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Draculas Gast
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 31.10.2006, Serie: Auditorium, Autor(en): Bram Stoker, Verlag: Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Seiten: , Erschienen: 2005, Preis: 17,99


Drei Geschichten befinden sich auf den beiden CDs, alle aus der Feder Bram Stokers.

"Draculas Gast" sollte eigentlich ein Teil Stokers berühmten Romans um den transsylvanischen Blutsauger werden, wurde allerdings außen vor gelassen. Die Geschichte beschreibt einen Teil der Reise des Gastes und seine ersten Erfahrungen mit den übernatürlichen Wesen, welche ihn im Roman noch weiter "belästigen" sollen. Anfangs lässt sich die Erzählung recht lahm an, wird aber zusehends interessanter und pointiert am Ende hervorragend. Sie hätte den Roman zweifelsohne aufgewertet, ist einzeln aber eher nur für jene interessant, welche den Roman beziehungsweise den Film auch kennen.

Im verhassten Haus eines Richters kommt ein Student unter, um ein wenig Ruhe zu finden und sich seinem bevorstehenden Mathematik-Examen zu widmen. Da kommt ihm die Abgelegenheit des kleinen Städtchens und seiner abergläubischer Bewohner gelegen. Doch fern seiner Algorithmen findet sich der Protagonist schnell mit viel schlimmeren Schrecken konfrontiert, als er des Nachts das Trappeln von Ratten vernimmt. Ein besonders großes Exemplar läuft schließlich sogar am Klingelseil in seinem Zimmer herab und lässt sich nur durch eine geworfene Bibel vertrieben. Andere Werke hatte zuvor ihre Wirkung verfehlt. Das Seil, so stellt sich später heraus, war jenes verhängnisvolle Werkzeug des Henkers, welcher die harten Urteile des rachsüchtigen Richters vollstreckte, der hier einst residierte. Ein Hauch von Lovecrafts "Ratten im Gemäuer" weht durch diese Schauergeschichte um Aberglauben und dessen Wahrheiten.

Die Squaw war einst Opfer grausamer Kolonialamerikaner, die mit Indianern wie mit Tieren umgingen. Ein Bruder im Geiste dieser Amerikaner trifft auf den Protagonisten, welcher mit seiner Frau auf Flitterwochen im schönen Nürnberg weilt. Als der Amerikaner sich einen Scherz mit zwei spielenden Katzen erlauben will, trifft sein Stein das Katzenjunge am Kopf und tötet es, was die andere Katze zur Weisglut treibt, so dass sie die drei nun unablässig verfolgt. Der Weg führt die Gruppe in den Folterturm, wo es sich der Amerikaner nicht nehmen lässt, sich gut verschnürt in die Eiserne Jungfrau zu begeben. Doch wie einst die Squaw sucht auch die Katzenmutter blutige Rache. So recht kann der Leser sowieso keine Sympathie für den Amerikaner mit Südstaatenmentalität aufbauen. Als Franke begeistert mich diese Geschichte in Nürnberg besonders, da Stoker beschreibt, wie gut erhalten die Nürnberger Altstadt ist, gut ein halbes Jahrhundert vor ihrer fast vollständigen Zerstörung.

Fazit: Fans des Dracula-Romans werden die erste Geschichte lieben, die zweite spricht eher die Poe-Fans an, auch wenn sie an eine von H.P. Lovecrafts Geschichten erinnert (welche jedoch später geschrieben wurde), die dritte überzeugt durch das vorhersehbare und zugegebenermaßen vom Leser erwünschte Ende, das sich schleichend und unaufhaltsam nähert. Somit liegt uns hier eine gelungene und von Lutz Riedel hervorragend vorgetragene Geschichtensammlung vor, welche sich in das außergewöhnliche Repertoire von LPL Records sehr gut einfügt.




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