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Das geheime Land
Von Mira Sauerbier

Rezension erschienen: 31.01.2007, Serie: Belletristik, Autor(en): Lisa Tuttle, Verlag: Piper Verlag GmbH, Seiten: 400, Erschienen: 2006, Preis: 19,90 Euro


"Das geheime Land" (Originaltitel "Mysteries") ist eine Gratwanderung zwischen unserer Realität und der mythologischen Paralelwelt der Sagen und Legenden Schottlands.

Diese Detektivgeschichte von Lisa Tuttle profitiert lesbar davon, dass die Autorin seit den achtziger Jahren in Schottland lebt und arbeitet. Sie lässt auf wunderbare Weise die mystische Seite dieses Landes in ihre Vermisstenfälle einfließen und lockt den Leser so aus seinen logischen und realistischen Schlussfolgerungen auf eine Fährte in die Anderswelt.

Die Hauptperson dieses mystischen Thrillers ist der Privatdetektiv Ian Kennedy. Die Motivation für seine Arbeit als Detektiv sind seine eigenen schmerzhaften Erfahrungen mit dem Verlust geliebter Menschen durch ihr plötzliches Verschwinden. Das erste Kapitel erzählt von Ians seltsamster Kindheitserinnerung, als er mit neun Jahren das plötzliche Verschwinden seines Vaters verkraften musste. Zwanzig Jahre später verschwindet dann noch seine geliebte langjährige Lebensgefährtin Jenny. Diese Umstände verlegen den Lebensmittelpunkt des jungen, abgebrannten Kennedys nach London, wo er sich als Privatermittler auf die Suche nach vermissten Personen spezialisiert. Im Laufe des Romans reihen sich historische Fälle und Erzählungen von verschwundenen Personen sowie Rückblenden in Ians Leben aneinander. Diese Rückblendentechnik ermöglicht es dem Leser, die wenigen Erfolge des Detektivs, aber auch seinen vielen Niederlagen zu verfolgen.

So unerklärlich wie seine Lieben, scheint die junge Peri Lensky verschwunden zu sein. Da Peris Mutter zugetragen wir, dass Ian bereits einen solchen Fall erfolgreich gelöst hatte, beauftragte sie ihn schließlich mit der Suche nach ihrer Tochter, da von dem Mädchen bereits seit zwei Jahren jegliche Spur fehlt und sie auf sonderbare Art und Weise verschwunden ist. Mit großer Neugierde und aus nicht abzustreitender Geldnot nimmt Ian Kennedy den Auftrag an, denn der Fall erinnert ihn sehr an seinen ersten Auftrag. Wenn es sich damals auch eher um eine Hilfeleistung für die Nachbarin seiner Mutter handelte, so löste Ian damit dennoch seinen Ersten "Fall" (...und nutze die Chance, von zu Hause wegzukommen.)
Damals wurde Amy vermisst, sie arbeitete an einem archäologischen Forschungsprojekt in Schottland, bis sie ohne nachvollziehbaren Grund spurlos verschwand. Ian begab sich an den Ort ihres Verschwindens und stellte erfolgreich Nachforschungen an. Er versuchte zu rekonstruieren, was passiert war, recherchierte in der ganzen Umgebung und erhielt mehr und mehr erstaunliche Hinweise. Hinweise, die auf eine unfassbare Parallelwelt hindeuteten. Es sah ganz danach aus, dass neben unserer Welt eine zweite Realität voller Mythen und Legenden existiert die durch Pforten mit der unseren verbunden ist. Aus Erzählungen erfährt Ian, dass manchmal Menschen von den Bewohnern der anderen Welt entführt werden. Doch ebenso offenbart man ihm, dass sich einige auch freiwillig dorthin begeben. Auch Amy hatte diese Welt magisch angezogen, bis er sie aus ihrem Bann befreite.

Dieses Schicksal hat wohl auch Peri ereilt. Da Ian aus den Erfahrungen seines ersten Falles gelernt hat, weiß er, was zu tun ist. Nachdem er alles Notwendige herausgefunden hat, macht er sich gemeinsam mit Peris Ex-Freund und ihrer Mutter auf den Weg, die junge Frau zurück in die reale Welt zu holen. Doch sein Gegenspieler aus der Anderswelt stellt sich als sehr mächtig heraus und ist nicht bereit Peri einfach fort zu lassen...

Fazit: Das geheime Land ist eine Detektivroman zwischen der realen und der Anderswelt. Ein wenig ungewohnt waren für mich die vielen Handlungsebenen, die anfangs etwas zerstückelt und zusammenhanglos erscheinen. Später fügt sich allerdings alles zu einer sehr einfühlsamen Erzählung zusammen, die alle Protagonisten sicher zwischen der unseren und der Parallelwelt handeln lässt. Dass der Klappentext den Roman als Thriller bezeichnet, ist für mich nicht verständlich. Es handelt sich eher um einen mythischen Detektivroman, denn für einen Thriller fehlen mir definitiv lebensbedrohliche Situationen für die Charaktere und atemberaubende Spannung. Wenn man seine Erwartungshaltung an dieses Buch nicht vom Klappentext abhängig macht, sondern sich einfach von den Geschichten packen lässt, verspricht es viele schöne Stunden zwischen beiden Welten.




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