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Tod und andere Unannehmlichkeiten
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 25.11.2006, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Martin Lindner, Verlag: Redaktion Phantastik GbR, Seiten: 56, Erschienen: 2006, Preis: 12,95 Euro


Private Eye ist ein deutsches Fan-Rollenspiel mit mittlerweile mehr als 15 Jahren auf dem Buckel. Es dreht sich um Detektivgeschichten im viktorianischen England um 1890, also ganz wie das große Vorbild Sherlock Holmes. Da das Regelwerk zugleich eine gute Beschreibung von London enthält und Mythos-Investigatoren auch gern mal einen "normalen" Fall lösen, war das Regelwerk auch unter Cthulhu-Spielern sehr beliebt.

Die Redaktion Phantastik hat sich der Neuauflage dieses Rollenspiels samt seiner Abenteuer angenommen. Bei Tod und andere Unannehmlichkeiten handelt es sich um ein komplett neu geschriebenes Abenteuer von Martin Lindner.

In bester Sherlock Holmes-Manier erhalten die Spieler-Detektive einen dringlichen Brief, in dem sie der "Mogul von Rio", der zweitreichster Diamantenhändler, um Hilfe bittet - sein Leben wird bedroht. Als die Charaktere jedoch eintreffen, wurde Morton Chiswick schon ermordet im Garten gefunden und den Detektiven bleibt nichts anderes übrig, als dabei mitzuhelfen, die Spuren zu sichern und die Zeugen auszuquetschen. Schon bald stoßen sie auf einige Ungereimtheiten in den Aussagen der Zeugen, die auf Entwirrung durch die SC warten.

Handlungsort ist die traditionsreiche Insel Lindisfarne, welche zwischen Newcastle und Edinburgh vor Englands Küste liegt und schon zahlreiche Heilige hervorbrachte. Schließlich spielte sie bei Englands Christianisierung eine bedeutende Rolle, bevor sie wieder und wieder von den Wikingern geplündert wurde. Heute lebt eine eher eingeschworene, abgeschottete Inselgemeinde hier mit nur wenigen Zugezogenen. Zwar sind die Bewohner auf den Tourismus angewiesen, Fremden stehen sie aber doch eher misstrauisch gegenüberstehen. Kurzum: Genau der richtige Schauplatz für ein Detektivspiel.

Autor Martin Lindner gelingt hier ein verzwickter aber lösbarer Fall und er schafft es, dem Spielleiter alle nötigen Informationen geordnet an die Hand zu geben. Hierzu hat sicherlich auch die Neuauflage beigetragen, die mit vielen Neuerungen aufwartet. Die Aufteilung zwischen Vorgeschichte und Tathergang, Abenteuerauftakt, dem Schauplatz Lindisfarne, den beteiligten Personen, dem Haus der Chiswicks, der eigentlichen Handlung und einer Übersicht hat sich bewährt. Zwar entstehen beim Lesen manchmal ein Fragezeichen wie zum Beispiel eine bestimmte Person in die Handlung integriert ist, die man erst viel später entdeckt. Aber nach dem kompletten Lesen wird der Fall schlüssig und klar, wer welche Rolle spielt und was welche Bedeutung hat. Dabei hilft auch der Überblick, der alle Handouts, ein Verzeichnis der Beweise, alle NSC mit Aussagen und Alibis enthält, was den Spielleiter sehr entlastet, da alles auf einigen Seiten geordnet ist und nicht im Abenteuer gesucht werden muss.

Erfrischend ist, das dieses Abenteuer vollkommen wertefrei ist und daher nicht nur mit Private Eye, sondern problemlos mit Cthulhu, Midgard 1880 und Konsorten umzusetzen ist. Die vermeintlich fehlenden Werte vermisst man auch an keiner Stelle.

Das Coverlayout ist beeindruckend. Kein Wunder: War die Originalauflage noch schwarz-weiß auf Hochglanzpappe produziert, hat sich nun Manfred Escher dem Coverlayout angenommen, der sich dafür auch bei Cthulhu verantwortlich zeichnet. Innen gibt es nun reichlich passende Bilder, allerdings manchmal etwas schlecht gesetzt oder etwas pixelig. So teilen die Flügel einer Möwe den Text innerhalb des zweispaltigen Layouts nochmal in insgesamt vier Spalten, was das Lesen etwas schwierig macht, wenn "da-ge-gen" dreigeteilt ist und links und rechts steht. Abgesehen von diesen Kleinigkeiten ist es aber insgesamt eine deutliche Aufwertung des Originals.

Das Kartenmaterial reicht von exzellent bis mäßig. Ich greife hier mal die besten und schlechtesten Beispiele heraus: Das Haus und Anwesen der Chedwicks sind drei Aufrisszeichnungen, die zugleich die Möbelierung der Zimmer zeigt. Sieht gut aus, hilft bei der schnellen Orientierungund schafft zugleich Atmosphäre. Die ganzseitige Englandkarte in hellgrau–dunkelgrau (Wasser / Land) ist pixelig, wenig kontrastreich und enthält gerade mal sechs Orte, sprich hier hätte eine Viertelseite in schwarz-weiß nicht nur gereicht, sondern auch besser gewirkt.

Fazit: Eine gelungenes Abenteuers zu einem System, welches jedem Sherlock Holmes- und Miss Marple-Fan das Wasser im Mund zusammenlaufen läßt. Der Fall ist gut aufgebaut und in sich schlüssig und logisch, aber auch lösbar. Dazu ein atmosphärischer Schauplatz, der nicht unbedingt zum Verweilen einläd...




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