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Die Weisheit des Eunuchen
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 08.11.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Jason Goodwin, Verlag: Piper Verlag GmbH, Seiten: 368, Erschienen: 2006, Preis: 14,00 Euro


Neben Sherlock Holmes, Bruder Cadfael und Decius Caecilius Metellus aus SPQR betritt in "Die Weisheit des Eunuchen" mit Yashim ein neuer Detektiv die Bühne der Weltgeschichte.

Der erste Fall des Eunuchen im Zentrum des Osmanischen Reiches, im Istanbul des 18. Jahrhunderts, bietet sowohl Kurzweil als auch historische Fakten: ein spannender Fall, der sich nach und nach entwickelt und den Leser über 300 Seiten und 100 Kapitel fesselt.

Vor gut zehn Jahren hat der Sultan die Janitscharen gewaltsam aufgelöst und die meisten ihrer Mitglieder ermorden lassen. Die Janitscharen waren eine Mischung aus Armee, Stadtbüttel und Feuerwehr, die sich so sehr in das Machtgefüge des osmanischen Reiches hineingedrängt hatten, dass Stellung und Autorität des Sultans in Gefahr war. Offene Erpressung, Löschen von selbstgelegten Bränden gegen Entgelt und ähnliches gehörte für einige Einheiten zum Repertoire.

Seit der Zerschlagung der Scharen bauen die Osmanen eine Armee nach westlichen Vorbild auf, orientiert an den Erfolgen von Napoleons Armee genauso wie an der Struktur des Erzfeindes Rußland. Nun aber wurden vier Offiziere der Neuen Garde entführt und einer davon wurde schon tot aufgefunden. In einem großen Kessel, möglicherweise zu Tode gekocht. Da in gut zehn Tagen eine große Militärparade bevorsteht, holt der Anführer der Neuen Garde, der Seraskier, den Eunuchen Yashim, der sich mit derartigen Problemen ein wenig auskennt.

Doch auch im Palast gibt es Ärger. Eine der Haremsdamen des Sultans wurde ermordet. Vermutlich nur Eifersüchteleien untereinander, ein Buhlen um die Aufmerksamkeit des Sultans oder eine entartete Intrige. In jedem Fall aber ein zweiter Fall für Yashim.

Autor Jason Goodwin merkt man seinen Kenntnisreichtum dieser Region auf jeder Seite an. Er hat schon Reiseberichte und Sachbücher über den Fernen Osten, Indien und das Goldene Horn geschrieben und wurde für letzteres mit einem Preis geehrt. Aber auch der Erstauftritt seines Helden ist gelungen: einerseits ein historisch dichtes Ambiente, andererseits ein grundsolider, spannender Plot, den zwar mancher Krimifan schon einige Seiten vorher gelöst haben mag, der aber in sich stimmig, logisch und ausgewogen ist.

Die Figuren selbst bekommen die nötige Plastizität, neben der Hauptfigur gelingen viele kleine Nebenfiguren. So beispielsweise die Figur des polnischen Botschafters Stanislaw Palewski, der zwar derzeit kein Land besitzt, aber von den Türken als Botschafter akzeptiert wird, um die Russen zu ärgern. Er kocht regelmäßig mit Yachim zusammen und ist zu mancher Schandtat bereit, um sich im Gespräch zu halten...

Fazit: Für Freunde von historischen Kriminalromanen in jedem Fall eine Empfehlung. Gelungene Atmosphäre, historischer Anstrich, solider Plot, gute Figuren und Spannung bis fast zur letzten Seite, was erwartet man mehr?




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