar sicherlich helfen.
Auch sind einige Regelpassagen unnötig kompliziert formuliert oder wiederholen sich unnötigerweise, so dass man beim Durchlesen immer wieder darüber stolpert. Beim ersten Probespiel waren die Mitspieler nach über einer halben Stunde Regelstudium mit vielen Unklarheiten sogar fast schon so weit, das Spiel ungespielt aufzugeben.

Glücklicherweise - so der einhellige Tenor nach dem Spiel - haben wir uns aber trotzdem in eine etwas holprige erste Runde gewagt, und am Ende des Spiels waren alle Mitspieler positiv überrascht, wie gut das Spiel dann doch war! Von daher wäre mein Ratschlag: erst einen Spieler die Regeln studieren lassen und nach dem Erklären kurz anspielen, um zu verstehen, wie einzelne Mechanismen ineinander greifen, dann in die eigentliche erste Runde starten. Der Lohn der Mühe ist ein ausgesprochen empfehlenswertes Spiel, das für manche sogar Kult-Charakter entwickeln könnte!




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