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Der dritte Sohn
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 13.10.2006, Serie: Auditorium, Autor(en): R.A. Salvatore, Verlag: LAUSCH - Phantastische Hörspiele, Seiten: /, Erschienen: 2006, Preis: 9,95


Eine Vertonung eines Rollenspiels als Hörspiel war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit angesichts des neuen Hörspieltrends. So ist es der Lauschverlag, der erst Anfang 2006 gegründet wurde, aber schon drei vielversprechende Serien am Start hat, der sich der Vertonung der Vergessenen Reiche annimmt. Angekündigt sind die ersten drei Bände von R.A. Salvatores erfolgreicher Romanserie Die Saga vom Dunkelfen und "Der dritte Sohn" macht den Anfang.

Drizzt Do’Urden wird als dritter Sohn der zehnten Familie der Dunkelelfenstadt Menzoberranzan geboren und sollte eigentlich gleich der dunklen Spinnengöttin Lolth geopfert werden. Aber zu seinem Glück – soweit man von Glück sprechen kann, wenn man in die dunkle Unterwelt der Drow hineingeboren wird – fällt sein zweitgeborener Bruder durch Verrat. Ein Opfer für Lolth genügt, um sie gnädig zu stimmen in der Schlacht gegen das sechste Haus Hun’ett, welches fast komplett ausgelöscht wird. Nur ein Lehrling auf der Magierakademie Sorcere kann dem Familienmord entkommen, indem sein Meister getötet wird und er seinen Platz einnimmt, unter dem Verlust seines Gesichts – den sein Meister heißt dank eines Säureunglücks nicht umsonst der Gesichtslose. Jedoch kann er nicht in Erfahrung bringen, wer seine Familie dahingeschlachtet hat und muss wie eine Spinne in ihrem Versteck auf Hinweise und seine Rache lauern.

Dem Hörer werden Einblicke in die Jugend Drizzts oder genauer bedeutende Augenblicke der Jugend gewährt, beispielsweise als die Frauen, Dunkelelfen sind schließlich in einem Matriachat organisiert, über seine Zukunft entscheiden. Eigentlich wollen ihn die Klerikerinnen zu einem Magier ausbilden lassen, aber der Waffenmeister Zaknafein weist auf seine Beidhändigkeit hin, eine Eigenschaft, die ihn zu einem überlegenden Krieger machen würde. So ist es dann an Zaknafein, Drizzts erste Schritte als dunkelelfischer Krieger zu begleiten. Auch wenn er viele Dunkelelfen – und Dunkelelfinnen – auf seinem Gewissen hat, ist das keineswegs ein Zeichen seiner grenzenlosen Loyalität und dem Glauben an das System der Drow. Er hat zwar Respekt vor dem Frauen seines Hauses, nimmt es aber nicht als lolthgegeben an, genauso wie ihm Begriffe wie Tapferkeit und Ehre etwas bedeuten, wie er auch den Brudermord – den er auch schon oft genug ausführen musste – verachtet. So wird Drizzt etwas anders geprägt als viele tausend andere Jungdrow.

Die Umsetzung als Hörspiel ist insgesamt grandios gelungen, nur kleinere Kritikpunkte bleiben zurück. Fangen wir mit der Hauptstimme an: Mit Tobias Meister wurde eine bekannte Hollywoodstimme engagiert, die der Hörer als Synchronstimme von Brad Pitt, Sean Penn und Kiefer Sutherland kennt. Insbesondere als Jack Bauer von "24" ist sie mir im Gedächtnis geblieben. Die Befürchtung, ständig daran erinnert zu werden, bewahrheitet sich aber nicht. Erstens passt die Stimme recht gut zu dem Dunkelelfen, zum anderen taucht man durch Musik, Stimmung und Effekte so tief ein, dass man sich sogleich im Unterreich wiederfindet und nicht etwa im Hauptquartier der CTU. Die anderen Stimmen sind gut gewählt, passen zum Umfeld. Besonders die krächzige Stimme von Briza, der ersten Tochter der Mutter Oberin, tut sich noch hervor ebenso wie Zaknafeins ausgeglichene, von Erfahrung geprägte Stimme. Die Sounds sind mir manchmal etwas zu schrill und schnell, ich könnte mir gut tiefe, langsame Töne für die langen, dunklen, lichtlosen Gänge und Katakomben des Unterreichs vorstellen. Aber auch diese Umsetzung passt zu den verschlagenen, flinken Dunkelelfen.

Zur Story von R.A. Salvatore muss man an sich nicht viel sagen. Auf der Figur des Dunkelelfen Drizzt beruht seine Bekanntheit. Die ersten sechs Teile, die allerdings nicht als erste geschrieben wurden, sind auch inhaltlich die besten. Während es in späteren Bänden zu Kämpfen en masse kommt, findet sich hier auch ein erster Einblick in die schillernde Welt Menzoberranzans, die intrigante, verschlagene Welt der Drow, ebenso wie Raum für die Entfaltung von Charakteren. Insgesamt bleiben seine Romane eher simpel gestrickt, aber gerade dies lässt sich hervorragend als Hörspiel umsetzen.

Die Aufmachung ist sehr gelungen, das Cover im Stil der bei Panini erscheinden Comics nachempunden (ebenfalls im September), ein Schnitt auf Drizzts Gesicht. Die stimmungsvollen Innenillustrationen stammen von Todd Lockwood und Joel Thomas, einmal ein Streit unter Dunkelelfen und einmal das beleuchtete Menzoberranzan. In der Mitte des achtseitigen Booklets finden sich eine Karte der Stadt und eine Übersicht über die Familie Do’Urden. Für neue Hörer sicherlich eine gute Orientierung.

Normalerweise nicht erwähnenswert ist die beiliegende Werbung, ich will es hier aber machen, weil es eine gemeinsame Werbung von Feder & Schwert (Rollenspiel), Panini (Comics), Wizards (DnD-Miniaturen), Atari (Computerspiele) und Lausch (Hörspiele) ist, so dass letztlich vielleicht auch die Rollenspielgemeinde von neuen Hörern profitiert. Sehr löblich!

Am 20. Oktober, pünktlich zur Messe Essen, soll der zweite Teil, am 3. November dann der dritte erscheinen.

Fazit: Auch die vierte Serie im Lauschverlag ist gelungen und endlich, endlich existiert eine Rollenspieladaption im Hörspielbereich, der ja gerade wieder richtig angesagt ist. Und so wird vielleicht schon bald eine Schar neuer, begeisterungsfähiger Spieler nicht nur mit den Ohren in die fantastische Welt der Vergessenen Reiche eintauchen wollen. Wenn sie weiterhin derart gelungen umgesetzt werden, darf man sich auf weitere Teile freuen!




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