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Arcatera - Die dunkle Bruderschaft
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 01.07.2000, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): n.b., Verlag: Ubisoft Entertainment GmbG, Seiten: , Erschienen: 2000, Preis: k.A.


Arcatera basiert auf einem traditionellen Pen&Paper-Rollenspiel, welches unter der Feder der Produzenten über viele Jahre zu einem epischen Werk gewachsen ist. Mit einer Fülle von Charakteren und einem romanreifen Plot, wechselt der Adventure-/RPG-Mix nun vom Zettel auf den Bildschirm.

Zunächst ein paar Worte zur Handlung:

Arcatera entführt den Spieler in eine fantastische Welt des Rollenspiels. Beim Spielstart hat man die Wahl zwischen vier verschiedenen Charakteren und - natürlich - vier verschiedenen Geschichten. Sie alle wurden in ihrer Vergangenheit von ihrem Schicksal gebeutelt und nach den filmreifen Anfangssequenzen landen man vor den Toren von Senora. Vor den Toren der Stadt erscheint ein Metusalem, welcher auf die Gefahren des weiteren Weges hinweist, und sich fortan regelmäßig zu Wort meldet. Die Weissagungen des alten Mannes scheinen sich schnell zu prophezeien, denn sehr bald schon merkt unser Held, daß der Segen des beschaulichen Ortes gehörig schief hängt. So wurde dem Prinzen Faltor ax Katmor unlängst das geliebte Zepter aus der monarchen Hand gerissen, und Gerüchte über eine mysteriöse Bruderschaft namens "Die schwarze Sonne" (Was übrigens der Arbeitsuntertitel des Spiels war.) beschäftigt die besorgten Bürger ebenso, wie die geplante Hinrichtung des Oberschurken Rog Gwenuar. Als richtiger Held brennen Sie natürlich darauf, den Dingen auf den Grund zu gehen. Oder nicht?

Im Gegensatz zu Diablo oder Baldur's Gate wird das Geschehen nicht aus einer isometrischen Sicht verfolgt, sondern vielmehr aus einer statischen Third-Person-Perspektive. Seine tapferen Recken dirigiert man durch die Welt von Arcatera ähnlich wie bei einem Point&Click-Adventure, was man schon von Monkey Island her kennt. Es gilt neben den drei Hauptquesten - den üblen Verbrecher Rog Gwenuar auszuaschalten, das Zepter des Prinzen aufspüren und das Geheimnis der Schwarzen Sonne zu lüften - zahlreiche Subquesten zu lösen. Nach üblicher Rollenspielmanier bekommt jeder Charakter nach der erfolgreichen Absolvierung natürlich Abenteuerpunkte. Wenn man eine neue Stufe erreicht, darf man wiederum die Charaktereigenschaften der Spielfigur verbessern.

Im Verlauf des Abenteuers hat man mehrfach die Möglichkeit, daß sich weitere Charaktere dem Titelcharakter anschließen. So hat man nicht nur größere Chancen bei den Echtzeitkämpfen im verlauf des Abenteuers, sondern kann auch von den jeweiligen Fähigkeiten der weitere Helden profitieren. Zwei nützliche Funktionen gibt es bei Kämpfen auch. Wenn eine Rauferei zu eskalieren droht, hat man die Möglichkeit sich zu ergeben oder die Beine in die Hand zu nehmen. Darüber hinaus bietet sich die Möglichkeit auch während des Pausenmodus die Bewaffnung zu wechseln, um den Ausgang eines Gefechts zu seinen Gunsten zu entscheiden. Das Kampfmenü ist allerdings derart simpel gestrickt, daß sich der taktische Gehalt der Auseinandersetzungen auf ein Minimum reduziert.

Nun zu einem interessanten Aspekt: Sobald das Intro-Movie über den Schirm geflimmert ist, bleiben exakt drei Wochen (reeler Zeit), um die rund 200 Schauplätze zu erkunden, und dem Mysterium der schwarzen Sonne auf die Schliche zu kommen. Auf ihrem nicht-linearen Lösungsweg muß sich die Spielfigur allerdings regelmäßig zur Ruhe betten, um sich für den strapaziösen Heldenalltag fit zu halten. Auch eine ausgewogene Ernährung ist für das kräftezehrende Truhen- und Türenknacken unerläßlich und da die virtuellen Recken keine Kostverächter sind, schreien sie auch hin und wieder nach einem kühlen Humpen Bier.

Die zahlreichen NSC's des Fantasyreiches verfügen über ein erstaunliches Eigenleben (ähnlich einer KI). Der mürrische Ork, der eben noch durch das Armenviertel von Senora stampfte, begegnet Ihnen möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in der Bonzensiedlung von Mittelstadt wieder. Auch die Gäste der Taverne mischen sich nach ihrem Umtrunk wieder unter das Volk um ihrem Tagwerk nachzugehen. Ganz im Genteil der klassischen Adventures warten die NSC's nicht tagelang an einer Ecke darauf, daß sie den Helden eine Karte verkaufen dürfen oder ihm eine Information preisgeben dürfen. Mittels Mausklick kann man (fast) jede Person in ein Gespräch verwickeln, dabei sollte man aber berücksichtigen, daß auch der Gesprächspartner nur über eine begrenzte Geduld verfügt. Wenn dessen Geduldsfaden reißt, hüllen sie sich in Schweigen und nur kleinere Präsente oder Magie mag sie zum Verterplauschen überreden. Ansonsten heilt die Zeit alle Wunden.

Die Multiple-Choice-Dialoge wurden sprachlich ordentlich umgesetzt. Stark auffällig war aber die Tatsache, daß sich die unterprivilegierten NSC's sich einer sehr derben und anstößigen Sprache bemächtigen was den einen oder anderen Spieler durchaus stören kann.


Kommen wir zum grafischen Aspekt:

Acatera zählt zweifellos zu den Spielen, deren Screenshots mehr versprechen als die Grafik nachher im Spiel zu halten vermag. Neben dem Himmel, ein paar Tieren, hier und da mal ein paar Grashalme, sorgen nur die Charaktere und die NSC's für Bewegung. Durch die teilweise abgehackten Bewegungen der NSC's und der Charaktere wird die gesamte Harmonie des Spiels erheblich gestört und es kommt zu keiner homogenen Einheit. Die Animationen in den Filmsequenzen wirken stacksig und sehr ungelenk (Man braucht sich dafür nur die Anfangssequenzen anzusehen.) Auf einer 3D-Engine wurde bei Arcatera vollends verzichtet. Die Landschaftsgrafiken wurden alle vorgerendert und sind allesamt recht hübsch anzusehen. Die stimmungsvollen Licht- und Schatteneffekte tun ihren Teil dabei und vermitteln dadurch eine dichte Atmosphäre.

Nach den ersten Minuten war ich von der Atmosphäre des Spieles durchaus angetan. Die herrlichen Filmsequenzen, die ansehlichen Rendergrafiken und die gelungene Sprachausgabe haben mein Herz höher schlagen lassen. Besonders hervorzuheben ist, daß Hans Paetsch als Erzähler den Spieler durch das ganze Spiel hinweg mit Rat und Tat zur Seite steht.

Ich habe zu dem Zeitpunkt mit dem Gedanken gespielt, Arcatera eine hohe Wertung zu geben. Wenn es da nicht die unzähligen Bugs geben würde ... Das Ganze Spiel ist mit zahllosen Bugs und unschlüssigen interaktionen übersäht. Hinzu kommt auch noch, daß mein Rechner aufgrund der häufigen Totalabstürze öfter hochgefahren wurde, als ich meinen Rechner normalerweise innerhalb eines Monats anschalte. Selbst die ständig aktualisierten Patches sind im Endeffekt nur Schadensbegrenzung. Mir kam es so vor, als ob ich BETA-Tester für das Spiel sein würde. Das Spiel ist noch so voll von Fehlern, daß man meinen sollte, es befindet sich noch in der letzten Endwicklungsphase und gehöre noch gar nicht auf den Markt. Westka Entertainement hätte das Spiel lieber mit der Veröffentlichung noch ein Quartal warten und die Fehler beseitigen sollen.

Das Spiel selber bietet neben einer gelungenen Story viel an Atmosspähre. Leider sind die zu häufig auftretenden Fehler ein Punkt, dem man mehr Beachtung schenken muß als einem lieb ist. Daher empfehle ich jedem, der sich dieses Spiel zulegen möchte, daß man darauf warten sollte, daß Westka zuvor die zahllosen Bugs beseitigt. Wenn diese Mengen von Macken, die eine Verkaufsversion einfach nicht haben darf nicht bald ausgebessert werden sehe ich für diesen so hochgepriesene Genre-Mix Arcatera einfach nur schwarz.

Alles in allem kann ich Arcatera - Die dunkle Bruderschaft nur 6 von 10 möglichen Punkten geben.




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