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Sammelkarten Im Gespräch
Interview mit Richard Garfield auf der Magic WM 2003, Berlin
von Stefan Sauerbier
15. August 2003

Richard Garfield entwickelte 1993 das Sammelkartenspiel Magic: The Gathering, welches seit dem mehr als sechs Millionen Spieler begeistert hat.
Nach rund zehn Jahre Magic: The Gathering fand die Weltmeisterschaft dieses Jahr in Berlin statt. Der Computermathematiker hat es sich nicht nehmen lassen und war selber auch vor Ort.


LORP.de: Wie gefällt Ihnen das Convention Center?

Richard Garfield: Es ist großartig. Vielleicht das Beste, dass ich bisher für so eine Veranstaltung erlebt habe, da es viel Platz für die Menge an Menschen gibt.

LORP.de: Wie gefällt ihnen Berlin?

Richard Garfield: Ich hatte gar nicht so viel Zeit es mir anzusehen. Gestern war ich in einigen Museen, habe eine Rundfahrt mit dem Bus gemacht und mir dabei die Architektur der Stadt angesehen. Das hat Spaß gemacht.

LORP.de: Wenn man sich hier so umschaut, sieht man ein großen Menge an Menschen. Haben Sie solch einen Ansturm gerade in Deutschland erwartet?

Richard Garfield: Nein, aber Ich bin jedes mal wieder überrascht wie erfolgreich Magic ist. Als ich es entworfen habe, hatte ich das nie vorhergesehen.

LORP.de: Ich habe Magic-Events in den USA gesehen, aber dies ist die erste dieser Art in Deutschland.

Richard Garfield: Ja, und ich glaube es ist der größte Event den wir bisher überhaupt hatten.

LORP.de: Wenn man sich den Verlauf der Meisterschaft anschaut scheint es einen besonderen Typ von Deck zu geben, der besonders in den oberen Leveln vorherrscht. Von den acht Finalisten spielt die Hälfte mit Wake-Decks.

Richard Garfield: Nun, es ist immer interessant zu sehen was nach oben gelangt. Ich habe festgestellt, dass viele Spieler nicht damit gerechnet haben und deshalb gibt es auch ein Slide-Deck in den obersten Rängen.

LORP.de: Ist diese Menge an ähnlichen Decks nicht störend für das Spielgleichgewicht. Außerdem könnte diese Masse die Freude an der Weltmeisterschaft nehmen, da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass ein Wake-Deck gewinnt?

Richard Garfield: Bei Magic geht es um Variation und dies hat sicher wenig davon. Es geht aber auch um Veränderung und das wird sich ändern. Außerdem ist es gut wenn ein Meisterdeck existiert, aber es ist nicht gut wenn es da bleibt. Die Dinge sollten auch durchgerüttelt werden.

LORP.de: Entwickelt sich Magic in etwa noch da entlang wo Sie es wollten und ist es noch so wie Sie es geplant hatten?

Richard Garfield: Ich bin immer dabei gewesen und ich stimme den Veränderungen die es bis dato gab zu, auch wenn nicht alle meinen Intentionen entsprechen. Es entwickelt sich von selbst. Ich hatte zum Beispiel keinen Turniermodus eingeplant, darum musste sich das Spiel verändern um daran angepasst zu werden. Alles in allem bin ich ganz zufrieden.

LORP.de: Zum Beispiel hörte ich vor einigen Jahren einen gewissen Richard Garfield sagen, es solle alles wie ein großes Bild sein, mit mehr und mehr Karten die alle dazu kommen. Jetzt haben wir Turniere die nur die letzten drei Expansions erlauben sind, senkt das nicht die Vielfalt?

Richard Garfield: Ich denke ich habe über die Jahre mehr über Vielfalt gelernt. Man muss nicht notwendigerweise Vielfalt durch bloßes Zufügen von neuen Karten bekommt, jede Karte wird immer weniger wichtig und ein immer kleinerer Teil der großen Masse. Wenn eine Expansion erscheint, gibt es vielleicht zehn interessante Karten, dann vielleicht fünf, dann drei und irgendwann gar keine mehr. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Type II Turniere sich von Jahr zu Jahr sehr verändern und das finde ich aufregend.

LORP.de: Was wir jetzt hier haben ist das neue Hauptspiel [Link zu Rezi??], wo die Spieler abgestimmt haben, welche Karten darin enthalten sein sollen. Was denken Sie über diese Auswahl?

Richard Garfield: Das neue Hauptspiel habe ich mir noch nicht angesehen.

LORP.de: Werfen wir mal einen Blick in das neue Hauptspiel der achten Edition. Es enthält ein rot-grünes Starterdeck und ein blau-weißes Starterdeck mit jeweils dreißig Karten. Um auf meine vorige Frage noch mal zurück zu kommen, meinen Sie, dass die Decks ausgeglichen sind?

Richard Garfield: Schwer zu sagen ohne es zu spielen, aber sieht geradlinig genug aus, die Auswahl scheint sinnvoll zu sein.

LORP.de: Was meinen Sie, ist die Kartenauswahl um das Spiel zu erlernen gut?

Richard Garfield: Ich werde bestimmt nicht die Wahl kritisieren, da sie mehr darüber nachgedacht haben als ich. Wie ich gerade schon sagte, habe ich es eben zum ersten Mal gesehen.

LORP.de: Was für Decks spielen Sie normalerweise? Ich habe Sie unten beim „Gunslinging“ gesehen. Sie spielten dort gegen jeden der kam.

Richard Garfield: Wenn ich Decks baue, dann mag ich welche zusammenzustellen die nicht erwartet werden. Ich nutze Farben und Karten, die sonst kaum verwendet finden. Meine Decks sind logischerweise nicht die Besten, aber sie bringen neue Ideen. In der Position die ich habe kann ich mit diesen Ideen arbeiten und dafür sorgen, dass da eventuell mal etwas draus wird.

LORP.de: Sie sagten gerade, dass aus Karten etwas wird, wobei ich bemerken muss, dass Karten für viele Spieler nur noch zu Werten werden. Da sind doch auch Namen, Artwork und oft auch kleine Geschichten auf den Karten, und für manche Leute ist es trotzdem nur eine „2/2 grüne Kreatur“.

Richard Garfield: Ich denke es gibt da Raum für verschiedene Ansätze, beim Schach haben die Spielsteine auch verschiedene „Fähigkeiten“ und nicht mehr. Aber ich mag auch schön gestaltete Figuren aus gutem Material. Und so ist das auch mit Magic-Karten, manchmal sind sie nur Werte, aber dann zählt auch wieder die Verschiedenheit der Karten.

LORP.de: Was für uns noch Interesse ist. Was war das seltsamste, das Sie jemals während eines Magic-Spiels oder auf einem Event erlebt haben? Außer einem bestimmten Antrag der mit einer extra dafür kreierten Karte gemacht wurde.

Richard Garfield: Sicher gibt es nichts was meinen Heiratsantrag an meine jetzige Frau per Magic-Karte übertrumpfen könnte. Zur Geburt unserer beiden Kinder habe ich Magic-Karten kreieren lassen. Die Karten habe ich nie gespielt, sie wurden nur als Geburtsanzeigen an Freunde verschickt.

LORP.de: Das klingt nett, was sind das für Karten?

Richard Garfield: Meine Tochter hat eine grüne Karte mit dem Namen „Splendid Genesis“ und mein Sohn hat eine blaue Karte, die „Fraternal Exaltation“ heißt. Beide haben einen Kartentext der besagt, dass ein neuer Spieler zum Spiel kommt.

LORP.de: Mit all diesen Karten da draußen, gibt es da eine Karte von der Sie sagen würden die solle es nicht geben?

Richard Garfield: Sicher gibt es die, aber so viel sie mich irritieren, so sehr müssen sie anderen gefallen haben. Also würde ich nie eine Karte einschränken oder verbieten wollen. Ein Beispiel wäre der „Hafen von Rishada“. Der Spieler veranlasst, nur eine Farbe zu spielen womit er den Spielspaß nimmt. Eine Menge Leute mochten diese Karte offensichtlich über eine lange Zeit. Wenn Leute zu mir kommen und sie signiert haben wollen, schreibe ich „ban me“ darauf, Ich kann meine Karten schließlich etwas personalisieren.

LORP.de: Eine etwas andere Frage, spielen Sie noch um Einsatz?

Richard Garfield: Nein, dass tut niemand.

LORP.de: Das war doch ein Punkt des Originalspiels. Man spielt um eine Karte, und wenn man verliert, so bekam Der Gegner diese.

Richard Garfield: Das ist wahr, das war eines von vielen Dingen. Ich konnte nicht vorhersehen wie viele Karten die Leute besitzen würden. Einer der Zwecke des Einsatzspiels war es, für einen „Kartenfluss“ zu sorgen, ohne viele Karten kaufen zu müssen. Außerdem habe ich nicht geahnt, wie teuer einige Leute die Karten handeln würden. Beides spricht gegen den Einsatz. Es ist unnötig, weil genügend Karten gekauft werden und nicht gewollt, weil die Karten zu wertvoll sind.

LORP.de: Also haben Sie nie damit gerechnet, dass eine Karte 300, 400 oder noch mehr Dollar kosten würde?

Richard Garfield: Nie im Leben habe ich damit gerechnet. Ich war total überrascht. Ich spiele auch noch für Einsatz, aber nur in Ante-Ligen. Dort gehört das zu den Regeln, mit Ligadecks um Einsatz zu spielen.

LORP.de: Womit ich zu einem anderen interessanten Punkt komme. Richard Garfield spielt Magic, aber was spielen Sie noch?

Richard Garfield: Ich spiele alle Spiele die ich in die Finger bekomme. Klassiker wie Poker, Schach, Go oder Bridge, aktuelle Brettspiele, deutsche Brettspiele und Avalon Hill Spiele. Ich bin auch Rollenspieler, aber ich komme viel zu selten dazu. Finde ich ein neues Spiel, probiere ich es nicht nur einfach aus. Wenn ich erst keinen Spaß habe und es aber ein beliebtes Spiel ist, versuche ich herauszufinden was ich verpasst habe. Aber bevor ich das nicht herausbekomme stelle ich es nicht wieder zurück in den Schrank.

LORP.de: Was halten Sie davon, was andere Firmen aus Ihren Spielen machen? Ich denke da zum Beispiel an die deutsche Variante von Robo Rally.

Richard Garfield: Ich habe sie gesehen und auch ausprobiert und ich mag beide Varianten. Jede hat ihren Vorzüge. Phil Foglio hat das Artwork für die amerikanische Version gemacht und das ist kaum zu überbieten. Aber auch die deutschen Roboter haben etwas. Ich ziehe bemaltes Plastik den Zinnminiaturen vor. Miniaturen würde ich nie bemalen. Hätte ich bemalte Miniaturen so wäre das toll, aber das ist nun mal nicht so.

LORP.de: Der Grund wieso ich frage. Ich kenne viele Leute die Robo Rally sehr mögen. Als die deutsche Variante erschien kam die Frage auf „wieso habt ihr das gemacht?“. Wir vermissen die Zinnminiaturen und die lustigen Originalroboter. Wer jemals einen Twonky gesehen hat weiß wovon ich rede.

Richard Garfield: Der Twonky, Phil Foglio ist ein Genie was das angeht und es ist ohne einen Top Comiczeichner fast unmöglich da mitzuhalten. Aber ich habe es nicht anders erwartet.

LORP.de: Die Original Roboter werden wirklich vermisst.

Richard Garfield: In mir ist die Hoffnung, dass ich Robo Rally bald wieder sehe. Ich habe mit Wizards of the Coast gesprochen, ob sie es in die Avalon Hill Serie aufnehmen können oder mir das Spiel zurückgeben. Da ich eine neue Version produzieren möchte.

LORP.de: Gut, damit sind wir am Ende unseres Interviews. Gibt es noch etwas was Sie den deutschen Spielern sagen möchten, die dieses Interview im Netz lesen werden?

Richard Garfield: Es ist jedes mal eine Freude in Deutschland zu sein und ich komme gerne her. Eines meiner schönsten Erlebnisse war mein letzter Besuch in Essen auf der Spielemesse. Ich mag die Spielekultur die mir jedes mal begegnet wenn ich hier bin.

LORP.de: Ich möchte mich noch herzlich für das Interview bei Ihnen bedanken.

Richard Garfield: Ganz meinerseits.

Das Interview führten Mira Stripling und Oliver Nothers



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