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Die Mächte des Feuers
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 19.10.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Markus Heitz, Verlag: Piper Verlag GmbH, Seiten: 576, Erschienen: 2006, Preis: 16,90 Euro

Die Mächte des Feuers spielt 1925, allerdings in einer Parallelwelt. In dieser kämpft die Menschheit seit jeher gegen Drachen, den in Fantasy-Kreisen beliebten feuerspeienden Flugechsen. Dafür haben manche Ereignisse der realen Welt nie stattgefunden: Lenin starb, bevor er das Zarentum stürzen konnte, der Erste Weltkrieg ging mit einem Sieg für das Deutsche Reich aus, veränderte die politische Landkarte jedoch kaum. Aber weltbewegend ist eigentlich nicht die politische Entwicklung, sondern der allgemeine Kampf gegen die Drachen. Ein kirchlicher Orden hat sich dieser Aufgabe angenommen und verfolgt sie inzwischen mit modernsten Mitteln, etwa lanzenbewehrten Doppeldecker-Flugzeugen.

Zentrale Figur des Romans von Fantasy-Shootingstar Markus Heitz ist Silena, die beste Pilotin unter den Kirchenkriegern und Nachfahrin des Heiligen Georg. Sie sieht sich mit einer Mordserie konfrontiert, der einige der besten Drachenjäger zum Opfer fallen. Auf der Suche nach den Schuldigen gerät sie in Kontakt mit reichlich merkwürdigen Gestalten, darunter der rasputinhafte russische Fürst Grigorij, der typisch britische Versicherungsvertreter Onslow Skelton und die französische Spiritistin Arsènie. Schnell stellt sich heraus, dass die Drachen und noch einige andere Gruppen auf der Suche nach einem alten Artefakt sind, das wahrhaft welterschütternde Effekte nach sich ziehen könnte. Doch die Reihen der Drachen sind keinesfalls geschlossen. Kurze Rückblenden zeigendie Verhandlungen zwischen den mächtigsten Vertretern dieser Art und zeigen nebenbei, wie sehr sie die Entwicklung der Menschen aus dem Verborgenen heraus bestimmen. Verrat und Intrigen spielen sich sowohl unter ihnen als auch unter den Menschen ab. Unterdessen rüsten sich alles für einen großen Umbruch und versuchen dabei für sich selbst möglichst viel Macht zu erringen. Und so beginnt eine atemlose Jagd quer durch Europa, in deren Verlauf unter anderem Edinburgh zu Asche verbrannt wird. Schließlich tritt noch eine weitere, bislang unbekannte Machtgruppe auf, und es kommt zu einer wahrhaft epischen Endschlacht, in der zuvor ungeahnte Bündnisse geschmiedet werden.

Die große Stärke des Romans ist das vollendet gelungene Verschmelzen des klassischen Drachenmotivs mit der Stimmung der "Roaring Twenties" mit Charleston, technischem Fortschritt und spiritistischen Sitzungen. Das alles wird in eine spannende und flüssig geschriebene Verfolgungsjagd verpackt. Hier und da wird die Action vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen. Etwas weniger grell hätte es schon sein dürfen. Das gilt auch für die menschlichen Charaktere, die etwas stimmiger konstruiert sein könnten. So will beispielsweise die fast schon naturwissenschaftliche Herangehensweise der Drachentöter an die Jagd für einen kirchlichen Orden nicht ganz einleuchten. Meisterhaft sind dagegen die verschlagenen und misstrauischen Drachen herausgearbeitet, die dem Leser eigentlich viel sympathischer werden als die Menschen.

Fazit: Ein hervorragender Fantasy-Schmöker mit einem ungewöhnlichen Welten-Entwurf, hier und da vielleicht ein wenig zu überdreht, aber durchaus lesenswert. Einige offene Enden in der Handlung lassen auf eine Fortsetzung hoffen.




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